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Einstieg ins Fernsehgeschäft:"Veränderung zum Schlechten"

Ein eigenes Streaminggerät erscheint sinnvoll, betrachtet man die anderen Puzzle-Meldungen der vergangenen Monate. "Under the Dome" ist überaus erfolgreich. Rechnet man alle Möglichkeiten zusammen, sich die Serie anzusehen, also live im Fernsehen, per Mitschnitt oder Streaming via Internet, dann sehen in den Vereinigten Staaten mehr als 20 Millionen Menschen pro Folge zu. Durch die Zusammenarbeit sicherte sich Amazon die Hoheit über die 13 Folgen der ersten Staffel, die es nirgendwo anders im Netz zu sehen gab.

Gerade wurde der Deal um eine weitere Spielzeit erneuert. Es ist ein Geschäftsmodell, von dem es heißt, dass es den Fernsehmarkt gewaltig verändern könnte, das durchaus aber auch kritisch betrachtet wird. "Das ist eine Veränderung zum Schlechten für das große System", sagt etwa John Landgraf, Chef des Senders FX: "Man sperrt die Sendung für Menschen, die kein Abonnement abschließen."

Amazon bietet die Serie bislang exklusiv seinen besten Kunden an. Wer 79 Dollar pro Jahr bezahlt, bekommt seine Bestellungen nicht nur portofrei nach spätestens zwei Tagen zugestellt oder gratis digitale Bücher zur Ausleihe fürs Kindle, sondern auch Zugang zu den Videos. Dort gibt es nicht nur "Under the Dome", sondern auch viele andere und bald auch von Amazon produzierte Sendungen.

Erst wurde bekannt, dass Amazon Verträge mit der Senderkette PBS und dem Medienkonzern Viacom geschlossen und sich somit die Rechte an Kindersendungen wie "Caillou", "Arthur" und "Spongebob Squarepants" gesichert hat. Kurz darauf hieß es, dass Amazon Studios fünf Kinderserien selbst produzieren möchte und Aufträge für weitere Projekte vergeben hat. In dieser Woche kam schließlich heraus, dass das Unternehmen drei Pilotfolgen für eigene Fernsehserien geordert hat. Dabei hat Amazon die Produzentin Jill Soloway, die für ihre Serie "Six Feet Under" eine Emmy-Nominierung erhielt, und den Drehbuchautor Roman Coppola, oscarnominiert für den Film "Moonrise Kingdom", verpflichtet.

Die volle Kontrolle über den Weg zum Zuschauer

Auch mit Chris Carter, dem Erfinder der "Akte X", ist Amazon in Gesprächen. Das bedeutet: Der Internetkonzern will Serien vom Schlag "House of Cards" machen. Die hat der Streamingdienst Netflix produziert. Es war zunächst ein Wagnis. Doch es ist gelungen: Die Serie ist extrem erfolgreich und hat Netflix einen Ansturm von zwei Millionen neuen Abonnenten beschert. Das macht Eindruck. Auch bei Amazon.

Mit einem eigenen Gerät, das die Serien aus dem Netz auf den Fernseher bringt, hätte Amazon die volle Kontrolle über den Weg zum Zuschauer - und zu seinen Kunden. So macht sich das Unternehmen unabhängig und begibt sich in einen Wettbewerb mit Apple, Google und anderen Anbietern wie etwa Roku, die bereits ähnliche Geräte in die Läden gebracht haben.

Schon mit Büchern hat es Amazon ähnlich gemacht: Sein Lesegerät namens Kindle hat das Unternehmen zu Spottpreisen in die Läden gebracht und dabei auf das spätere Geschäft mit dem dazu passenden Lesestoff gesetzt. Bezos ist bekannt dafür, für langfristig kluge Investitionen auf den kurzfristigen Profit zu verzichten.

Jeff Bezos mag große Pläne mit seiner neuen Tageszeitung haben. Doch seine Ambitionen auf dem Fernsehmarkt sind vermutlich nicht geringer.