Versicherungen Richtig schützen vor Einbrechern und Trickbetrügern

Ein Einbrecher blickt durch eine eingeschlagene Fensterscheibe.

(Foto: dpa)
  • Die Einbruch-Saison hat wieder begonnen. Vermehrt klingeln auch Trickbetrüger an den Türen.
  • Häufig bleiben die Opfer auf ihren Schäden sitzen. Spezielle Versicherungen sollen Abhilfe schaffen.
  • Auch bei der mechanischen Sicherung haben viele Häuser und Wohnungen Nachholbedarf.
Von Nina Nöthling

Überall in Deutschland klingeln derzeit die Gutachter der Krankenkassen an den Haustüren von Pflegebedürftigen. Sie wollen den Pflegegrad überprüfen, weil ein neues Gesetz die alten Pflegestufen durch die neuen Grade ersetzt. Da müssen die Fachleute entsprechend einstufen. Und offensichtlich kennen auch Trickdiebe die Gesetzesänderung: Besonders in Nordrhein-Westfalen wollten sich im Moment viele falsche Gutachter so Zugang zu den Wohnungen verschaffen, um Wertsachen zu stehlen, sagt Philipp Opfermann von der Verbraucherzentrale.

Die perfide Methode ist die neueste Form des Trickdiebstahls. Falsche Handwerker, die Heizungen ablesen wollen, Mitmenschen, die der Nachbarin etwas hinterlassen wollen und nur einen Zettel und Bleistift brauchen, beides gehört zu den bereits länger bekannten Maschen von Kriminellen. Die Betrüger arbeiten dabei im Team: Einer gibt sich als Gutachter oder Handwerker aus und lenkt die Bewohner in einem Raum ab, während der zweite Dieb durch die offengelassene Wohnungstür hereinkommt und die anderen Zimmer nach Geld und Schmuck durchsucht.

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Wer auf diese Weise Geld und Wertgegenstände verliert, hat es bisher schwer, den Verlust ersetzt zu bekommen. Denn die Hausratversicherung deckt Trickdiebstähle meist nicht ab. Allerdings ändert sich das gerade: Die ersten Anbieter verkaufen bereits Zusatzbausteine. Bei der Allianz beispielsweise sind Trickdiebstähle im Paket Hausratversicherung Sicherheit Plus bis zu 5000 Euro versichert, Konkurrent Ergo deckt mit dem Baustein Diebstahl Plus Schäden bis 1500 Euro ab.

Gegen die bekannteste Methode des Trickbetrugs, den "Enkel-Trick", kann man sich allerdings auch damit nicht versichern. Dabei gibt sich ein Betrüger am Telefon als Enkel aus, berichtet dem Opfer haarsträubende Geschichten von Unfällen oder anderen Problemen, für die er Geld braucht. Sichert der Angerufene Hilfe zu, kommt ein Komplize vorbei und holt das Geld ab. Ähnlich ist auch die Masche, abends Senioren mit einer Nummer anzurufen, die aus der örtlichen Vorwahl und "110" besteht. Der Anrufer warnt als angeblicher Polizist vor Einbrechern. Man möge dem Kollegen, der gleich vorbeikommt, zum Schutz Bargeld und Wertgegenstände mitgeben.

Misstrauisch bleiben

Dabei handelt es sich nicht um einen versicherten Diebstahl, sondern um Betrug. Der entscheidende Unterschied: Bei einem Diebstahl wird dem Opfer etwas weggenommen, beim Betrug hingegen gibt das Opfer die Beute selbst heraus, erklärt Christian Czernik von der Allianz. "Dann fehlt die Wegnahme, die für Diebstahl charakteristisch ist." Schwerpunktmäßig würden dafür Senioren ausgewählt, weil hier die Erfolgschancen höher seien, sagt Bernd Vils vom Versicherer Ergo. Sie haben mehr Ehrfurcht vor angeblichen Beamten und sind weniger skeptisch gegenüber Handwerkern. Die Betrüger finden ihre Opfer beispielsweise im Telefonbuch: "Dort suchen sie gezielt nach Vornamen, die auf ältere Menschen hinweisen."

