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Deutsche Bank:Warum der Deutsche-Bank-Vorstand keine Boni verdient

FILE PHOTO: CEO Sewing attends the annual shareholder meeting of Deutsche Bank in Frankfurt

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing auf der Hauptversammlung am 23. Mai 2019.

(Foto: REUTERS)

Die Deutsche Bank macht den fünften Jahresverlust in Folge. Trotzdem bekommt der Vorstand satte Boni. Das ist irritierend.

Nicht mehr und nicht weniger als 5,7 Milliarden Verlust hat die Deutsche Bank 2019 produziert. Grosso modo war das zwar zu erwarten. Das größte deutsche Geldhaus verkleinert sich gerade deutlich, was wiederum hohe Kosten verursacht. Aber es ist und bleibt ein Verlust und zwar einer der größten in der Unternehmensgeschichte.

Es ist das eine, dass das Geldhaus in dieser Situation wohl immer noch mehr als eine Milliarde Euro Boni an die Mitarbeiter bezahlen will - wie immer aus Angst, dass diese andernfalls scharenweise das Weite suchen. Das allein ist schon problematisch und sendet wie immer ein fragwürdiges Signal an die verbliebenen Aktionäre, welche wieder eine Null- oder Minidividende erhalten.

Noch schlimmer allerdings ist, dass sich auch der neunköpfige Vorstand rund um Konzernchef Christian Sewing nicht dazu durchringen konnte - wie in früheren Verlustjahren - für 2019 ganz auf den Bonus zu verzichten. Sie verzichten zwar ungefähr auf die Hälfte. Aber sie erhalten trotz ihrer für Dax-Vorstände üppigen Fixgehälter immer noch Prämien von zusammen 13,3 Millionen Euro (darin enthalten sind rund 2 Millionen Euro für drei Führungskräfte, die im vergangenen Jahr das oberste Führungsgremium verlassen haben). Es sei zwar ein Verlustjahr gewesen, aber eben auch ein extrem "wichtiges" Jahr, hatte Sewing zuletzt immer wieder durchblicken lassen. Der Vorstand habe viel erreicht, das Geldhaus ist auf gutem Weg.

Sewing und seine Kollegen geben sich gerne bodenständig

Das mag sein. Aber der Beweis, dass die Strategie richtig ist, die Bank die Wende schafft, ist noch lange nicht erbracht. Sewing und seine Kollegen geben sich gerne bodenständig. Sie sehen sich auf Augenhöhe mit ihren Kunden, vor allem den deutschen Mittelständlern. Echte Unternehmer aber wissen: Wer Verlust macht und Tausende Stellen streicht, kann sich auch kein Extra-Gehalt auszahlen.

Irritierend, dass ausgerechnet Detlef Polascheck, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und Mitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Entscheidung auf die Hälfte des Bonus zu verzichten, auch noch öffentlich lobt: Auf Basis des Vergütungssystems der Bank, das die Eigentümer mit großer Mehrheit verabschiedet hätten, und auf Basis der erreichten Kennzahlen hätte der Vorstand einen Anspruch auf seine volle variable Vergütung gehabt, ließ sich der Gewerkschafter zitieren. Die Entscheidung verdiene daher Respekt. Respekt? Ernsthaft? Die Aussage ist putzig, andererseits aber nicht sonderlich überraschend, als dass sich auch Verdi-Chef Frank Bsirske - im Schulterschluss mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner - all die Jahre nie ernsthaft gegen die Gehaltsexzesse der Bank gestellt hat. Man darf gespannt sein, wie sich das neue Aufsichtsratsmitglied Sigmar Gabriel dazu stellt.

© SZ.de/shs/mxh
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