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Konjunkturprognose:Der Absturz ist da - aber wie geht es weiter?

Daimler - Produktion

Das Mercedes-Werk in Bremen, als es noch offen war: Die Autokonzerne prüfen, wie sie ihre Arbeiter vor dem Coronavirus schützen.

(Foto: dpa)

Die Wirtschaft bricht dieses Quartal um 9,8 Prozent ein, erwarten Deutschlands führende Konjunkturforscher. Sie rechnen damit, dass die Erholung 2021 deutlich wird. Doch alles hängt am Corona-Keim.

Um die entscheidende Einschränkung redet Timo Wollmershäuser nicht groß herum. "Was uns so optimistisch macht", sagt der Konjunkturexperte des Münchner Ifo-Instituts, "sind halt die Annahmen, die wir getroffen haben." Etwa die Annahme, "dass die Epidemie im nächsten Jahr überwunden sein wird." Oder dass dann die ganze Weltwirtschaft rasch wieder anfahren kann. Dass zwischenzeitlich keine Strukturen zu Bruch gehen. Und wenn das alles so kommt, so jedenfalls sehen es die führenden Wirtschaftsinstitute in ihrer gemeinsamen Prognose, dann könnte auf einen Absturz der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 4,2 Prozent eine umso stärkere Erholung um 5,8 Prozent im nächsten folgen. Ende 2021 könnte die Wirtschaft wieder auf dem Vor-Corona-Pfad landen. Wenn.

Wie ein großes Fragezeichen schweben diese Einschränkungen auch über dem ganzen Gutachten. "Mit dieser Prognose sind erhebliche Abwärtsrisiken verbunden", heißt es darin. Beispielsweise könnte sich die Pandemie deutlich langsamer abschwächen lassen, oder das Wiederhochfahren der Wirtschaft gelingt nicht so gut wie angenommen. Den Ökonomen fehlt mit einer solchen Krise schlicht die Erfahrung.

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Was sich dagegen schon abzeichnet, ist das Ausmaß des Absturzes. Im zweiten Quartal erwarten die Institute einen Einbruch um 9,8 Prozent, den stärksten seit Beginn der quartalsweisen Aufzeichnung der Leistungsdaten. Auch spreche immer noch viel für den v-förmigen Verlauf der Krise, wie ihn auch der Sachverständigenrat angenommen hatte - mit einem scharfen Absturz, aber einer ebenso scharfen Erholung. "Das Gute an dieser Krise ist, dass sie weitgehend synchron verläuft", sagt Wollmershäuser. Wie derzeit quasi die gesamte Weltwirtschaft stillsteht, kann sie auch nahezu zum gleichen Zeitpunkt überall wieder anziehen. Die entscheidende Frage ist eben nur, wann dies geschieht.

"Wir haben es mit einem moving target zu tun", sagt der Wirtschaftsminister

Für den Übergang aber sehen auch die Institute Deutschland gut gerüstet. Die Zahl der Arbeitslosen steige zwar um eine knappe Viertelmillion auf 2,5 Millionen. Gleichzeitig aber überwinterten 2,4 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Das Land profitiere dabei auch von recht gut gefüllten Kassen. "Wir sehen, dass Konsolidierungspolitik sich auf Dauer auch lohnt", sagt Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. "Es wird nicht die letzte Krise sein, die uns wirtschaftlich zu schaffen macht." Und auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sieht sich durch das Urteil der Forscher bestätigt. "Die Zahlen zeigen uns sehr deutlich, dass unsere Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie anfangen zu wirken", sagt er. Die Bundesregierung will Ende April selbst eine Prognose vorlegen. Dann dürfte auch klarer sein, wie tief der Shutdown die Wirtschaft trifft. "Wir haben es mit einem moving target zu tun", sagt Altmaier, einem beweglichen Ziel.

Vor einem aber warnen die Institute: Ungeduld. Auch aus ökonomischer Sicht sei es am wichtigsten, die Ausbreitung des Virus in den Griff zu kriegen, sagt Oliver Holtemöller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle. "Wenn uns das nicht gelingt, sind auch alle Überlegungen zur mittelfristigen Entwicklung der Wirtschaft obsolet."

© SZ vom 09.04.2020
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