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Finanzindustrie:Citibank überweist aus Versehen 501 Millionen Dollar

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Eine Passantin vor einer Citibank-Filiale: Die Bank bemerkte den Fehler schnell und bat die Gläubiger, ihr das Geld zurück zu überweisen.

(Foto: Michael Short/Bloomberg)

"Menschliches Versagen" sollen bei der Citibank zu einem Fehler in Millionenhöhe geführt haben. Ein Gericht entscheidet nun gegen die Bank. Der Fall erinnert an eine ähnliche Geschichte in Deutschland.

Von Harald Freiberger

"The city never sleeps", so heißt der Songtitel zu einem sehr bekannten Werbeslogan, den die US-Investmentbank Citibank von 1978 an für sehr lange Zeit nutzte. Er funktionierte auf mehreren Ebenen: Die Bank hat ihren Hauptsitz in New York, der Stadt, die niemals schläft, und sie ist rund um die Uhr für ihre Kunden da, weil sie auch selbst niemals schläft.

An einem Tag im August vergangenen Jahres muss ein Mitarbeiter der Citibank aber doch einmal geschlafen haben, als er per Mausklick mehrere Überweisungen auslöste. Insgesamt 893 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) gingen an eine Vielzahl von Gläubigern des US-Kosmetikkonzerns Revlon, für den die Citibank die Kredite verwaltet. Eigentlich wollte der Mitarbeiter nur die fälligen Zinsen in Höhe von 7,8 Millionen Dollar überweisen. Durch einen Irrtum übermittelte er aber die gesamte Kreditsumme.

Die Citibank bemerkte den Fehler schnell, sprach von "menschlichem Versagen" und bat die Gläubiger, ihr das Geld zurück zu überweisen. Doch dazu waren nicht alle bereit. Zehn Investmentfonds behielten insgesamt 501 Millionen Dollar ein. Die Citibank tritt dabei über eine komplexe Konstruktion selbst als Gläubiger auf. Sie ging vor Gericht, um das Geld einzufordern. Am Dienstag entschied nun der New Yorker Richter Jesse Furman: Die Bank bekommt das Geld nicht zurück.

Der Richter erklärte, dass nach US-Recht fehlerhaft überwiesenes Geld in der Regel zurückerstattet werden muss. Das Recht des Bundesstaates New York sieht aber eine Ausnahme vor: "Der Empfänger darf das Geld behalten, wenn damit gültige Schulden beglichen werden, der Empfänger keine Falschangaben gemacht hat, um die Auszahlung auszulösen, und wenn der Empfänger den Fehler nicht bemerkt hat", schrieb der Richter.

Die Gläubiger seien "guten Glaubens" und mit ausreichender Begründung davon ausgegangen, dass Revlon den Kredit aus dem Jahr 2016 vorzeitig zurückgezahlt habe. Dagegen, so der Richter, "wäre es nahezu irrational gewesen", davon auszugehen, dass Citibank oder Revlon die fast 900 Millionen Dollar irrtümlicherweise überwiesen haben - "etwas, das eine Bank vermutlich noch nie zuvor getan hat und vermutlich nie wieder tun wird".

Womit der Richter unrecht hat: Ähnliche Fälle hat es durchaus gegeben. Im April 2018 überwies die Deutsche Bank irrtümlich sogar einmal 28 Milliarden Euro auf ein Konto bei der Deutschen Börse; der Fehler wurde innerhalb weniger Minuten bemerkt und konnte rückgängig gemacht werden. Ein Glück, denn hätte die Börse darauf bestanden, das Geld zu behalten, wäre die Deutsche Bank Pleite gewesen.

Ähnliches passierte der staatlichen Förderbank KfW im Februar 2017. Sie überwies fälschlicherweise fünf Milliarden Euro an mehrere Banken. Ursache war "menschliches Versagen" eines Programmierers bei Arbeiten an der IT gewesen. Auch in diesem Fall wurde das Geld schnell zurück überwiesen.

Weniger Glück hatte die KfW im September 2008, als sie noch 320 Millionen Euro an die Pleite gegangene US-Investmentbank Lehman Brothers überwies. Das Geld war dann wirklich weg, es konnte nicht zurückgeholt werden. Die KfW musste sich dafür von der Bild-Zeitung als "Deutschlands dümmste Banker" verspotten lassen.

Für die Citibank, die an einem Tag im August doch einmal geschlafen hat, gibt es dagegen noch eine letzte Hoffnung. Eine Sprecherin kündigte an, dass man in Berufung gehen werde. "Wir glauben, dass uns das Geld zusteht und werden weiter eine komplette Rückerstattung verfolgen", sagte sie. Was mit ihrem Kollegen passiert ist, der sich verklickte hatte, ist übrigens unklar.

© SZ
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