Energieversorgung:Die Erdgasspeicher sind komplett gefüllt

Energieversorgung: In Rehden, Niedersachsen, steht der größte deutsche Erdgasspeicher.

In Rehden, Niedersachsen, steht der größte deutsche Erdgasspeicher.

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa)

Der Füllstand liegt sogar bei etwas mehr als 100 Prozent, das klingt überraschend. Wie kann das sein?

Es ist der zweite Winter in Folge, in dem sich Deutschland fragen muss, ob die Energie für Haushalte und die Industrie reicht. Ein Blick auf die Füllstände der Erdgasspeicher zeigt: Sie sind seit vergangenem Sonntag zu 100 Prozent gefüllt. Der Füllstand lag gar bei 100,03 Prozent, wie am Sonntagabend aus vorläufigen Daten des europäischen Gasspeicherverbands GIE hervorging. 100 Prozent Füllstand bedeutet eine Menge an Erdgas, die nach früheren Angaben der Bundesregierung etwa dem Verbrauch von zwei bis drei durchschnittlich kalten Wintermonaten entspricht.

Der Speicherverband GIE gab die gespeicherte Erdgasmenge mit 254,92 Terawattstunden an. Zum Vergleich: Im Januar und Februar 2023 wurden laut Bundesnetzagentur in Deutschland insgesamt gut 196 Terawattstunden Erdgas verbraucht. Im gesamten Jahr 2022 wurden in Deutschland laut Bundesnetzagentur insgesamt 847 Terawattstunden Erdgas verbraucht. Eine Terawattstunde sind eine Milliarde Kilowattstunden.

Die Kunden und Kundinnen sollen auch in Zukunft weiter sparen

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte: "Es ist eine gute Nachricht, dass die Speicher nun zu 100 Prozent gefüllt sind. Wir sind viel besser vorbereitet auf den Winter, als wir es im letzten Jahr waren", sagte Müller. Für eine vollständige Entwarnung sei es aber zu früh. "Wir bitten die Menschen, sich weiter genau zu überlegen, welcher Verbrauch sich einsparen lässt." Wer Gas sparsam verbrauche, könne auch im kommenden Winter viel Geld sparen. "Ein Durchschnittshaushalt hat durch achtsamen Gasverbrauch im letzten Jahr rund 440 Euro gespart."

Der Geschäftsführer des Speicherverbandes Initiative Energien Speichern (Ines), Sebastian Heinermann, sagte: "Mit der erneut vollständigen Befüllung sind die Betreiber und Nutzer der Gasspeicher ihrer Verantwortung für eine sichere Gasversorgung im Winter umfassend nachgekommen." Er hoffe, dass dies in der Politik Vertrauen schaffe, sodass von weiteren Eingriffen in die Speichernutzung abgesehen werden könne. Heinermann verwies in diesem Zusammenhang auf aktuelle Vorschläge der Bundesregierung zur Änderung des Gasspeichergesetzes. Diese sähen weitergehende Pflichten für Speicherbetreiber und -nutzer vor. Für den Winter bedeute die erneut vollständige Befüllung, dass unter den aktuellen Bedingungen nur noch extrem kalte Temperaturen zu einer Gasmangellage führen könnten.

Deutschland erhält Erdgas aus zahlreichen Ländern. Im Oktober importierte Deutschland nach Angaben der Netzagentur insgesamt gut 74 Terawattstunden Erdgas. Zuletzt kam das Erdgas durch Pipelines vor allem aus Norwegen, Belgien und den Niederlanden. Kleinere Mengen flossen aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und über die neuen Flüssigerdgas-Terminals an den deutschen Küsten in das deutsche Fernleitungsnetz. Über die Ostseepipeline Nord Stream 1 kam zuletzt am 30. August 2022 Erdgas aus Russland nach Deutschland.

Wie voll die Speicher sein müssen, ist seit 2022 geregelt. Eine Verordnung sieht vor, dass die Speicher am 1. November zu mindestens 95 Prozent gefüllt sein müssen. Am 1. Februar müssen sie noch zu 40 Prozent gefüllt sein. Die 95 Prozent wurden bereits am 26. September erreicht.

Voller als 100 Prozent?

Die Gasspeicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit ein Puffersystem für den Markt. Im Winter nehmen die Füllstände üblicherweise ab, nach dem Ende der Heizperiode wieder zu. Der größte deutsche Speicher im niedersächsischen Rehden verzeichnete am Sonntagmorgen einen Füllstand von 99,3 Prozent. Auch EU-weit sind die Speicher fast voll. Laut GIE lag der Füllstand bei fast 99,6 Prozent.

Warum der Füllstand auch mehr als 100 Prozent betragen kann, erklärt der Speicherverband Ines: Die Speicherbetreiber gäben das Fassungsvermögen von Gasspeichern unter normalen Bedingungen mit 100 Prozent an. "Wird Gas unter optimalen Voraussetzungen eingespeichert, kann das zu einer Erhöhung der Speichermöglichkeiten führen", erklärte Heinermann. So sinke das Volumen von Erdgas, wenn seine Temperatur abnehme. "Hat also das gespeicherte Gas nach der Verdichtung zur Einspeicherung Zeit, um abzukühlen, dann lässt sich am Ende mehr Gas in einem Speicher lagern."

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