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Corona-Impfstoffe:Evonik liefert schneller

Evonik Lipid-Produktion

Die Chemikantin Olga Vakulenko in der Lipid-Produktion des Chemie-Konzerns Evonik in Hanau.

(Foto: Evonik)

Innerhalb weniger Wochen hat der Chemiekonzern eine Lipid-Produktion in Hanau aufgebaut. Ohne solche Schutzhüllen erreichen mRNA-basierte Impfstoffe wie der von Biontech ihren Wirkort nicht.

Von Benedikt Müller-Arnold

Mit dem Impfstoff gegen das Coronavirus ist es wie mit vielem im Leben: Die beste Entwicklung nützt nichts, wenn sie nicht an den richtigen Stellen ankommt. Das gilt insbesondere für die Vakzine von Biontech und Moderna, die auf mRNA basieren: Damit die genetische Information über das Virus in die Zellen gelangt, müssen die Hersteller ihren - an sich instabilen - Wirkstoff mit einer stabilen Schutzhülle aus verschiedenen Lipiden umgeben.

Diese Packung für den Boten stammt neuerdings auch aus einem Werk in Deutschland: Der Chemiekonzern Evonik kann seine Lipide Monate früher liefern als bislang geplant, wie er nun bekanntgab. Innerhalb von acht Wochen habe die Firma die Produktion an ihrem Standort in Hanau aufgebaut. Dies sei möglich gewesen, weil der Staat bürokratische Prozesse in dem Fall stark beschleunigt und vereinfacht habe, heißt es von Evonik. Ursprünglich hatte das Unternehmen angekündigt, erste Lipide Mitte dieses Jahres zu liefern.

Die neuen Anlagen gelten als wichtige Hilfe, dank derer der Hersteller Biontech und sein Partner Pfizer kürzlich ankündigen konnten, dass sie der EU 50 Millionen Impfdosen früher liefern werden als ursprünglich geplant. Neben dem Werk in Hanau plant Evonik eine Lipid-Produktion in Dossenheim bei Heidelberg; beide Standorte sind nicht allzu weit von der Biontech-Fabrik in Marburg entfernt.

Lipide könnten künftig noch in ganz anderen Medikamenten zum Einsatz kommen

Evonik liefert ohnehin Hilfsstoffe, Wirkstoffe und Prüfmuster an die Pharmaindustrie. Seit der Übernahme eines kanadischen Jungunternehmens im Jahr 2016 produziert der Konzern entsprechende Lipide in Nordamerika. Allerdings verbieten die USA derzeit, derart wichtige Zutaten für Corona-Impfstoffe zu exportieren. Auch sah Evonik jahrelang keinen relevanten Markt für jene Spezial-Lipide. "Das hat sich mit dem Durchbruch mRNA-basierter Impfstoffe grundlegend geändert", heißt es vom Konzern.

Beispielsweise ist Biontech ursprünglich mit dem Ziel angetreten, auf der Grundlage von mRNA Krebsmedikamente zu entwickeln. Auch der Konkurrent Curevac arbeitet an einem mRNA-baserten Impfstoff gegen das Virus. Zulieferer wie Evonik oder auch der Darmstädter Konzern Merck haben also Grund zur Hoffnung, dass ihre Lipide künftig noch in ganz anderen Medikamenten zum Einsatz kommen könnten.

Zudem gehen Fachleute wie etwa Pfizer-Chef Albert Bourla davon aus, dass viele Menschen nach einiger Zeit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus und mögliche Mutanten gebrauchen könnten. Mithin stiege auch die Nachfrage nach Hilfsstoffen weiter an - vom Glasfläschchen, das Firmen wie Schott und Gerresheimer liefern, bis zur Wirkstoffhülle.

© SZ
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