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Erdgas in Deutschland:Heikler Milliardendeal zwischen Gazprom und BASF

OAO Gazprom Opens The Russian Yamal Gas Pipeline

Gazproms Pipelines bei Bovanenkovo in Russland.

(Foto: Bloomberg)
  • Die Unternehmen BASF und Gazprom haben ein milliardenschweres Tauschgeschäft vereinbart.
  • Der Deal steht wegen der politischen Situation zwischen Russland und Westeuropa in der Kritik.
  • Ende letzten Jahres wäre der Handel beinahe geplatzt.

Der Chemiekonzern BASF und der russische Gasriese Gazprom werden bis zum Jahresende ein politisch brisantes Milliardengeschäft umsetzen. Die Konzerne werden Firmenanteile tauschen, teilte BASF am Freitag mit. Die Kasseler BASF-Tochter Wintershall soll das hiesige Gashandel- und Gasspeichergeschäft vollständig an Gazprom abgeben. Dafür soll BASF im Gegenzug mehr Anteile an großen Erdgasfeldern in Sibirien erhalten.

Gazprom kommt seinem Ziel näher, Gas nicht mehr nur an der europäischen Grenze abzuliefern. Erstmals kann der Konzern Endkunden direkt beliefern. Zudem erhält das Unternehmen Zugriff auf strategisch wichtige Gasspeicher in Deutschland und wird einen Teil des Gashandels kontrollieren. Schon seit Beginn der Krise waren die Pläne jedoch wegen des wachsenden Einflusses von Gazprom auf den deutschen Gasmarkt immer heftiger in die Kritik geraten.

Tauschgeschäft wäre beinahe geplatzt

Ende des vergangenen Jahres hatte es deshalb auch noch so gewirkt, als sei der Deal wegen der politischen Krise zwischen Russland und Westeuropa geplatzt. In einer knappen Erklärung hatte BASF damals mitgeteilt, das Projekt sei gestoppt. Dabei war der Tausch lange vorbereitet. BASF und der russische Staatskonzern hatten ihn bereits 2012 vereinbart, denn mit dem Geschäft sind große Hoffnungen verbunden - auf beiden Seiten.

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Die in der Erdöl- und Erdgassuche sowie -förderung tätige Wintershall Noordzee wird nun einen 50-Prozent-Anteil an Gazprom abgeben. Das Geschäft ist einträglich: Allein im Jahr 2014 trugen die Wintershall-Aktivitäten rund 12,2 Milliarden Euro zum Umsatz von BASF bei. Das Unternehmen erklärte, die Transaktion solle wie bereits im Dezember 2013 vereinbart, mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 1. April 2013 erfolgen. Die Europäische Kommission hatte bereits Anfang Dezember 2013 grünes Licht für den Deal gegeben.