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Ein Café als Medienhaus:Das Starbucks-Büro

Einen Cappuccino, bitte - und dazu Internetzugang, Nachrichten und digitale Bücher. Die Café-Kette Starbucks umgarnt ihre Kunden mit einem neuen Service. Doch in Deutschland hat das Angebot einen Haken.

Das Verbot von Laptops war erst der Anfang. Es folgten Espresso-Theken. In Manhattan galt es in diesem Sommer auf einmal als absolut angesagt, seinen Kaffee im Stehen zu trinken. Das fördere die Kommunikation, behaupteten die Gastronomen - und verbannten allzu gemütliche Sofas und Sessel. Natürlich ging es nicht um die Kommunikation, sondern um den Kaffee. Je schneller ein Kunde den trinkt, desto schneller macht er Platz für den nächsten. Dass sich die digitale Bohème stundenlang an einem Glas Latte Macchiato festhält, können sich viele der kleineren Cafés einfach nicht leisten.

Mit Kreativität aus der Krise: Starbucks zeigt sich erfinderisch und lockt die Kunden mit kostenlosem Internetzugang und Medienangeboten.

Mit Kreativität aus der Krise: Starbucks zeigt sich erfinderisch und lockt die Kunden mit kostenlosem Internetzugang und Medienangeboten.

(Foto: dpa)

Die Kaffeehaus-Kette Starbucks kann das schon - und wartet nun zum Mocha Frappuccino auch noch mit Unterhaltung auf. Kostenlos. In mehr als 6800 seiner amerikanischen Filialen betreibt Starbucks dazu ein digitales Mediennetzwerk.

Kunden, die sich mit ihrem Laptop oder Smartphone an einem der kostenlosen Internetanschlüsse anmelden, erhalten auf einer Menüseite Musiktitel, Videos, Nachrichten, Stellenangebote sowie digitale Bücher zur Auswahl. Das Buchangebot solle täglich wechseln, teilte Starbucks im firmeneigenen Blog mit.

Starbucks wurde 1970 in Seattle gegründet, eröffnete aber erst in den neunziger Jahren Filialen außerhalb der Stadt an der amerikanischen Westküste. Der Unternehmer Howard Schultz, so heißt es, habe bei einer Geschäftsreise nach Mailand die reichhaltige Espressotradition Italiens entdeckt - und die Kaffeekultur in die USA gebracht, wo bis dato nur eine dünne Plörre gereicht und davon immer wieder nachgeschüttet wurde.

Starbucks wuchs rasant, eröffnete quer über den Globus neue Filialen - bis vor etwa drei Jahren die Kunden ausblieben. Schultz verordnete dem Konzern eine neue Bescheidenheit. Er schickte seine Mitarbeiter zu Schulungen, drosselte das Expansionstempo. Und doch beobachtete er mit Sorge, dass die Leute so wenig Geld in der Tasche hatten. Dann kam auch noch die Finanzkrise - und verdarb vielen den Appetit auf den teuren Kaffee von Starbucks.

Internet, Musik und Medien zum Kaffee

Doch die Kaffeehauskette zeigte sich durchaus erfinderisch: Sie kreierte einen Pulverkaffee, den all die arbeitslosen Banker nun eben daheim statt auf dem Weg ins Büro trinken konnten. So sollten sie in Krisenzeiten Starbucks die Treue halten. Und den Umsatz sichern: Im jüngsten Quartal stieg der Gewinn des Kaffeekonzerns um mehr als ein Drittel auf 208 Millionen Dollar. Und das vor allem dank des Pulverkaffees. Heute betreibt Starbucks 16.000 Filialen in mehr als 40 Ländern, die meisten allerdings in den USA.

Ob die Krise wirklich schon vorbei ist, das ist zwar noch nicht klar. Aber wer sich wieder an die Arbeit machen will, der kann das nun bei Starbucks. Gerade in Großstädten wie New York ist das verlockend. Büroraum ist knapp, Wohnen teuer, Starbucks-Filialen gibt es hingegen an jeder Straßenecke.

Die E-Books können kostenlos in einem Browser gelesen werden, solange der Kunde in der Filiale eingeloggt ist. Die Nachrichten liefern unter anderem die drei großen amerikanischen Zeitungen New York Times, Wall Street Journal und USA Today. Stellenangebote und Karrieretipps stammen von dem Internetnetzwerk Linkedin. Den Verkauf von Literatur, Musik und Videos wickelt Kooperationspartner Apple über seinen iTunes-Store ab. Einmal wöchentlich, an jedem Dienstag, gibt es einen kostenlosen Song herunterzuladen.

Starbucks bietet seit einigen Monaten in den USA und Kanada freien, zeitlich unbegrenzten Zugang zu seinem drahtlosen Netz an. Derzeit nutzen nach Angaben des Unternehmens monatlich mehr als 30 Millionen Kunden diese Hotspots.

In Deutschland ist der kostenlose Internetzugang bei Starbucks noch auf zwei Stunden begrenzt. Und auch ein digitales Mediennetzwerk sei in den 144 Filialen hierzulande nicht geplant, sagt eine Sprecherin. Andererseits: Zumindest in Berlin, wo zum Café-Besuch auch gern mal der Laptop gezückt wird, ist die nächste Filiale nur ein paar Schritte entfernt. Und für den Weg reicht Starbucks sicher auch noch einen Kaffee zum Mitnehmen.

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