Autozulieferer:Continental streicht weltweit über 5000 Jobs

Autozulieferer: Der Firmenname der Continental AG leuchtet auf dem Werk in Hannover.

Der Firmenname der Continental AG leuchtet auf dem Werk in Hannover.

(Foto: A3794 Peter Steffen/dpa)

Allein an die tausend Arbeitsplätze sollen in Deutschland bei dem Autozulieferer auf der Kippe stehen. Das Ziel: die Konzernverwaltung verkleinern und so Millionen einsparen.

Von Thomas Fromm

Wenn ein Autozulieferer wie Continental mit einem großen Sparplan über seine Büroflure fegt und dieses Projekt "Accelerate", also "beschleunigen", nennt, dann ist das ziemlich doppeldeutig. Denn was hier beschleunigt werden soll, sind ausnahmsweise ja mal keine Autos, sondern die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens, vor allem die Profitabilität, die Gewinnmarge. Mit beschleunigtem Jobabbau zu schnelleren Gewinnen sozusagen.

"Accelerate", das klingt hier schon ein bisschen nach unfreiwilliger Ironie.

Schon seit einiger Zeit arbeitet der Conti-Vorstand unter seinem Chef Nikolai Setzer an dem Sparprogramm, jetzt sickerte durch: Der Autozulieferer will in seinem Automobilgeschäft in den nächsten Jahren an die 5500 Stellen weltweit streichen, davon sollen allein 1000 Jobs in Deutschland wegfallen, wo der Konzern an die 30 Standorte unterhält. Weitere Details des Sanierungsplans, über den zuerst das Manager Magazin berichtet hatte, sollen bereits an diesem Montag bei einem internationalen Webcast den Beschäftigten und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Insiderkreise berichten, dass der Stellenabbau "sozialverträglich" vonstatten gehen soll. Also: keine betriebsbedingten Kündigungen.

Aus Konzernkreisen ist zu hören, dass der Sanierungsplan weder auf die Produktion und die für den Konzern zentrale Reifenherstellung noch die technischen Entwicklungsabteilungen Auswirkungen hat. Gespart werden soll in erster Linie in der Verwaltung des Automotive-Geschäfts - da, wo man die größten Einsparmöglichkeiten sieht, ohne dass dies Folgen für die Produkte und die Technologien des Konzerns haben soll. Mit der Strategie, die Verwaltung auszudünnen, sollen Millionen reingeholt werden; die Rede ist von jährlichen Einsparungen von 400 Millionen Euro in den kommenden Jahren.

Autozulieferer: Conti-Chef Nikolai Setzer: Er will das Autozuliefergeschäft profitabler machen - und plant nun den Abbau von Arbeitsplätzen weltweit.

Conti-Chef Nikolai Setzer: Er will das Autozuliefergeschäft profitabler machen - und plant nun den Abbau von Arbeitsplätzen weltweit.

(Foto: Michael Matthey/dpa)

Der Konzern aus Hannover gab sich an diesem Sonntag zurückhaltend - und antwortete allgemein. Man prüfe "weitere Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmensbereichs Automotive", so ein Sprecher. Ob diese Maßnahmen auch einen größeren Stellenabbau bedeuteten? Sie schlössen "mögliche Veränderungen in Verwaltungsstrukturen ein, um künftig schnellere und agilere Entscheidungen zu ermöglichen und die Kostenseite zu entlasten", so das Unternehmen. Kostenseite entlasten - dies ist in der Wirtschaft oft eine etwas geschmeidigere Umschreibung für Sparen und Jobs abbauen.

Insgesamt hat Continental derzeit an die 200 000 Beschäftigte weltweit. Etwa die Hälfte davon arbeitet in der kriselnden Automotive-Sparte, in der das klassische Zuliefer-Geschäft wie der Verkauf von Elektronikkomponenten an Autohersteller wie VW, BMW oder Mercedes angesiedelt ist. Die andere Hälfte ist unter anderem in der klassischen Produktion von Reifen für das Endkundengeschäft tätig. Dazu kommt noch die Sparte Contitech, wo auch das Spezial-Autogeschäft mit Produkten wie Riemen und Dichtungssystemen angesiedelt ist, das in der nächsten Zeit abgegeben werden könnte.

Autozulieferer wie Continental stehen in diesen Zeiten erheblich unter Druck. Der Wandel vom Verbrennungsmotor hin zum Elektroauto macht viele traditionelle Geschäftsbereiche überflüssig, neue müssen erst erschlossen werden. Dazu kommt vieles zusammen: Die Kosten für Material steigen, dazu belasten Inflation und Lohnsteigerungen. Das Problem der Zulieferer: Eigentlich müssten sie bei ihren Kunden, den Autoherstellern, massive Preiserhöhungen durchsetzen. Eine große Verhandlungsmacht hatten Zulieferer in den vergangenen Jahrzehnten hier aber ohnehin nicht. Künftig dürfte das noch schwieriger werden: Die europäischen Autobauer werden, gerade beim Wandel hin zu E-Autos, von den chinesischen Rivalen auf den Weltmärkten immer mehr unter Druck gesetzt. Ein Druck, der von den Herstellern nach unten weitergereicht wird - dahin, wo die Autozulieferer sind.

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