bedeckt München 21°
vgwortpixel

Energiemarkt:Was die Zerschlagung von Innogy für Folgen hat

Stromtrasse

RWE wird reiner Stromerzeuger und -händler, Eon zum Betreiber von Strom- und Gasnetzen.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Deutschlands Energiesektor sortiert sich neu: Eon und RWE dürfen nach Zustimmung der EU die RWE-Tochter Innogy unter sich aufteilen. Das trifft vor allem die Beschäftigten.

Eon und RWE, das waren lange Zeit zwei der wertvollsten und profitabelsten Firmen Deutschlands. Durchgeschüttelt von der Energiewende stellen sich beide Konzerne nun ganz neu auf. Die EU-Kommission hat ein milliardenschweres Tauschgeschäft der beiden Unternehmen unter Auflagen genehmigt.

Was wird nun aus Eon?

Eon beschränkt sich künftig darauf, Strom und Gas zu transportieren und zu verkaufen. Der Konzern gibt seine Windparks bald an RWE ab. Die Atomkraftwerke gehen ohnehin 2022 vom Netz; Gas- und Kohlemeiler hat man vor drei Jahren abgespalten. Mit dem sehr politischen Geschäft der Stromerzeugung hat Eon also bald nichts mehr am Hut. Im Gegenzug übernimmt der Konzern Millionen Strom- und Gaskunden der RWE-Tochter Innogy. So zählt Eon fortan mehr als 50 Millionen Verträge, davon etwa 14 Millionen hierzulande. Dieses Vertriebsgeschäft ist durchaus umkämpft, derzeit vor allem in Großbritannien.

Zugleich wird Eon zum großen Betreiber regionaler Strom- und Gasnetze. Das ist ein reguliertes Geschäft: Die Firmen bewerben sich auf Konzessionen, die Netze für einige Jahre zu betreiben. Dennoch sieht Vorstandschef Johannes Teyssen darin große Chancen: "Da entscheidet sich, ob Klimaschutz und Energiewende den Menschen wirklich nutzt und gelingen kann." Beispielsweise transportiert Eon immer mehr Solarstrom von hiesigen Dächern. Die Essener werden auch zu einem großen Betreiber von Ladesäulen für E-Autos.

Was wird nun aus RWE?

Ohne die Tochter Innogy wird RWE künftig reiner Stromerzeuger und Händler. Der alte Kohlekonzern übernimmt die Ökostromkraftwerke von Innogy und Eon mit einer Kapazität von neun Gigawatt. Damit bleiben die Kohle- und Gasmeiler bei RWE zwar einstweilen in der Mehrheit. Doch steigen die Essener immerhin zum drittgrößten Ökostromproduzenten Europas auf. "Schon in einem Jahr werden Sie unser Unternehmen kaum wiedererkennen", sagte Vorstandschef Rolf Martin Schmitz in der jüngsten Hauptversammlung. RWE will jährlich 1,5 Milliarden Euro in Ökostrom investieren, während immer mehr Kohlemeiler vom Netz gehen werden.

Was sind die Folgen für Stromkunden?

Da gehen die Meinungen auseinander. Kritiker glauben, Eon könnte nach der Übernahme von Innogy "kurzfristig Kampfpreise anbieten, kleine Konkurrenten verdrängen und so den Markt verschließen". So steht es in einem kritischen Standpunkt, den zehn andere Versorger aus Deutschland veröffentlicht haben. Mit vielen Marken könnte Eon künftig auch Vergleichsportale dominieren, befürchten sie. Vorstandschef Teyssen weist derlei Bedenken zurück: "Aus Anlass dieser Übernahme werden keinerlei Preise erhöht." Stromkunden hätten bundesweit die Wahl aus mindestens 100 Anbietern. Da sei es "nicht durchsetzbar", sagt Teyssen, "einfach die Preise zu erhöhen." Kernmarke des fusionierten Konzerns werde Eon sein.

Welche Auflagen gibt es?

In Deutschland, der Slowakei, Tschechien, Ungarn und Großbritannien sind sowohl Eon als auch RWE wichtige Anbieter; der Tausch von Geschäften hätte nach Meinung der EU-Kommission zu einer Übermacht der neu zusammengestellten Unternehmen geführt. Um die Bedenken von Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auszuräumen, bot Eon an, den Großteil der Verträge mit Heizstromkunden in Deutschland abzugeben sowie den Betrieb von 34 Ladestationen für Elektro-Autos an deutschen Autobahnen. In Tschechien wird der gesamte Strom- und Gasvertrieb verkauft, in Ungarn ein Teil des Stromgeschäfts. Die Kommission kam zum Schluss, dass Käufer diese Bereiche rentabel betreiben und daher den Wettbewerb anheizen können. Deswegen genehmigte Vestager die Fusion unter der Auflage, dass Eon seine Zusagen einhält. Eons Verkäufe stellten sicher, dass der Zusammenschluss aus Sicht der Verbraucher "nicht zu einer geringeren Auswahl und höheren Preisen führen wird", sagte die Dänin. Bereits im Februar hatte RWE für seinen Teil des komplizierten Tauschgeschäfts das Placet aus Brüssel erhalten.

Was sind die Folgen für die Beschäftigten?

Im künftigen Eon-Konzern werden mehr als 70 000 Menschen arbeiten. Doch wird es in dem Netz- und Vertriebsunternehmen viele doppelte Strukturen geben. Daher will Eon bis zu 5000 Stellen abbauen. Der Konzern hat bereits einen Tarifvertrag mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE ausgehandelt. Dieser sieht etwa vor, dass Beschäftigte gegen eine Abfindung den Konzern verlassen oder in den Vorruhestand gehen können. "Hier fällt niemand ins Bergfreie", sagt Teyssen. Besonders viele Überschneidungen zwischen Eon und Innogy gebe es in München, Essen und Dortmund. Die Beschäftigten sollen in den nächsten Wochen Klarheit erhalten. Zwar hat der Konzern die erste Führungsebene unterhalb des Vorstands "grosso modo" je zur Hälfte mit Eon- und Innogy-Managern besetzt. Auch erweitert der Konzern seinen Aufsichtsrat nun um sechs Vertreter, die Innogy gut kennen, darunter auch mit RWE-Chef Schmitz. Allerdings besteht der Vorstand einstweilen weiter nur aus den fünf derzeitigen Eon-Vorständen. Die etwa 3500 Menschen, die in den Ökostromsparten von Eon und Innogy arbeiten, werden zu RWE wechseln. Da das Geschäft wachsen soll, hat der Konzern keinen Stellenabbau angekündigt.

Was bedeutet das für Aktionäre?

Die RWE-Tochter Innogy, die erst vor drei Jahren mit großem Tam-Tam an die Börse gebracht wurde, dürfte schon bald keine eigenständige Firma mehr sein. Eon besitzt mittlerweile 90 Prozent der Innogy-Aktien. Daher darf der Konzern die verbliebenen Innogy-Aktionäre herausdrängen. Wie viel Geld die Anteilseigner erhalten, sollen Wirtschaftsprüfer ermitteln.