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Weltwirtschaft:Warum die deutschen Banken so schrecklich erfolglos sind

Deutsche Bank

Die Deutsche Bank, die es einmal mit Goldman Sachs aufnehmen wollte, ist nur noch durch einen brutalen Sparkurs zu retten - und dies am Ende eines ungewöhnlich langen Aufschwungs.

(Foto: dpa)

Während etwa die Deutsche Bank massiv zu kämpfen hat, fahren die US-Banken große Gewinne ein. Das zeigt: Die Euro-Zone braucht endlich eine Bankenunion.

Vor mehr als zehn Jahren, mitten in der Finanzkrise, machte an der Wall Street ein heute berühmter Satz die Runde: "Immer wenn etwas schiefgeht, findest du irgendwo eine dumme deutsche Bank." Der Satz ist böse und ungerecht, schließlich haben sich in der Krise nicht nur die Deutschen als dumm erwiesen. Aber er hat einen wahren Kern: Und der liegt darin, dass die deutschen Kreditinstitute - private ebenso wie staatliche oder halbstaatliche - in der modernen Welt des globalen Bankgeschäfts ihre ganz besonderen Schwierigkeiten haben.

Eindrucksvoll zeigt dies der Überlebenskampf der Deutschen Bank. Das Institut, das es einmal mit Goldman Sachs aufnehmen wollte, ist nur noch durch einen brutalen Sparkurs zu retten - und dies am Ende eines ungewöhnlich langen Aufschwungs. Vergleichsweise gut steht noch die Commerzbank da, aber sie wird noch immer durch den deutschen Staat mit einer Beteiligung von 15 Prozent gestützt, als vertrauensbildende Maßnahme für den launischen Kapitalmarkt.

Aufschlussreich ist da der Vergleich mit den amerikanischen Großbanken, die in diesen Tagen ihre Quartalszahlen vorlegen. Sie spüren zwar, dass die Konjunktur schwächer wird und die Gewinne zurückgehen. Aber zuvor hatten sie fast zehn Jahre Zeit, um die Trümmer der Krise zu beseitigen und Reserven zu bilden. Einige, darunter die Bank of America, konnten ihren Gewinn sogar noch einmal steigern.

Woher kommt dieser eklatante Unterschied? Warum sind die Deutschen so erfolgsarm? Im Einzelfall mögen Fehlentscheidungen eine große Rolle gespielt haben, aber das ist nicht die ganze Geschichte. Es gibt strukturelle Ursachen, und die gilt es ernst zu nehmen, im Interesse der gesamten deutschen Wirtschaft.

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Die volkswirtschaftliche Rolle von Banken besteht darin, effizient Geld von denen, die es haben, zu denen zu bringen, die es produktiv nutzen können. Die Deutsche Bank wurde 1870 gegründet, um die Industrialisierung Deutschlands zu finanzieren. In der alten Bundesrepublik waren Deutsche, Dresdner und Commerzbank als Anteilseigner großer Unternehmen die Stützen eines kooperativen Kapitalismus, den man die "Deutschland AG" nannte.

Die moderne Globalisierung machte diesem Modell ein Ende, und die Institute suchten nach einem eigenen Weg in der wilden Welt der internationalen Kapitalströme. Bei der Deutschen Bank sollte dies die Verlagerung auf Aktienhandel und Investmentbanking sein. Man wollte die Wall Street entern und mitspielen. Der Versuch ist grandios gescheitert, auch weil die Deutschen die Kultur der Wall Street und ihre Risiken nicht verstanden. Ist es Zufall, dass ausgerechnet die Deutsche Bank noch Kredite an einen New Yorker Baulöwen namens Donald Trump vergab, als alle anderen längst die Finger von dessen Geschäften gelassen hatten?

Jetzt denken manche schon darüber nach, was es für die deutsche Wirtschaft bedeuten würde, wenn es gar keine heimischen Großbanken mit einem besonderen Verständnis für hiesige Unternehmen mehr gäbe. Die Furcht brachte Bundesfinanzminister Olaf Scholz und andere dazu, mittels sanften Drucks die Deutsche Bank und die Commerzbank in die Fusion zu einem nationalen Champion zu reden. Aus dem Vorhaben wurde nichts, und das muss nicht schlecht sein. Das Konzept der nationalen Champions, also von künstlich aufgepäppelten Unternehmen, die den nationalen Markt beherrschen sollen, schafft meist mehr Probleme als es löst.

Die deutschen Banken tun sich schwer - aus guten Gründen

Deutsche Banken haben gegenüber amerikanischen zwei große Nachteile. Erstens beherrschen in Deutschland kommunale Sparkassen und genossenschaftliche Volks- und Raiffeisenbanken das normale Bankgeschäft in der Breite. Das fehlt den Großbanken. Und zweitens, noch wichtiger: Die Amerikaner arbeiten auf einem viel größeren Markt als die Deutschen.

Theoretisch gibt es in der EU mit 512 Millionen Einwohnern mehr Kunden als in den USA mit 327 Millionen. Für die Europäer gibt es zwar einen Binnenmarkt ohne Zollgrenzen, aber keinen gemeinsamen Bankenmarkt mit einheitlichen Regeln und zentraler Aufsicht. Die Vorteile, die die Amerikaner von dem einheitlichen, modern verfassten Finanzmarkt haben, zeigten sich paradoxerweise darin, wie die Finanzkrise bewältigt wurde. Die Regierung stellte 700 Milliarden Dollar bereit, um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Sie zwang die Banken, ihre Bilanzen von faulen Krediten zu reinigen, und setzte neue Regeln durch. Die Rettungsaktion endete mit 14 Milliarden Dollar Gewinn für die Steuerzahler. In Deutschland kostete allein die Abwicklung der gescheiterten Hypo Real Estate 20 Milliarden Euro.

Wenn es denn richtig ist, dass große eigene Finanzinstitute unverzichtbar für eine florierende Wirtschaft sind, dann bedarf es aus deutscher (und wohl auch französischer) Sicht eines Bankenmarktes, der nationale Grenzen überschreitet. Das ist ein starkes Argument für eine Bankenunion, die die ganze Euro-Zone umfasst.

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