Ecclestone nennt Zahlungen an Gribkowsky Schweigegeld "100 Millionen wären nett"

Jahrzehntelang führt Bernie Ecclestone die Geschäfte der Formel 1, verhandelt, vermittelt und verdient in großen Dimensionen. Als er am Mittwoch in München beim Schmiergeld-Prozess gegen Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky aussagt, spricht er aber so zögerlich, als wäre er selbst angeklagt. Kein Wunder: Auch er hat ihm viel Geld überwiesen.

Von Anja Perkuhn

Bernard "Bernie" Ecclestone spricht leise und vorsichtig. Der Formel-1-Chef sitzt im Landgericht München I, um als Zeuge auszusagen im Prozess gegen den ehemaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky. Ecclestone ist extra aus England eingeflogen, seine Aussage gilt als Höhepunkt dieser Verhandlungswoche, er selbst als Schlüsselzeuge. Trotzdem klingt er die meiste Zeit über eher, als wäre er persönlich angeklagt und müsste sich verteidigen. Denn es geht vor allem darum, warum Gribkowsy auch von ihm Millionen bekommen hat.

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sagt am Mittwoch und Donnerstag vor dem Landgericht München I im Verfahren gegen den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky aus.

(Foto: dpa)

Ecclestone haucht anfangs immer wieder nur vorsichtig "Yes" und "It's correct" ins Mikrofon, als würde ihn der Richter schon auf unbekanntes Gelände führen, als er nur nach seinem Namen und seiner Adresse fragt. Die entscheidende Frage beantwortet er aber mit Nachdruck: Waren die 23 Millionen Dollar, die er Gribkowsky überwiesen hat, Schmiergeld? Nein, es sei eher eine Art Schweigegeld gewesen.

Er habe Gribkowsky das Geld gegeben, weil er "zu der Zeit wirklich keine andere Möglichkeit sah", sagt er in München. Gribkowsky, der seit Januar in Haft sitzt, habe ihn erpresst mit der Drohung, die britische Steuerbehörde auf ihn anzusetzen. "Er sagte, dass viele und auch er denken, dass ich Manager der Bambino-Stiftung sei" - der Stiftung, die ebenfalls Anteile an der Formel 1 hielt und in die er für deren Gründung sehr viel Geld gesteckt hat. Auch wenn das nicht wahr sei, sagte Ecclestone, habe er eine Untersuchung und die damit verbundenen Kosten und den Aufwand verhindern wollen: Er spricht von einer finanziellen Bedrohung von zwei Milliarden Pfund.

Ausgesprochen habe Gribkowsky eine Geldforderung im Zusammenhang mit der Bambino-Stiftung zwar nicht. "Er hat nie konkret gesagt oder gedroht, dass dieses oder jenes passieren würde. Aber in meinem Hinterkopf war immer das Gefühl, dass ich dieses Risiko nicht eingehen dürfte", sagt Ecclestone. Da er außerdem das Gefühl gehabt habe, Gribkowsky habe seinen Job bei der BayernLB satt und wolle sich selbständig machen, ja sogar offenbar selbst ein Formel-1-Team besitzen, sei ihm klar gewesen, dass Gribkowsky Geld brauchte.

Sinngemäß habe der einmal zu ihm gesagt: "100 Millionen wären nett, um ein Geschäft in Gang zu bringen." Ecclestone habe abgelehnt, dann aber zunehmend Sorge gehabt, dass er sich rächt, sagte der Brite. "Mir war daran gelegen, ihn friedlich, freundlich und ruhig zu halten, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt."