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Deutsche Bank:Leistung aus Leidenschaft? Eher nicht

Der China-Fall zeigt einmal mehr, dass die Selbstheilungskräfte von Konzernen nicht ausreichen, um Fehlverhalten konsequent aufzudecken.

(Foto: Illustration: Stefan Dimitrov)

Die dubiosen Einstellungen von Personal in China zeigen: Die Deutsche Bank führte ihr eigenes Selbstverständnis ad absurdum.

Slogans großer Unternehmen sind oft eher schlicht. Bei der Deutschen Bank aber stand der Slogan "Leistung aus Leidenschaft" viele Jahre lang immerhin glaubwürdig für das Selbstverständnis dieser Bank, ein erzkapitalistisches, aber eben auch meritokratisches Unternehmen zu sein. Nur die Besten ihres Faches sollten sich dort durchsetzen. Das war das Credo eines Instituts, das sich von Ende der 80er-Jahre an dem angelsächsischen Investmentbanking verschrieben hatte, bei dem es angeblich auf nichts mehr ankam als auf Leistung, um so viel Geld wie möglich damit zu verdienen.

Doch dieses Selbstverständnis hat die Deutsche Bank dann jahrelang ad absurdum geführt: Sie hat vor allem in China Dutzende Menschen eingestellt, deren Leistung meist nur darin bestand, Kinder von Parteifunktionären zu sein. Und weil die Aussicht auf hohe Erträge in Fernost so verlockend war, verabschiedete man sich vom eigenen Credo, mit dem man jahrelang um das Vertrauen von Kunden warb. So gesehen wäre es in China ehrlicher gewesen, mit "Papa sei Dank" zu werben. Es brauchte keine Leistung, sondern nur die richtige Geburtsurkunde.

Dunkle Ecken

Nun ist seit Jahren bekannt, dass die Deutsche Bank oft genug jenseits der rechtlichen Vorgaben operiert hat. Trotzdem gibt es immer wieder dunkle Ecken, die noch nicht ausgeleuchtet waren, ein Beispiel ist das besagte Korruptionssystem in China. Dabei wäre die Angelegenheit vielleicht nur halb so schlimm gewesen, wenn die Bank früh den Warnungen einiger Mitarbeiter nachgegangen wäre. In der Ära von Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aber konnte davon keinerlei Rede sein; und auch unter seinen Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen wurden die Sachverhalte allenfalls halbherzig aufgeklärt, weswegen die meisten der potenziellen Straftaten inzwischen verjährt sein dürften.

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Schlimmer noch: Bis heute unterlässt es die Bank, ernsthaft personelle Konsequenzen zu ziehen. Ein leitender Mitarbeiter, der 2005 mutmaßliche Schmiergeldzahlungen leistete, um der Bank den Einstieg bei der chinesischen Bank Huaxia zu organisieren, arbeitet noch an führender Position, obwohl die Deutsche Bank sein Fehlverhalten im Detail kennt. Und nicht nur das, er war bis unlängst weltweiter Verwaltungsleiter für Compliance, also die Einhaltung der Regeln und die Bekämpfung von Finanzkriminalität. Das ist schwer verdaulich.

Damit sendet die Deutsche Bank bis heute - auch unter Vorstandschef Christian Sewing - das Signal an ihre Belegschaft aus, dass sich zweifelhaftes Verhalten lohnen könnte. Auch jenseits des China-Falls gibt es dort Dutzende Manager, die trotz Fehlverhaltens oder Missmanagements weiterhin Karriere machen konnten. Bei vielen redlichen Mitarbeitern wiederum wirft dies immer wieder die Frage auf: Welches Geheimwissen über die Führungsriege hat er oder sie im Giftschrank, dass er oder sie immer noch für unser Haus arbeiten darf?

Der China-Fall zeigt zudem einmal mehr, dass die Selbstheilungskräfte von Konzernen nicht ausreichen, um Fehlverhalten konsequent aufzudecken. Ein ehrlicher Umgang mit sich selbst sieht definitiv anders aus. Und weil die Bank dazu offenkundig nicht in der Lage oder willens war, müssen staatliche Institutionen wie die Finanzaufsicht oder die Staatsanwaltschaft harte Strafen aussprechen.

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