Energie:Eon investiert Milliarden Euro ins Netz

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Kein Ende im Streit um Stromnetzverkauf in Sicht

Ein Umspannwerk in Mecklenburg: Deutschland dürfte in Zukunft mehr Strom benötigen - eine Herausforderung für das Netz.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Elektroautos, Wärmepumpen, Rechenzentren: Deutschlands größter Versorger will vom steigenden Stromverbrauch profitieren. Doch es gibt auch Kritik, der Aktienkurs fällt.

Von Benedikt Müller-Arnold, Düsseldorf

Um den einstigen Energiekonzern Eon ist es still geworden. Der Dax-Konzern hat fast keine Großkraftwerke mehr, sein letzter Atommeiler soll nächstes Jahr den Betrieb einstellen. Stattdessen betreibt Eon vor allem Netze - und verkauft Strom und Gas an Millionen Menschen in Europa. An der Börse sind die Essener zwar noch der wertvollste Versorger Deutschlands. Doch der Aktienkurs ist in den vergangenen Jahren kaum vom Fleck gekommen, allen anderen Börsenrekorden zum Trotz.

Am Dienstag ist Leonhard Birnbaum angetreten, das zu ändern. Der 54-Jährige, der sich selbst lieber Leo nennt, steht seit April an der Eon-Spitze. Nun hat Birnbaum Investoren zum Kapitalmarkttag geladen, einer Veranstaltung, die für das Unternehmen und seine Aktie werben soll. Allerdings lässt der Börsenkurs auch an diesem Tag darauf schließen, dass dies nicht ganz gelungen ist.

Leonhard Birnbaum

Leonhard Birnbaum, genannt Leo: Der gebürtige Pfälzer und promovierte Ingenieur gehört seit 2013 dem Vorstand von Eon an.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Dabei sagt der Vorstandschef: "Wir stehen vor beispiellosen Wachstumschancen." Schon heute habe Eon etwa eine Million Wind- und Solaranlagen an seine regionalen Netze angeschlossen. Und die Zahl soll steigen, je mehr klimaschädliche Großkraftwerke vom Netz gehen werden. Zugleich dürften viele Menschen künftig mehr Strom benötigen: Schließlich sollen Elektroautos Verbrennungsmotoren ersetzen, strombetriebene Wärmepumpen Gas- und Ölheizungen verdrängen, auch Rechenzentren brauchen Energie. "Wir haben ganze Branchen, die sich in unsere Richtung bewegen", sagt Birnbaum.

Eon werde daher 27 Milliarden Euro bis zum Jahr 2026 investieren. Das ist mehr als bislang angekündigt. Der Großteil des Geldes soll in das regulierte Netzgeschäft fließen, ein kleinerer in das umkämpfte Geschäft mit Privatleuten und Firmenkunden. Sein Konzern werde nicht nur zusätzliche Leitungen bauen, sagt Birnbaum, sondern beispielsweise auch Trafo-Stationen aufrüsten oder Umspannwerke ausbauen.

Die Verbraucher zahlen für die Renditen

Dabei sollte man wissen, dass regionale Strom- und Gasnetze sogenannte natürliche Monopole sind: Firmen wie Eon betreiben gewisse Teile des Netzes, dafür erhalten sie eine Verzinsung auf das eingesetzte Kapital. Die Bundesnetzagentur legt diese Renditen so fest, dass Betreiber zwar einen Anreiz zum Ausbau haben, Verbraucher aber auch nicht übermäßig belastet werden sollen. Schließlich zahlt die Allgemeinheit diese Verzinsung über die Netzentgelte.

Kürzlich hat die Netzagentur entschieden, dass die Rendite in den nächsten Jahren zurückgehen soll. Die Behörde verweist auf die allgemein niedrigen Zinsen. Eon nennt die Festlegung nun enttäuschend und fehlerhaft. "Deswegen haben wir beschlossen, rechtlich vorzugehen gegen die Entscheidung der deutschen Regulierungsbehörde", sagt Vorstandsmitglied Thomas König. Bis Gerichte über diesen für Eon wichtigen Gewinnbringer befunden haben werden, dürften einige Jahre vergehen.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) kritisiert den Schritt. Obwohl die Netzagentur die Rendite höher angesetzt habe als ursprünglich vorgeschlagen, reiche es einigen immer noch nicht, schimpft Thomas Engelke, Energieexperte der VZBV: "Es geht um Milliarden Euro - zulasten der privaten Haushalte."

Unterdessen verspricht Eon den Investoren auch Wachstum im Vertrieb. Hier ruht die Hoffnung etwa auf Solaranlagen, Batteriespeichern oder Ladepunkten für Elektroautos, die Eon an Privatleute und andere Unternehmen verkaufen will.

Der Konzern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich spezialisiert: 2016 brachte er seine Gas- und Kohlekraftwerke in der eigenständigen Firma Uniper an die Börse. 2018 übernahm Eon das Netz- und Vertriebsgeschäft der RWE-Tochter Innogy; im Gegenzug gab man das internationale Geschäft mit Wind- und Solarparks an den alten Rivalen RWE ab.

Insgesamt kündigt Eon an, die Kosten in den nächsten Jahren um etwa 500 Millionen Euro zu senken. Ob dies mit einem weiteren Stellenabbau einhergehen soll, will Birnbaum am Dienstag nicht beziffern. Fest steht indes: Die Aktionäre sollen im kommenden Jahr eine Dividende von 49 Cent je Anteilsschein erhalten, zwei Cent mehr als zuletzt.

Dennoch hat der Konzern an der Börse am Dienstag zeitweise vier Prozent an Wert verloren. Das ist eine Reaktion, die Aktiengesellschaften an ihrem Kapitalmarkttag gerne vermeiden wollen. Doch die Veranstaltung habe keine Überraschungen gebracht, monieren etwa die Analysten der Schweizer Großbank UBS. Eon habe überraschend hohe Investitionen angekündigt, dennoch seien die in Aussicht gestellten Gewinne nicht höher als jenes Niveau, das Investoren ohnehin erwartet hätten. Und ein aggressives Programm, um die Kosten zu senken, habe Birnbaum auch nicht vorgestellt. Es ist nicht ganz leicht, zeigt dieser Dienstag, Analysten zu begeistern.

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