Knorr-Bremse:E-Trucks kommen nur zögerlich

Knorr-Bremse: Bremsscheibe der Firma Knorr-Bremse im werkseigenen Museum in München.

Bremsscheibe der Firma Knorr-Bremse im werkseigenen Museum in München.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Fahrzeugzulieferer Knorr-Bremse macht dafür die hohen Preise für elektrische Lkws verantwortlich. Der Münchner Konzern erzielte zuletzt einen Rekordumsatz, erwartet für 2024 aber kaum Wachstum.

Von Dieter Sürig

Die Nachfrage nach elektrischen Lkw scheint nur zögerlich zu wachsen. Viele Hersteller seien zwar mit ersten Produkten auf dem Markt, doch die Preise seien sehr hoch, sagte der Chef des Fahrzeugzulieferers Knorr-Bremse, Marc Llistosella, bei der Vorlage der vorläufigen Jahresbilanz. "Ohne eine gewisse Förderung wird es sehr schwierig sein, hier eine höhere Marktdurchdringung zu erreichen", sagte er. Knorr-Bremse sei sowohl bei den Bremsen als auch der Steuerung technisch vorbereitet, doch die optimistischen Planzahlen der vergangenen Jahre würden "faktisch nicht so kommen". Er sehe hier eine "verzögerte Marktrealisierung" der E-Mobilität im Lkw-Bereich.

Der Weltmarktführer hatte erst im Oktober angekündigt, seine auf E-Trucks ausgerichtete Entwicklungseinheit namens Ecubator weiterzuführen. Das Team war eigens 2020 gegründet worden, um den Konzern auf die Anforderungen elektrischer Nutzfahrzeuge vorzubereiten. Dem Kraftfahrtbundesamt zufolge waren Anfang 2023 bundesweit knapp 61 000 Lastwagen mit Elektroantrieb zugelassen - etwa 17 000 mehr als ein Jahr zuvor.

Allgemein rechnet der Münchner Fahrzeugzulieferer trotz Rekordaufträgen im abgelaufenen Jahr für 2024 mit verhaltenem Wachstum. Der Umsatz werde bei 7,7 bis acht Milliarden Euro liegen, sagte Llistosella, wobei etwa 400 Millionen Euro Erlöse durch diverse Verkäufe wegfallen. "Für das laufende Jahr erwarten wir weiterhin schwierige Marktbedingungen." Die Krise im Roten Meer habe aber kaum Auswirkungen auf die Lieferketten des Konzerns - wegen der "hohen Lokalisierung in den Kernmärkten" USA, China und Europa. Der Einfluss sei "extrem gering", sagte Llistosella , "wir haben hier maximal im einstelligen Millionenbereich Verzögerungen zu erwarten".

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Knorr-Bremse nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz von 7,9 Milliarden Euro erwirtschaftet - inklusive etwa 150 Millionen Euro des gerade verkauften Geschäftsbereichs Kiepe Electric in Düsseldorf. Das sind 10,9 Prozent mehr als im Jahr 2022, dies ist ein Rekordwert in der Firmengeschichte. Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg von 794,6 Millionen auf 893,1 Millionen Euro. Die Nachfrage entwickle sich in beiden Geschäftsbereichen Schiene und Nutzfahrzeuge gut. So habe das Schienengeschäft von guten Geschäften in Nordamerika und Europa sowie den steigenden Passagierzahlen in China profitiert. Auch Indien werde für den Schienensektor immer wichtiger, da die dortige Regierung die Infrastruktur der Bahnindustrie deutlich ausbauen wolle. "Wir sehen Indien als einen der attraktivsten Zukunftsmärkte für Knorr-Bremse", sagte Llistosella.

Positiver Ausblick

Dem Geschäft mit Teilen für Lkw und andere Nutzfahrzeuge kam die anziehende Fahrzeugproduktion zugute. Mit knapp 8,3 Milliarden Euro lag der Auftragseingang 2023 so hoch wie nie bisher. Auch das Servicegeschäft legte zu. Die Rentabilität soll sich allerdings im laufenden Jahr noch weiter verbessern: Knorr-Bremse sagt eine operative Gewinnmarge von 11,5 bis 12,5 Prozent voraus, nach 11,3 Prozent 2023. Llistosella verwies auf das laufende Sparprogramm, in dessen Rahmen auch Kiepe Electric an die Berliner Investmentfirma Heramba verkauft worden sei. "2026 wollen wir mindestens einen Umsatz von acht bis neun Milliarden Euro erwirtschaften", sagte er.

Knorr-Bremse-Papiere stiegen nach der Bilanzvorlage um bis zu acht Prozent auf 63,20 Euro und notieren damit so hoch wie seit Mitte September nicht mehr. "Insgesamt ist dies ein besser als erwartet ausgefallener Bericht und eine beruhigende Prognose", sagen die Analysten von JP Morgan.

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