Deutsche Bank:Vorstand verzichtet auf Bonus

Deutsche Bank - John Cryan

Deutsche-Bank-Chef John Cryan verzichtet wie seine Vorstandskollegen auf einen Bonus. (Archivbild)

(Foto: dpa)
  • Die Chefs der Deutschen Bank verzichten auf Bonuszahlungen - und reagieren damit auf massive Kritik.
  • Trotz der schlechten Geschäftslage bekommen die Mitarbeiter allerdings deutlich höhere Boni als noch 2016.
  • Politiker und Aktionäre hatten die Zahlungen scharf kritisiert - zumal durch die Fusion mit der Postbank 6000 Stellen wegfallen sollen.

Von Meike Schreiber

Die Einsicht kam spät, aber sie kam: Der Vorstand der Deutschen Bank verzichtet angesichts des erneuten Konzernverlustes auch in diesem Jahr auf einen Bonus. Die variable Vergütung für die Mitarbeiter hingegen werde wie geplant ausgezahlt, sagte Konzernchef John Cryan nach Angaben von Zeit online auf einer Veranstaltung am Rande der Digitalkonferenz SXSW in Austin im US-Bundestaat Texas.

Während der Vorstand also leer ausgeht, können sich die Mitarbeiter sogar auf höhere Zulagen einstellen: Dem Vernehmen nach schüttet die Bank deutlich mehr an die Belegschaft aus als ursprünglich erwartet. Finanzkreisen zufolge geht es um einen Betrag von etwas über 2 Milliarden Euro. Das ist nicht ganz so viel wie 2015, aber deutlich mehr als 2016. Die genaue Zahl wird die Bank am 16. März in ihrem Geschäftsbericht veröffentlichen. Bankkreisen zufolge wird etwa die Hälfte an die Investmentbanker ausgeschüttet, die andere Hälfte geht an Mitarbeiter im Privat- und Firmenkundengeschäft. Bislang war der gesamte Bonus-Pool auf gut eine Milliarde Euro taxiert worden.

Deutschlands größtes Geldhaus hatte 2017 das dritte Jahr in Folge einen Fehlbetrag ausweisen müssen. Knapp eine halbe Milliarde Euro Verlust (minus 497 Millionen Euro) stand Ende 2017 in den Büchern. Schuld waren Abschreibungen wegen der US-Steuerreform. Aber auch im alltäglichen Geschäft lief es schlechter als erwartet. Zudem stiegen die Kosten deutlich an.

Investoren loben den Verzicht

Dass die Bank in dieser Situation überhaupt Boni an die Mitarbeiter ausschütten will, hatte vor einigen Wochen für massive Kritik von Politikern und Aktionären gesorgt. Cryan bezeichnete die Maßnahme hingegen als Investition. Gerade jetzt, da die Bank hart um Marktanteile kämpfe, müsse man in Talente investieren um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Er machte aber auch klar, dass sich diese Praxis nicht wiederholen könne, wenn die Geschäfte künftig nicht besser liefen. Auch in den ersten beiden Monaten 2018 hat die Bank dem Datendienstleisters Dealogic zufolge weiter Marktanteile in wichtigen Bereichen des Investmentbankings verloren.

Investoren begrüßten nun, dass zumindest der Vorstand auf Boni verzichtet. "Auch wenn das in der Summe natürlich nicht so viel ausmacht: Das ist trotzdem genau die richtige Entscheidung", sagte ein Großaktionär, der namentlich nicht genannt werden wollte. Das Management habe einfach nicht die Leistung gezeigt, die einen Bonus gerechtfertigt hätte. Es sei aber ein wichtiges Signal an die Aktionäre und die Mitarbeiter.

Mehrere tausend Stellen fallen weg

Dem Vernehmen nach hätten die Manager rein formal Anspruch auf eine Extrazahlung gehabt, sich aber nach längerer Diskussion gemeinsam entschieden, diese nicht anzunehmen. Anfang Februar hatten sie noch signalisiert, ein Verzicht käme nicht in Frage. Ohnehin kassieren die Vorstände der Bank teilweise ein recht hohes Fixgehalt, zumindest verglichen mit anderen Dax-Managern. Bankchef Cryan bekam zuletzt 3,4 Millionen Euro, seine Stellvertreter Marcus Schenck und Christian Sewing jeweils drei Millionen Euro.

Die Bonus-Zahlungen waren auch mit Blick auf den geplanten Stellenabbau auf Kritik gestoßen. Weil die Deutsche Bank die Postbank in den Konzern integriert, werden noch einmal mehrere tausend Stellen wegfallen. Der Welt am Sonntag zufolge soll die Zahl der Beschäftigten im Privat- und Firmenkundengeschäft beider Häuser von derzeit etwa 30 000 um 6000 verringert werden. Diese Zahl kursiert in der Bank bereits seit Monaten. Wie sowohl aus Gewerkschafts- als auch Bankkreisen zu hören war, gibt es dazu aber keinen neuen Stand, eine Entscheidung falle vermutlich erst im Spätsommer. Eine Sprecherin der Bank sagte, man nenne oder kommentiere keine Zahlen, "bevor wir nicht ein mit den Sozialpartnern besprochenes und beschlossenes Konzept haben".

© SZ.de/sebi
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