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Einzelhandel:Rettung für Galeria Karstadt Kaufhof

Filiale von Galeria Kaufhof in Essen: Viele Geschäfte der Warenhauskette müssen schließen.

(Foto: Martin Meissner/AP)

Tausende Mitarbeiter können wieder hoffen: Die Gläubiger des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns verzichten auf Milliarden und machen den Weg frei für die Sanierung des Unternehmens.

Mehr als 16 000 Beschäftigte bei Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) können aufatmen: Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern bekommt noch eine Chance. Die Gläubigerversammlung des Warenhauskonzerns stimmte am Dienstag dem Insolvenzplan der Unternehmensführung zur Rettung des Traditionsunternehmens mit großer Mehrheit zu und machte damit den Weg frei für die Sanierung der ums Überleben kämpfenden Handelskette.

Durch das Ja der Gläubiger würden weit mehr als 16 000 Arbeitsplätze bei GKK erhalten, sagte der Sachwalter Frank Kebekus. Wäre der Plan abgewiesen worden, hätte dem Warenhausriesen die sofortige Liquidation gedroht - und damit der Verlust aller Arbeitsplätze. Nun bestehe eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Insolvenzverfahren schon Anfang Oktober erfolgreich beendet werden könne.

In einem Mitarbeiterbrief betonte GKK-Chef Miguel Müllenbach: "Der heutige Tag ist der Startschuss für einen Neuanfang, denn unser Unternehmen hat jetzt wieder eine gesunde Basis und die Aussicht auf eine sichere Zukunft." Der Warenhausriese könne sich voraussichtlich schon im Oktober wieder ohne irgendwelche insolvenzrechtlichen Einschränkungen und schuldenfrei dem Wettbewerb stellen.

"Wir werden dann stärker und besser aufgestellt sein als vor der Corona-Krise", so Müllenbach. Nach wie vor gibt es auch noch Hoffnung für einige von der Schließung bedrohte Filialen, wie Kebekus betonte. "Aktuell sollen 47 von 171 Filialen geschlossen werden. Damit bleiben deutlich mehr als zwei Drittel der Warenhäuser erhalten, und es gibt vielleicht noch eine Hand voll, wo dass allerletzte Wort noch nicht gesprochen ist", sagte er. Insgesamt hätten viel mehr Filialen erhalten werden können, als ursprünglich erhofft. Dennoch würden durch die Schrumpfung rund 4000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren.

Das Unternehmen leidet auch unter dem Siegeszug des Onlinehandels

Für die Gläubiger bedeutet das Ja zum Insolvenzplan den Verzicht auf einen Großteil des Geldes, das ihnen der Warenhauskonzern noch schuldet. Insgesamt müssen die Lieferanten, Vermieter und sonstigen Gläubiger auf mehr als zwei Milliarden Euro verzichten.

Für die Gläubiger gab es kaum eine andere Wahl, als dem Plan zuzustimmen. Bei einer Ablehnung des Insolvenzplans hätten sie wohl überhaupt nichts von ihrem Geld wiedergesehen. Bei einer Weiterführung können sie dagegen - auch durch einen dreistelligen Millionen-Zuschuss des GKK-Eigentümers René Benko - zumindest damit rechnen, knapp fünf Prozent ihrer Forderungen zu bekommen.

Galeria Karstadt Kaufhof war durch die coronabedingte vorübergehende Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Das Unternehmen leidet auch unter dem Siegeszug des Onlinehandels und sinkenden Besucherzahlen in den Städten. Die Warenhauskette macht bislang nicht einmal fünf Prozent ihrer Umsätze im Internet.

© SZ vom 02.09.2020/dit

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