Konjunktur:Deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2023 geschrumpft

Konjunktur: Schwierige Phase: In Industrie und Bauwirtschaft sind laut Ifo-Institut die dicken Auftragspolster abgeschmolzen, die die Unternehmen noch zu Corona-Zeiten aufgebaut hatten.

Schwierige Phase: In Industrie und Bauwirtschaft sind laut Ifo-Institut die dicken Auftragspolster abgeschmolzen, die die Unternehmen noch zu Corona-Zeiten aufgebaut hatten.

(Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Das Bruttoinlandsprodukt sank von Oktober bis Dezember um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Volkswirte rechnen auch 2024 mit einem schwierigen Jahr. Es gibt allerdings Lichtblicke.

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, gestiegene Bauzinsen und die lahmende Weltkonjunktur haben der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr zugesetzt. Zum Jahresende ist sie geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im vierten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag anhand vorläufiger Daten mitteilte.

Europas größter Volkswirtschaft droht nun eine Rezession, sollte sie im laufenden ersten Quartal zum zweiten Mal in Folge schrumpfen. Von Januar bis März dürfte die Wirtschaftsleistung nach Prognose des Ifo-Instituts um 0,2 Prozent sinken. "Damit würde die deutsche Wirtschaft in der Rezession stecken", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Auch andere Fachleute rechnen 2024 mit einem weiteren schwierigen Jahr und einem schwachen Jahresauftakt. "Derzeit sieht es so aus, als ob die deutsche Wirtschaft den Dämmerzustand zwischen Rezession und Stagnation nicht so schnell verlassen wird", sagte ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. "Alles in allem könnte die deutsche Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2024 bestenfalls stagnieren", schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für Januar. Damit würde sich die erwartete Erholung verzögern.

Nach Angaben des Ifo-Instituts klagten in nahezu allen Wirtschaftsbereichen die Unternehmen über eine sinkende Nachfrage. "In der Industrie und der Bauwirtschaft sind mittlerweile die dicken Auftragspolster abgeschmolzen, die die Unternehmen noch zu Corona-Zeiten aufgebaut hatten", sagte Timo Wollmershäuser.

Hoher Krankenstand und Streiks bei der Deutschen Bahn belasten die Wirtschaft zusätzlich

Die Auftragseingänge seien seit vielen Monaten rückläufig, ergänzte der Ökonom. "Vor allem im Wohnungsbau schwappte eine Stornierungswelle durch das Land." Hinzu komme noch eine restriktive Geldpolitik. Im Kampf gegen die Inflation haben die Notenbanken in Europa und Nordamerika ihre Leitzinsen kräftig angehoben, was derzeit die volle Wirkung entfalte. Die Finanzierung von Investitionen wird dadurch deutlich teurer. "Zusätzlich wird die Wirtschaft durch eine Reihe von Sonderfaktoren belastet", sagte Wollmershäuser. Dazu zählten der hohe Krankenstand, die Streiks bei der Deutschen Bahn sowie der außergewöhnlich kalte und schneereiche Januar.

"Erste Lichtblicke" gibt es Wollmershäuser zufolge beim privaten Konsum. Die bis Mitte Januar vorliegenden Daten (Kreditkarten, Debitkarten, Bargeld) des Anbieters Mastercard zeigten bereits seit der Adventszeit eine Zunahme der preisbereinigten Umsätze in Einzelhandel und Gastgewerbe an. Ähnlich äußert sich auch KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. "Dank kräftiger Reallohnzuwächse wird wohl vor allem der private Konsum wieder zulegen", erwartet sie.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone vermeidet dagegen knapp eine Rezession: Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag in einer Schnellschätzung mitteilte.

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