Grundsätzlich gilt als Vorbeugung: Immer schön misstrauisch bleiben! So drückt es die Kriminalpolizei in einer Kampagne aus. Wenn ein Handwerker unangemeldet vor der Tür steht, sollte man lieber bei der Firma nachfragen, ob wirklich eine Überprüfung ansteht. Ähnliches gilt für Polizisten: Immer den Ausweis zeigen lassen oder auf der Dienststelle anrufen. Dafür hätten die Beamten dort volles Verständnis, sagt Kriminalhauptkommissar Frank Scheulen vom Landeskriminalamt NRW. Außerdem kämen weder Handwerker noch Gutachter ohne vorherige Ankündigung vorbei. "Und Polizisten werden auch nie nach Geld fragen oder Wertgegenstände abholen, um sie in Sicherheit zu bringen." Steht ein Betrüger vor der Tür, sollte der Ausgespähte unbedingt den Notruf 110 wählen, mahnt Scheulen. "Denn dann ist gerade ein Diebstahl im Gange, und die Polizei muss schnell reagieren."

Nach drei bis fünf Minuten geben Einbrecher meist auf

Für Einbrecher ist der Herbst Hauptsaison. Ihr wichtigstes Werkzeug ist der Schraubenzieher, sagt Caroline Hackemack, vom gemeinnützigen Verein "Zuhause sicher". "Das liegt auch daran, dass es noch zu viele ungesicherte Fenster gibt." Die Diebe brauchen oft nur Sekunden, um Türen oder Fenster aufzuhebeln.

2015 war mit 167 136 Wohnungseinbrüchen ein Rekordjahr, seitdem sinkt die Zahl wieder, berichtet Kommissar Scheulen. Im Vergangenen Jahr waren es demnach noch 151 265 Einbrüche, Tendenz: weiter sinkend. Zugleich hat sich die Zahl der vereitelten Einbrüche erhöht. "In NRW schlägt fast jeder zweite Einbruch fehl." Auch bundesweit zeigt sich dieser Trend: 2016 blieb es in 43 Prozent der Fälle beim versuchten Einbruch.

Es ist deshalb besonders wichtig, in mechanische Sicherungsmaßnahmen zu investieren. Dazu gehören Pilzkopfbeschläge an Fenstern und ein Sperrriegel vor der Eingangstür. "Es kommt vor allem darauf an, es dem Verbrecher so schwer wie möglich zu machen", erklärt Hackemack. "Mit jeder Minute, die der Einbrecher länger braucht, wird er nervöser, weil die Entdeckungsgefahr steigt." Die meisten Einbrecher geben nach drei bis fünf Minuten auf und verschwinden. Die bundeseigene Förderbank KfW fördert deshalb den Einbau solcher Sicherungsvorkehrungen.

Aufpassen bei Schmuck und Bargeld

Auch Versicherer legen Wert auf guten Schutz. "Viele Gesellschaften stellen bestimmte Anforderungen an Türschlösser und Fenster", erläutert Verbraucherschützer Opfermann. Sind Scharniere außen angebracht oder ist das Schloss nicht stark genug, kann der Versicherer im Schadenfall die Leistung kürzen oder ganz streichen.

Die Versicherungssumme bei Hausratpolicen ergibt sich aus der Größe der Wohnung. "Die meisten Anbieter veranschlagen eine Pauschale von 650 Euro pro Quadratmeter", erklärt Opfermann. Bei einer Wohnung von 50 Quadratmetern ergibt das eine Versicherungssumme von 32 500 Euro. Aufpassen müssen Kunden bei Wertgegenständen. Denn Schmuck, Bargeld, Teppiche und Antiquitäten sind meistens nicht mit der gesamten Summe versichert. Oft gebe es hier eine Deckelung bei zehn Prozent der Versicherungssumme, so Opfermann. Wertgegenstände wären also im Beispiel nur bis 3250 Euro versichert. "Das ist schnell erreicht, gerade bei Versicherten mit einer kleinen Wohnung." Um Unterversicherung zu vermeiden, sollten Betroffene deshalb einen anderen Tarif wählen oder nach einem Anbieter suchen, der höhere Prozentsätze für Wertgegenstände ansetzt.

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