Discounter Aldi Süd und Aldi Nord rücken zusammen

Aldi Süd und Aldi Nord betonen, dass sie dieselben "Wurzeln und Namen" sowie identische Geschäftskonzepte haben.

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  • Aldi Süd und Aldi Nord wollen zunächst ihre Sortimente und Abläufe aufeinander abstimmen.
  • In einem zweiten Schritt könnten die Unternehmen auch Abteilungen wie das Qualitätswesen oder die Logistik zusammenlegen.
Von Benedikt Müller und Jan Schmidbauer

Die wohl berühmteste Demarkationslinie der jüngeren deutschen Firmengeschichte zieht sich vom südlichen Sachsen über Hessen bis an den Niederrhein. Seit 1961 besteht die Discountermarke Aldi aus zwei Welten. Damals teilten die Brüder Karl und Theodor Albrecht, die einst das elterliche Lebensmittelgeschäft übernahmen und daraus ein Discounter-Imperium schufen, ihr Unternehmen auf. Seitdem gibt es Aldi Nord auf der einen und Aldi Süd auf der anderen Seite - mit klaren Unterschieden: abweichende Firmenlogos, unterschiedliche Sortimente, eigenständige Belegschaften.

Kanzleien prüfen mögliche Einwände

Obwohl Aldi Nord und Süd seither vieles trennt, stimmten sie sich zuletzt wieder vermehrt ab. Nun wollen sie sogar in einem zentralen Bereich zusammenarbeiten: beim Einkauf. Dies haben Spitzenmanager beider Handelsketten bereits im November 2017 in Mülheim an der Ruhr vereinbart, öffentlich wurden die Pläne am Donnerstag durch einen Bericht des Manager-Magazins. Demnach wollen Aldi Süd und Aldi Nord zunächst ihre Sortimente und Abläufe aufeinander abstimmen. Die beiden Handelsketten haben bereits Kanzleien beauftragt, um mögliche Einwände der Kartellbehörden zu prüfen.

In einem zweiten Schritt könnten die Unternehmen auch Abteilungen wie das Qualitätswesen oder die Logistik zusammenlegen. Damit wollen die Ketten Kosten einsparen. In einer gemeinsamen Mitteilung betonen Aldi Süd und Aldi Nord, dass sie dieselben "Wurzeln und Namen" sowie identische Geschäftskonzepte haben. "Es gibt signifikante Überschneidungen bei Angebot, Ladenkonzept, Außenauftritt und Unternehmensstruktur."

Enorme Einkaufsmacht

Für den Lebensmittelhandel sind die Pläne von großer Bedeutung. Aldi Nord und Aldi Süd stehen gemeinsam für einen Umsatz von rund 28 Milliarden Euro und damit für eine enorme Einkaufsmacht. In der Beschaffung sehen die Unternehmen gemeinsam großes Einsparpotenzial.

Der Wettbewerb im Einzelhandel gilt als besonders hart. Aldi konkurriert hier mit Lidl, der Edeka-Tochter Netto oder der Rewe-Tochter Penny. Ein gemeinsamer Einkauf würde "die Schlagkraft von Aldi weiter erhöhen", sagt Wolfgang Adlwarth, Handelsexperte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Dies könne sich auch in etwas niedrigeren Preisen für Verbraucher niederschlagen. "Wenn die Unternehmen mehr Spielraum haben, geben sie den womöglich auch an die Kunden weiter."

Spekulationen über eine komplette Zusammenlegung dementierten die beiden Unternehmen am Donnerstag. "Eine Fusion ist weder aus der Kooperation folgend noch aus sonstigen Überlegungen geplant oder beabsichtigt." Aus Unternehmenskreisen heißt es, ein Zusammenschluss wäre ohnehin nicht im Sinne der verschiedenen Eigentümer von Aldi Nord und Aldi Süd.

Bislang tauschen sich die Unternehmen beispielsweise über die technische Ausstattung ihrer Filialen aus und stimmen sich bei Saisonartikeln ab. Seit anderthalb Jahren schalten die Schwesterunternehmen gemeinsame Fernsehwerbung. Aldi Süd gilt als das experimentierfreudigere, Aldi Nord als das vorsichtigere Unternehmen. Die Handelsketten betonen, dass sie keine Arbeitsplätze abbauen wollen, wenn sie künftig stärker zusammenarbeiten. Beide Unternehmen wollten wachsen und benötigten deshalb weiter Fachkräfte. Aldi Süd beschäftigt in Deutschland mehr als 43 000 Mitarbeiter, Aldi Nord mehr als 35 000.

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