US-Zeitung Amazon-Chef kauft "Washington Post"

Einst deckte die Zeitung den Watergate-Skandal auf. Doch die Krise in der Medienbranche ging auch an der "Washington Post" nicht spurlos vorüber. Nun wechselt eine der renommiertesten US-Zeitungen den Besitzer - und geht an Amazon-Chef Bezos.

250 Millionen Dollar blättert Amazon-Chef Jeff Bezos für eine der renommiertesten US-Zeitungen hin. Er kaufe das Zeitungsgeschäft der Washington Post Company aber als Einzelperson und nicht im Namen des weltgrößten Onlinehändlers, erklärte das Verlagshaus am Montag.

Verlagschef Donald Graham führte die schwierige Lage der Zeitungsbranche als Grund für den Verkauf ins Feld. Nach Jahren der Herausforderungen im Zeitungsgeschäft und reiflicher Überlegung seien er und das Board zu dem Entschluss gekommen, dass es der Zeitung unter einem anderen Eigentümer bessergehe. Bezos sei ein "einzigartig guter neuer Besitzer", erklärte er. Er habe sein technisches und wirtschaftliches Talent unter Beweis gestellt, sagte Graham, dessen Familie das Blatt besitzt.

Der Amazon-Chef sagte, er sei zuversichtlich für die Zukunft der Zeitung und versprach: "Die Werte der "Post" werden sich nicht ändern." Die bisherigen Verantwortlichen sollen in ihren Ämtern bleiben.

Zu weltweitem Ruhm gelangte die Washington Post unter Grahams Mutter Katherine als Herausgeberin. Die Zeitung deckte damals den Watergate-Skandal auf, infolge dessen US-Präsident Richard Nixon 1974 zurücktreten musste.

Zusammen mit der Washington Post gehen auch mehrere andere Blätter an Bezos. Die börsennotierte Washington Post Company stellt sich schon seit Jahren breiter auf und war sogar bei Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes eingestiegen. Das Unternehmen wird seinen Namen nach Abschluss des Zeitungsverkaufs ändern. Ein neuer Name sei aber noch nicht gefunden, hieß es. Erst am Wochenende hatte der Boston Globe den Besitzer gewechselt.