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Einkommen, Armut, Lernen:Deutschlands rastlose Rentner

Auftakt des Sommersemester 'Studieren ab 50' an der Uni Magdeburg

Der Ruhestand ist für viele Menschen der Start in ein aktives Leben: ein Seniorenkolleg an der Universität Magdeburg.

(Foto: dpa)

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben bei vielen tatsächlich erst richtig an: Viele Deutsche arbeiten weit über das Rentenalter hinaus.

Der Ruhestand ist für viele Menschen der Start in ein aktives Leben. Sie machen aus ihrer Freizeit mehr als je zuvor. Und jedes Jahr wächst der Teil derjenigen im Rentenalter, die die Arbeit nicht ruhen lassen können oder wollen. Das geht aus einer neuen Erhebung des Statistischen Bundesamtes hervor. 2014 war danach jeder Siebte der 65- bis 69 -Jährigen erwerbstätig. 2005 traf dies nicht einmal auf jeden Zehnten zu. "Der Anteil hat sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt", sagt der Präsident der Behörde, Roderich Egeler. Wie sich das Leben der Generation 65 plus ändert - ein Überblick.

Alten-Republik

Ende 2013 lebten in Deutschland 17 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter waren. Gut jeder fünfte Einwohner ist also im Rentenalter. 2060, so rechnen die Statistiker vor, wird dies bereits auf jeden dritten zutreffen. Die Generation 65 plus wird damit noch stärker als bisher bei den Wahlen bestimmen, wer regiert. Schon jetzt stellen die über 60-Jährigen 34 Prozent der Wahlberechtigten. Weil sie sich aber stärker als die Jüngeren überhaupt an Abstimmungen beteiligen, "beeinflussen sie den Wahlausgang entscheidend", sagt Egeler.

Unruhestand

In den letzten Lebensjahrzehnten zu arbeiten - das ist für viele längst normal. Dabei gibt es aber große Unterschiede: 2014 arbeiteten 17 Prozent der 65- bis 69 -jährigen Männer, aber nur zehn Prozent der gleichaltrigen Frauen. Besonders auffällig sind hier die Selbständigen, für die es keine bindende Regelaltersgrenze gibt. Sie sind unter den Älteren im Unruhestand besonders häufig vertreten: Etwa 39 Prozent der 65- bis 69-jährigen Erwerbstätigen waren 2014 selbständig oder mithelfende Familienangehörige. Die Gründe für den Beschäftigungsboom im Rentenalter sind vielfältig: Die einen brauchen das Geld, weil ihre Mini-Rente allein nicht zum Leben reicht. Die anderen arbeiten, weil es ihnen Spaß macht, sie nicht loslassen können oder etwas sparen wollen, um sich zum Beispiel mehr Reisen leisten zu können.

Alleinsein

2014 lebte ein Drittel der mindestens 65-Jährigen allein - oft gezwungenermaßen, weil der Partner gestorben ist. Der Anteil der Frauen in dieser Altersgruppe, die in einem Einpersonenhaushalt wohnte, war dabei mit 45 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern. Die Mehrheit (62 Prozent) lebte jedoch mit einem Partner in einem Haushalt zusammen.

Einkommen

Die große Mehrheit der Älteren lebt immer noch von ihrer Rente oder Pension. Wie gut es ihnen dabei geht, hängt auch von der Lebensform ab. Jede fünfte Frau ab 65, die allein zurechtkommen muss, hat weniger als 900 Euro im Monat zum wirtschaften. Jede vierte ältere Frau in einer Paargemeinschaft war auf die Einkünfte des Partners angewiesen. Fast drei Viertel der älteren Frauen, die mit einem Partner einen Haushalt bildeten, hatten 2014 weniger als 900 Euro monatlich. Bei Männern ist das in dieser Konstellation eher selten.

Altersarmut

Immer mehr Menschen, die 65 oder älter sind, brauchen zum Überleben Hilfe vom Staat. 2013 bezogen nach Angaben des Statistisches Bundesamts fast 500 000 in dieser Altersgruppe die staatliche Grundsicherung. Das sind fast doppelt so viele wie noch 2003. Der Anteil der mindestens 65-Jährigen, die auf diese Leistung angewiesen ist, liegt mit drei Prozent zwar noch niedrig. Er dürfte in Zukunft aber weiter steigen, wenn viele Langzeitarbeitslose, Hartz-IV-Empfänger oder Niedriglohn-Verdiener ins Rentenalter kommen.

Gesundheit

Beim Mikrozensus, der größten jährlichen Befragung von Haushalten, gab 2013 etwa jeder Vierte an, gesundheitlich beeinträchtigt zu sein. "Das heißt, etwas mehr als drei Viertel fühlten sich fit", sagt der Behördenchef Egeler. Dieser Wert hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert. Ältere Menschen rauchen jedoch viel seltener als jüngere. Nicht einmal jeder Zehnte der mindestens 65-Jährigen räumte ein, regelmäßig oder gelegentlich zum Tabak zu greifen.

Computer

2014 nutzten 57 Prozent in der Generation 65 plus einen Computer und 45 Prozent das Internet. Der Anteil wird seit Jahren höher. Am häufigsten verschicken sie E-Mails, suchen Waren oder buchen Reisen. Beim Online-Banking sind Ältere vorsichtiger. Geld übers Internet zu überweisen trauen sich nur 45 Prozent.

Lernen

Im Wintersemester 2014/15 registrierten die Statistiker 33 600 Gasthörer an deutschen Hochschulen. Davon waren 14 200 mindestens 65 Jahre alt. Ihre Anzahl ist damit in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen. Die Lieblingsfächer der studierenden Rentner sind Geschichte, gefolgt von Philosophie. Auch Volkshochschulkurse werden zunehmend von Menschen im Rentenalter belegt. Besonders interessiert sind sie dabei am Thema Gesundheit. Außerdem lernen die Alten gerne Sprachen.

Freizeit

Ohne den Fernseher würden sich vermutlich viele ältere Menschen langweilen. Diese Vermutung liegt jedenfalls angesichts des TV-Konsums nahe: So saßen Angehörige der Generation 65 plus im Durchschnitt 18,5 Stunden pro Woche vor der Glotze. Zum Vergleich: Die 45- bis 64-Jährigen begnügten sich mit durchschnittlich 14,5 Stunden. Ganz vorne sind die Alten aber auch beim Lesen. Damit verbringen sie in der Woche fast sieben Stunden, die 45- bis 64-Jährigen nur knapp vier Stunden.

Straßenverkehr

Der Anteil der Menschen im Rentenalter, die Auto oder Fahrrad fährt, steigt - und damit auch ihr Anteil an den Verkehrstoten. Vor 20 Jahren war jeder sechste Getötete im Straßenverkehr 65 Jahre oder älter. 2014 traf dies bereits auf jeden Dritten zu. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Das Risiko, im Straßenverkehr umzukommen, ist insgesamt deutlich gesunken.

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