Elon Musk:Twitter-Nutzer stimmen für Verkauf von Tesla-Aktien

Lesezeit: 3 min

May 30, 2020, Cape Canaveral, United States: SpaceX founder Elon Musk gestures to the audience after being recognized b

Elon Musk sorgt auf Twitter für Aufsehen - mal wieder.

(Foto: Paul Hennessy /imago images)

Tesla-Gründer Elon Musk ließ auf Twitter seine Anhänger abstimmen, ob er Aktien im Wert von 20 Milliarden Dollar verkaufen soll - und die votierten eindeutig. Und jetzt?

Von Caspar Busse

Können 62,6 Millionen Menschen irren? Elon Musk jedenfalls glaubt offenbar an die Intelligenz der Masse. Der Gründer und Großaktionär des Elektroautobauers Tesla hatte am Wochenende in einem sehr ungewöhnlichen Schritt auf dem Kurznachrichtendienst Twitter eine Abstimmung gestartet. Dabei befragte er seine 62,6 Millionen Anhänger, ob er zehn Prozent seiner Aktien an dem E-Autobauer verkaufen soll. Diese wären mit dem letzten Aktienkurs mehr als 20 Milliarden Dollar wert. Musk hält nach jüngsten Informationen noch etwa 23 Prozent an Tesla. Der Börsenwert des E-Autobauers aus Kalifornien überschritt Ende Oktober nach einem deutlichen Kursanstieg die Marke von mehr als einer Billion Dollar.

"In letzter Zeit wird viel über nicht realisierte Gewinne als Mittel zur Steuervermeidung gesprochen", schrieb Musk am Samstagabend auf Twitter. "Daher schlage ich vor, zehn Prozent meiner Tesla-Aktien zu verkaufen." Der Tweet enthielt eine Umfrage, die "Ja" und "Nein" als Antworten vorgab und auf 24 Stunden angesetzt war. "Ich werde mich an die Ergebnisse dieser Umfrage halten, egal wie sie ausgeht", versprach Musk. Da er weder Bargehalt noch Boni von Tesla erhalte, sei der Verkauf von Aktien der einzige Weg für ihn, steuerpflichtig zu werden. Am Ende hatten sich mehr als 3,5 Millionen Twitter-Nutzer an der Umfrage beteiligt. Fast 58 Prozent votierten dabei für einen Verkauf. Sollte Musk seine Aktien veräußern, könnte das zu einem erheblichen Kursrückgang führen. Die Börsen eröffnen den Handel erst wieder am Montag.

Musk ist für kontroverse und unkonventionelle Aktionen bekannt. Dabei geriet er auch schon in Konflikt mit der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. 2018 etwa kündigte er plötzlich per Twitter an, dass er die börsennotierte Firma wieder privatisieren und die Aktien zurückkaufen wolle. "Ziehe das in Betracht", schrieb er damals, und: "Finanzierung gesichert." Mehr Informationen gab es nicht, die Aktie stürzte ab und wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Die Aufregung war groß, die SEC nahm sich des Falls an. Damals schrieb sie Musk vor, dass er seine Tweets vor der Veröffentlichung von Teslas Anwälten checken lassen muss. Ob das diesmal geschehen ist, ist offen. Die Ankündigung von Musk dürfte jedenfalls börsenrelevant sein.

BMW ist an der Börse nur ein Bruchteil von Tesla wert

Tesla - der Konzern baut gerade ein Werk in Brandenburg - gehört zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen überhaupt und lässt alle anderen Autobauer, auch die deutsche Konkurrenz, weit hinter sich. BMW etwa kommt nur auf eine Börsenkapitalisierung von 55 Milliarden Euro, ein Bruchteil von Tesla. Zuletzt hatte die Tesla-Aktie einen Sprung gemacht, als der Autovermieter Hertz ankündigte, bis Ende 2022 rund 100 000 Autos von Tesla kaufen zu wollen, kurz danach verkündete Musk aber per Twitter, der Vertrag sei noch gar nicht unterschrieben. Musk gilt derzeit als reichster Mensch der Welt, nun vor Amazon-Gründer Jeff Bezos. Der 50-Jährige engagiert sich nicht nur bei Tesla, sondern auch bei weiteren Unternehmen, etwa bei der Raumfahrtfirma Space-X oder beim Neurotechnologie-Entwickler Neuralink.

Tag der offenen Tür in der Tesla Gigafactory

Elon Musk beim Tag der offenen Tür auf einer Bühne in Grünheide bei Berlin. Dort baut Tesla derzeit eine neue Fabrik.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Kursgewinne von Aktien werden in den USA derzeit nur dann besteuert, wenn die Papiere verkauft werden und damit ein Gewinn realisiert wird. Kritiker bemängeln, dass reiche Bürger damit ein Vermögen aufbauen können, ohne dabei Steuern zahlen zu müssen. Im Zuge von geplanten Steuerreformen von US-Präsident Joe Biden wird nun diskutiert, das zu ändern. Es geht im Kongress um eine sogenannte "Milliardärssteuer" von 23,8 Prozent auf Gewinne bei Wertpapieren, gleich ob diese durch einen Verkauf realisiert wurden oder nicht. Betroffen wären nach Schätzungen etwa 700 Steuerzahler in den USA, die ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar besitzen oder drei Jahre in Folge 100 Millionen Dollar als Jahreseinkommen aufweisen. Damit sollen Bidens geplante Sozial- und Klimareformen finanziert werden. Musk wäre davon in jedem Fall betroffen und hat die Pläne kritisiert.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB