Verkehrspolitik Bahnbeauftragter fordert höhere Ticketpreise

Nach dem Willen des Verkehrsministeriums könnten Zugreisende für notwendige Investitionen bei der Bahn zur Kasse gebeten werden.

(Foto: dpa)
  • Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium und Bahnbeauftragter der Bundesregierung, hat sich für höhere Ticketpreise im Bahnverkehr ausgesprochen.
  • Er sieht zunächst den Konzern in der Pflicht, Probleme im Betriebsablauf zu beseitigen: "Ihr müsst euren Job machen, das System muss funktionieren. Vorher gibt die Politik kein Geld."
  • Kritik erntete Ferlemanns Vorstoß vonseiten der Grünen. Anton Hofreiter forderte mehr staatliche Investionen im Bahnverkehr.

Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), hat höhere Fahrpreise ins Gespräch gebracht, um Investionen im Bahnverkehr zu finanzieren. "Die Bahn könnte ihre Preise anheben oder die Sondertarife reduzieren", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Auch Fernbusse würden teurer, "die Zeiten des ruinösen Wettbewerbs sind vorbei", begründete Ferlemann seinen Vorstoß. Es könne nicht der Normalfall sein, für 19 Euro quer durch Deutschland zu fahren. Was es freilich nicht ist: Derart niedrige Preise bietet die Deutsche Bahn nur für ein äußerst begrenztes Ticket-Kontingent an.

Der Unionspolitiker forderte ein Umdenken in der Politik und mehr Investitionen in Ballungsräumen statt in prestigeträchtige Schnellstrecken. Er kritisierte aber auch die Bahn und deren Forderungen nach mehr Geld: "Immer höre ich von der Bahn: Wenn ihr uns für dieses oder jenes mehr Geld gebt, wird alles besser." Doch das Gegenteil sei eingetreten. Seit eineinhalb Jahren gebe es auf einmal riesige Probleme im täglichen Betriebsablauf. Da sage er als Bahnbeauftragter: "Ihr müsst euren Job machen, das System muss funktionieren. Vorher gibt die Politik kein Geld."

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte den Vorstoß und forderte, stattdessen die Bahn attraktiver zu machen. Höhere Fahrpreise lehnte er ab. Er forderte die Bundesregierung auf, mehr Geld zu investieren. "Eine Preiserhöhung würde die Entwicklung der Bahn sabotieren", sagte Hofreiter. Höhere Preise und schlechtere Angebote würden dazu führen, dass Reisende auf andere Verkehrsmittel umstiegen. "Die Bundesregierung muss ihre Bahnblockade endlich aufgeben", sagte Hofreiter. Sie müsse "deutlich mehr Geld in die Bahn investieren und gleichzeitig einen radikalen Neustart bei der Bahn voranbringen, damit das Geld sinnvoll genutzt wird und nicht versickert".

Neue Gespräche zwischen Bahn und Verkehrsministerium am Mittwoch

Die Bahn wollte sich zu dem Vorstoß zunächst nicht äußern. Der Fahrgastverband Pro Bahn halte eine Diskussion über höhere Preise im gesamten Verkehrswesen aus ökologischen Gründen für denkbar, sagte Verbandssprecher Karl-Peter Naumann. Preiserhöhungen seien aus seiner Sicht dann aber vor allem im Straßen- und Luftverkehr nötig.

Als Bahnbeauftragter der Bundesregierung ist Ferlemann der Bahn AG gegenüber nicht weisungsbefugt. Er bündelt die Bahnpolitik des Bundes als Eigentümer der Bahn und verhandelt derzeit gemeinsam mit Verkehrsminister Scheuer mit der Bahn-Spitze, damit es im ersten Halbjahr Verbesserungen für die Fahrgäste hinsichtlich Service und Pünktlichkeit gibt. Zwei Treffen gab es schon, das nächste steht am Mittwoch an.

Die Bahn hatte zuletzt zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember ihre Fernverkehrspreise für 2019 um durchschnittlich 0,9 Prozent erhöht. Wegen Staus im Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät gekommen. Die Bahn ist hochverschuldet und braucht Milliarden für neue Investitionen.

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