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Einbrüche:Das Smart-Home gegen Eindringlinge nutzen

Smart-Home als Schutz gegen Einbrüche

Eine smarte Alarmsirene warnt bei Gefahr.

(Foto: obs)
  • Smart-Home-Systeme sind nützlich, um Wohnungen vor Einbrechern zu schützen. Mit ihnen lassen sich neben dem Licht noch andere Geräte im Haushalt wie Jalousien oder Kameras steuern.
  • Der Schutz per App kann allerdings nur ein Bestandteil der Vorkehrungen gegen Kriminelle sein.

Von Nina Nöthling

Jedes Jahr dasselbe: Zwischen Oktober und März steigt die Zahl der Einbrüche laut Statistik um rund 40 Prozent im Vergleich zu den Frühlings- und Sommermonaten. Die Diebe nutzen dann gezielt aus, dass es früher dunkel wird und sie besser vor misstrauischen Blicken geschützt sind.

Das aber ist kein Grund dafür, nun Angst vor der Begegnung mit einem Einbrecher in der eigenen Wohnung zu haben, beruhigt Caroline Hackemack, vom gemeinnützigen Verein "Zuhause sicher": "Einbrecher scheuen den Kontakt zu Bewohnern." Deshalb können schon Zeitschaltuhren an Lampen oder Lichtschaltern helfen, Einbrecher abzuschrecken. "Licht signalisiert dem Einbrecher, dass jemand Zuhause ist", sagt Hackemack.

Smart-Home-Systeme sind dabei besonders nützlich. Mit ihnen lassen sich neben dem Licht noch andere Geräte im Haushalt wie Jalousien oder Kameras steuern. Der Begriff "Smart Home" kann auch den ferngesteuerten Herd und den Kühlschrank mit Online-Anschluss bezeichnen, meistens aber geht es um Sicherheit: Sensoren überwachen Fenster und Türen sowie Heizungs- und Wasserrohre. Der Benutzer steuert die Geräte von seinem Smartphone oder Rechner aus. "Damit können die Bewohner Anwesenheit signalisieren", sagt Martin Schmidt-Schön vom Versicherer Cosmos Direkt. Außerdem schlägt die App beispielsweise Alarm, wenn einer der Sensoren einen Einbruchsversuch registriert.

Viele Versicherer sehen in dieser Technologie aber nicht nur die Möglichkeit Schäden zu reduzieren, sondern auch den Kontakt zum Kunden zu verbessern. Einige Gesellschaften bieten deshalb bereits Hausrat- und Gebäudepolice mit Smart-Home-Paketen an. Der Kunde erhält dann entweder die Sensoren zu einem günstigeren Preis oder bekommt Prämien-Rabatte. Oft gehören auch Leistungen wie eine Handwerker-Auswahl oder ein Notrufservice dazu. "Im Sinne des Schadenmanagements zählt jede Sekunde", sagt Frank Bistrick von der Provinzial Nordwest. Je schneller ein Einsatz, desto geringer der Schaden.

Eine klassische Alarmanlage ist teurer - aber auch wirkungsvoller

Allerdings bieten auch solch technisch ausgefeilte Anlagen keinen hundertprozentigen Schutz und sind klassischen Alarmanlagen deutlich unterlegen. Die allerdings sind auch viel teurer. "Ich bin weit weg davon zu sagen, dass Smart Homes Einbrüche verhindern, aber ich habe vielleicht wenigsten ein Foto der Täter, das der Polizei bei der Suche hilft", sagt Bistrick. Zwar könne die Technik auch Einbrecher abschrecken, aber manche Kriminelle seien härter im Nehmen und ließen sich nicht so einfach vertreiben, glaubt Bernd Vits von Ergo. Die Diebe nutzten dann die Minuten aus, die sie haben, bis die Polizei da ist.

Deshalb sind mechanische Sicherheitsmaßnahmen unabdingbar, sind sich die Experten einig. Ohne diese "nützt ein Smart Home nichts", sagt Kriminalhauptkommissar Frank Scheulen vom Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Christian Czernik von der Allianz ist ebenfalls der Meinung, dass in jedem Fall die mechanische Sicherung der Wohnung vorgeht. "Smart-Home-Anlagen können sehr gut helfen, wenn die sonstigen Schließanlagen funktionieren." Sperrriegel vor der Tür oder Pilzkopfverriegelungen an den Fenstern verhindern, dass Einbrecher zu leicht hereinkommen. "Wenn der Dieb es nicht in fünf Minuten ins Haus schafft, dann gibt er auf", sagt Czernik.

© SZ vom 10.11.2017/been
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