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Corona-Impfstoff:EU erhält zusätzlichen Biontech-Impfstoff

Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Biontech in Frankreich

Biontech-Impfung im französischen Angers: Der Hersteller zieht Lieferungen an die EU vor, die für das Jahresende geplant waren.

(Foto: Stephane Mahe/Reuters)

Der Pharmakonzern wird bis Juni 50 Millionen Dosen mehr liefern als ursprünglich geplant. Das könnte helfen, mögliche Ausfälle bei Johnson & Johnson auszugleichen.

Von Björn Finke, Brüssel

Der Mainzer Hersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer liefern in den Monaten von April bis Juni ein Viertel mehr Corona-Impfstoff an die EU, als bisher vereinbart war: 250 anstatt 200 Millionen Dosen, wie Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch in Brüssel verkündete. Damit sollen in den drei Monaten nun 410 Millionen Dosen von vier Unternehmen bei den Mitgliedstaaten eingehen. Biontech zieht dafür Lieferungen vor, die für das Jahresende geplant waren.

Die Mittel werden gemäß der Bevölkerungsgröße aufgeteilt, was für Deutschland ein Plus von gut neun Millionen Dosen bedeutet. Das zusätzliche Vakzin könnte auch als Puffer dienen, falls die EU-Staaten die 55 Millionen Dosen vorerst doch nicht nutzen können, die Johnson & Johnson im zweiten Quartal bereitstellen will. Allerdings reicht bei dem US-Konzern eine Impfung aus, bei Biontech sind zwei Dosen nötig.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA prüft gerade Berichte über Blutgerinnsel als Nebenwirkung des Vakzins von Johnson & Johnson und will kommende Woche ein Gutachten veröffentlichen. Der Konzern hat die Auslieferung pausiert. "Daher ist es wichtig, schnell und vorausschauend zu handeln und Pläne anzupassen, wenn das möglich ist", sagte von der Leyen - zum Beispiel durch die raschere Lieferung von Biontech.

Insgesamt hat sich die EU in ihren bestehenden Verträgen mit Biontech und Pfizer 600 Millionen Dosen gesichert. Zudem einigten sich das Duo und die Kommission jetzt auf einen Folgevertrag über bis zu 1,8 Milliarden Dosen für die Jahre bis 2023. Dies sei "ein weiterer wichtiger Schritt bei der Antwort der Kommission auf die Pandemie", sagte von der Leyen. Der Lenkungsausschuss - das Gremium, in dem Vertreter der Mitgliedstaaten die EU-Impfstoffbeschaffung überwachen - soll dem Abkommen in dieser oder der kommenden Woche zustimmen, wie es aus der Kommission heißt.

Auch Kinder könnten geimpft werden

Die ersten Dosen aus der neuen Vereinbarung sollen schon in der zweiten Jahreshälfte ankommen. Die Mittel sind für Auffrischimpfungen vorgesehen; die Unternehmen sollen sie für Mutanten des Coronavirus anpassen. Eventuell könnte das Vakzin künftig auch Kindern gespritzt werden, die bislang bei den Impfkampagnen der Mitgliedstaaten außen vor bleiben. Der Vertrag sieht eine Order von 900 Millionen Dosen vor plus eine Option, die gleiche Menge noch einmal zu erhalten.

Bisher hat die Kommission Verträge mit sechs Herstellern vereinbart. Für den Folgevertrag war es der Behörde wichtig, dass die Unternehmen die komplette Produktion in Europa abwickeln können. Schließlich lagen die Verzögerungen und Lieferausfälle bei Astra Zeneca und Johnson & Johnson auch daran, dass Großbritannien, Indien und die USA Exporte erschwert haben. Zudem wollte Brüssel ein Vakzin, das mit der mRNA-Technologie arbeitet, da solche Impfstoffe nach Meinung der EU-Fachleute einfacher für Mutanten anzupassen sind. Wegen dieser beiden Voraussetzungen habe Biontech "die Pole-Position" unter den sechs Firmen innegehabt, heißt es in der Kommission.

Zwar verwenden auch zwei andere dieser sechs Unternehmen den mRNA-Ansatz: der US-Konzern Moderna und der Tübinger Anbieter Curevac. Doch Moderna hat bislang zu wenig Produktionskapazitäten in Europa, und das Mittel von Curevac ist noch nicht zugelassen. Von der Leyen schließt aber nicht aus, bei diesen und anderen Firmen später Bestellungen für die kommenden Jahre aufzugeben: Auf die Vereinbarung mit Biontech könnten "andere Verträge, mit anderen Unternehmen, folgen", sagte sie.

© SZ/jsa
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