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Eon:Eon will Kunden für Solarzellen gewinnen - gemeinsam mit Google

Screenshot von eon-solar.de, 2017

Daten von Google sollen Eon helfen, den Kunden das Potenzial von Solarenergie zu zeigen.

(Foto: OH)
  • Eon will mit einem Online-Portal Kunden für Solarzellen, Batterien und Stromverträge finden.
  • Dazu hat der Konzern eine Partnerschaft mit dem Internetkonzern Google geschlossen.

Im neuen Solarrechner des Energieversorgers Eon sieht das eigene Wohngebiet ganz lustig aus. Der Nutzer blickt von oben auf Straßen und Bäume, wie er es aus dem Luftbild von Google Maps kennt. Nur dass die Dächer grell gefärbt sind: Wo regelmäßig die Sonne scheint, leuchten die Ziegel hellgelb. Die Schattenseiten hingegen sind tief violett. Wer seine Adresse eingibt, dem rechnet das Portal aus, wie viel Dachfläche für Solarzellen geeignet sein könnte, und wie viel Strom der Hausbesitzer selbst produzieren könnte. 672 Euro könnte er pro Jahr verdienen, schätzt der Rechner etwa für ein Haus im Münchner Westen.

Mit dem Portal will Eon Kunden für Solarzellen, Batterien und Stromverträge finden. Dazu hat der Konzern eine Partnerschaft mit dem Internetkonzern Google geschlossen. Der Solarrechner nutzt Satelliten-Daten der Kartendienste Google Earth und Google Maps. Anhand der Dachneigung und dem Schattenwurf der Bäume schätzt er, wie viel Sonnenlicht im Laufe der Jahreszeiten auf die Dachflächen fällt. Für sieben Millionen Häuser in den Ballungsräumen Berlin, München, Rhein-Main und dem Ruhrgebiet ist der Rechner online. Eon will Eigentümern Geräte verkaufen - und überschüssigen Strom abnehmen, falls mal zu viel Sonne scheint.

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Photovoltaik könnte bundesweit so viel Strom erzeugen wie 30 Kraftwerke

Die Zusammenarbeit mit Google, über die das Handelsblatt zuerst berichtet hat, steht beispielhaft für den Wandel Eons vom reinen Versorger zum Dienstleister. Im vergangenen Jahr hat der Konzern sein Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken in die Firma Uniper ausgelagert. Eon verdient sein Geld künftig mit erneuerbaren Energien und Stromnetzen, die dezentraler werden: Hausbesitzer produzieren und speichern Strom, anstatt ihn nur zu beziehen. Der Rechner soll Solarzellen beliebter machen, sagt Eon-Vorstand Karsten Wildberger. "Hier wird das Potenzial deutlich, das Digitalisierung für den weiteren Erfolg der Energiewende entfalten kann."

Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt, dass bundesweit mehr als 1000 Quadratkilometer Dachfläche für Solarzellen geeignet sind. Demnach könnte die Photovoltaik so viel Strom erzeugen wie 30 große Kraftwerke. Doch wird bislang nur ein Viertel dieses Potenzials ausgeschöpft. Solarzellen gelten immer noch als teuer, obwohl die Preise zuletzt gesunken sind. Viele Hauseigentümer scheuen den Aufwand, den das kleine Kraftwerk auf dem Dach etwa bei der Steuererklärung verursacht. Und: "Nicht jedes Dach ist statisch für die Aufnahme der Solarmodule geeignet", sagt Corinna Kodim vom Verband Haus und Grund. "Auch darf die Elektro-Installation des Hauses nicht zu alt sein."

Deshalb sei es unerlässlich, dass ein Fachmann das Dach besichtigt, sagt Stefan Nakazi von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Der Rechner liefert höchstens eine grobe Einschätzung, ob sich eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach lohnen könnte." Zudem seien die Satellitenbilder von Google nicht immer auf dem neuesten Stand, wenn es etwa um den Schattenwurf von Bäumen gehe. Hauseigentümer sollten mehrere Angebote einholen und die Preise vergleichen, rät Nakazi.

Die neue Spielerei für Hausherren lohnt sich in jedem Fall für Google. Der Konzern hat seine Plattform Sunroof ("Sonnendach") bereits im Jahr 2015 in den USA gestartet. Eon zahlt nun Lizenzgebühren dafür, dass Sunroof in Form seines Solarrechners erstmals auch außerhalb Amerikas verfügbar ist. Mittelfristig wollen Eon und Google "möglichst viele deutsche Haushalte" erfassen - und prüfen, ob sie den Rechner in weiteren Staaten ausrollen.

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Für Google sind Anwendungen rund um das Zuhause interessant, da der Konzern bereits das verbreitete Handy-Betriebssystem Android bereitstellt und Standortdaten seiner Nutzer erhebt, etwa über den Kartendienst Google Maps. Schon 2014 übernahm Google einen Hersteller von Thermostaten und Rauchmeldern. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Android-Nutzer etwa seine heimische Heizung und Solaranlage vom Handy aus steuern wird.