Konjunktur:Chinas Wirtschaftswachstum stabilisiert sich

Konjunktur: Die chinesischen Verbraucher gaben mehr Geld für Restaurantbesuche, Kleidung und Autos aus.

Die chinesischen Verbraucher gaben mehr Geld für Restaurantbesuche, Kleidung und Autos aus.

(Foto: Andy Wong/AP)

Es ist ein kleiner Erfolg für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt: Die Nachfrage der Verbraucher übertrifft im dritten Quartal die Erwartungen. Doch es droht weiterhin Ungemach.

Chinas Wirtschaftswachstum hat sich dank einer steigenden Verbrauchernachfrage stabilisiert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Juli bis September um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistikamt mitteilte. Damit lag das Wachstum über der durchschnittlichen Prognose der von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Wirtschaftswissenschaftler von 4,5 Prozent.

Insbesondere die Einzelhandelsumsätze überstiegen mit 5,5 Prozent Zuwachs die Erwartungen. Dabei gaben die chinesischen Verbraucher beispielsweise mehr Geld für Restaurantbesuche, Kleidung und Autos aus. Doch von Überschwang kann keine Rede sein: So blieb der erhoffte Tourismusboom während des Nationalfeiertags Anfang Oktober weitgehend aus. Die Risiken eines weiteren Sinkens der Verbraucherpreise, der sogenannten Deflation, die zu weniger Nachfrage führt, bleiben Ökonomen zufolge bestehen.

Die Wirtschaftszahlen für das dritte Quartal hätten "eine solide Grundlage für das Erreichen der Entwicklungsziele für das gesamte Jahr geschaffen", erklärte indes das Statistikamt. Die Regierung hatte nach dem vergangenen, katastrophalen Null-Covid-Jahr für 2023 ein vorsichtiges Ziel von etwa fünf Prozent Wachstum ausgegeben. Das Amt warnte jedoch vor einem "noch komplizierteren und schwierigeren" weltweiten Umfeld. Zum einen belasten nach wie vor der Ukraine-Krieg und die hohe Inflation die Nachfrage nach chinesischen Exporten in Europa und den USA. Und mit dem Krieg in Israel und Gaza und den wachsenden Spannungen im Nahen Osten droht nun weiteres Ungemach.

Der wichtige Immobiliensektor bleibt ein erheblicher Belastungsfaktor. Die Hausverkäufe gehen weiter zurück und viele Bauträger spüren eine Kreditklemme. Unter besonderer Beobachtung steht der einst größte Immobilienentwickler des Landes, Country Garden. Dieser hatte gewarnt, dass er eine in diesen Tagen fällige Anleihe in US-Dollar möglicherweise nicht bedienen könnte. Dem bereits zahlungsunfähigen Konkurrenten Evergrande droht indes bei einer Gerichtsanhörung Ende des Monats die einst undenkbare Liquidation seiner Vermögenswerte. Das würde den angeschlagenen Giganten, der zum Sinnbild der chinesischen Immobilienkrise geworden ist, endgültig in den Ruin treiben.

Angesichts der Risiken für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erwarten Analysten weitere Konjunkturmaßnahmen von der Regierung. Laut Bloomberg erwägen die Behörden, mehr Staatsanleihen auszugeben, um in die Infrastruktur zu investieren. Ökonomen erwarten auch, dass die Zentralbank die Leitzinsen und den Mindestreservesatz der Banken weiter senken wird. Dadurch sollen die Unternehmen leichter an frisches Geld für Investitionen kommen. Doch der Erfolg dieser Maßnahmen hängt davon ab, ob die Regierung es schafft, das Vertrauen der Verbraucher in die heimische Wirtschaft wiederherzustellen.

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