bedeckt München

Entscheidung in Stockholm:Wirtschafts-Nobelpreis geht an Franzosen Jean Tirole

  • Die Jury in Stockholm hat den letzten Nobelpreis dieses Jahres vergeben: Die Auszeichnung geht an den französischen Professor Jean Tirole.
  • Der 61-Jährige erhält den Preis für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung.
  • Die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaftler gehört nicht zu den klassischen Nobelpreisen, sie wurde erstmals 1969 vergeben.

Wer den Wirtschafts-Nobelpreis erhält

Die Jury in Stockholm hat entschieden: Der Nobelpreis im Bereich Wirtschaftswissenschaften geht an den französischen Professor Jean Tirole. Er unterrichtet an der Toulouse School of Economics.

Der 61 Jahre alte Ökonom wurde für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung ausgezeichnet, teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften mit. Die Jury bezeichnete ihn als einen "der einflussreichsten Ökonomen unserer Zeit". Zu Tiroles Arbeitsschwerpunkten gehören industrielle Organisation, Banken- und Finanzwesen sowie psychologische Aspekte der Wirtschaftswissenschaft.

Tirole zählt nach Angaben der Universität Mannheim, wo er im Jahr 2011 die Ehrendoktorwürde erhielt, zu den einflussreichsten und produktivsten Wirtschaftswissenschaftlern weltweit. Bereits Anfang der 80er Jahre habe er über Spekulationsblasen geforscht. Er veröffentlichte zudem Arbeiten zur Industrieökonomik, Spieltheorie und Vertragstheorie.

Direkt nach der Verkündung des Preisträgers trat dieser selbst auf die Bühne und gab ein kurzes Statement zu seiner Forschung ab.

Nach Angaben des Nobelkomitees ist Tirole bereits der 50. französische Nobelpreisträger - allerdings erst der dritte im Bereich Wirtschaft, nach Gérard Debreu (1983) und Maurice Allais (1988).

Der Preis

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft gehört nicht zu den klassischen Nobelpreisen. Er wurde erst 1968 von der Schwedischen Reichsbank zur Erinnerung an Alfred Nobel gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Ursprünglich hatte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) lediglich Preise in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden vorgesehen. Der auch wegen der nachträglichen Stiftung umstrittene Wirtschaftspreis wird von der Nobel-Stiftung offiziell nicht als Nobelpreis eingestuft. Er heißt daher "Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel". Verliehen wird die mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 870 000 Euro) dotierte Auszeichnung am 10. Dezember, dem Todestag Nobels, in Stockholm. Allein der Friedensnobelpreis wird in Oslo überreicht.

Wer bislang mit dem Wirtschafts-Nobelpreis ausgezeichnet wurde

Der Preis ging bisher überwiegend an Wirtschaftswissenschaftler aus den USA. 2013 wurden mit den Börsen-Forschern Eugene F. Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller drei Amerikaner geehrt. Sie hatten den Preis für ihre Erkenntnisse über das Funktionieren der Aktienmärkte erhalten. In keiner anderen Disziplin gibt es außerdem weniger weibliche Preisträger. Bislang hat nur eine Frau den Wirtschaftspreis bekommen: die US-amerikanische Umwelt-Ökonomin Elinor Ostrom 2009.

Unter den bisherigen Preisträgern befindet sich mit dem Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten nur ein deutscher Wissenschaftler. Traditionell treffen sich viele der noch lebenden Preisträger alle drei Jahre in Deutschland - zuletzt im August: Bei einer mehrtägigen Tagung diskutieren sie in Lindau am Bodensee mit Hunderten Nachwuchsökonomen über die verschiedensten Aspekte der Volkswirtschaftslehre.

Links zu den bisherigen Preisträgern:

© SZ.de/dpa/infu/lala
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema