Fahrdienstleister:Didi zieht sich von New Yorker Börse zurück

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Fahrdienstleister: Der Anbieter Didi vermittelt wie das US-amerikanische Pendant Uber Fahrdienste an seine Nutzer.

Der Anbieter Didi vermittelt wie das US-amerikanische Pendant Uber Fahrdienste an seine Nutzer.

(Foto: William West/AFP)

Erst vor einem halben Jahr ging der chinesische Uber-Rivale Didi an die Börse. Doch dann schritt auf einmal der chinesische Apparat ein - und nun ist die Erfolgsgeschichte schon wieder zu Ende.

Von Christoph Giesen, Peking

Anfang Juli sah alles noch gut aus: In New York ging damals der chinesische Fahrdienstvermittler Didi Chuxing an die Börse (das Tickerkürzel lautete natürlich "DIDI"), 4,4 Milliarden Dollar wurden erlöst, zeitweise erreichte Didi eine Marktkapitalisierung von etwa 80 Milliarden Dollar. Das ist mehr als bei BMW, BASF oder Bayer, und das bei einem Unternehmen, das bis Anfang 2021 Quartal für Quartal tiefrote Zahlen geschrieben hatte. Eine Erfolgsgeschichte, sollte man meinen, doch kurz nach dem Börsengang schritt auf einmal der chinesische Apparat ein. Die zuständige Behörde für Cyberspace ordnete an, dass die Didi-App in der Volksrepublik nicht mehr heruntergeladen werden darf. Es seien "schwerwiegende Verstöße" im Umgang mit personenbezogenen Daten festgestellt worden, hieß es.

Nun der nächste Rückschlag: Nicht einmal ein halbes Jahr nach dem Debüt hat das Unternehmen angekündigt, sich von der Börse in New York zurückzuziehen. Es werde stattdessen eine Notierung in Hongkong angestrebt, teilte Didi mit.

Chinesische Firmen sammeln seit vielen Jahren Kapital an der New Yorker Börse ein, immer mehr zum Missfallen der chinesischen Führung, aber auch in den USA sind die Vorbehalte gewachsen. Während Peking Sicherheitsbedenken äußert, wird in den USA die oft mangelnden Transparenz chinesischer Firmen moniert, vor allem bei der Frage, welche Verbindungen zur Kommunistischen Partei bestehen.

Die Aufsichtsbehörden haben zuletzt eine ganze Reihe chinesischer Internetfirmen untersucht. Angefangen hatte es im November 2020 mit der Ant Group. Auch damals stand ein Börsengang an. Wenige Tage vor dem Debüt des Unternehmens in Shanghai und Hongkong griffen die Aufseher durch. Es hätte der größte Börsengang der Welt werden sollen mit Einnahmen in Höhe von 37 Milliarden Dollar. Es wurde der größte Börsengang der Welt, der nie stattgefunden hat, verschoben auf unbestimmte Zeit. Ant-Gründer Jack Ma ist seitdem praktisch aus der Öffentlichkeit verschwunden, zuletzt wurde er mit seiner Yacht vor der Küste Mallorcas gesichtet.

Jahrelang hatten die chinesischen Behörden die heimischen Internetfirmen nahezu unreguliert gelassen. Während Twitter oder Facebook in der Volksrepublik gesperrt sind, wurden im Land hinter der großen Firewall andere Konzerne und Dienste groß: Baidu statt Google, Wechat anstelle von Whatsapp, Alibaba und nicht Amazon. So sehr Peking das Internet abriegelte und politisch unliebsame Meinungsäußerungen unterdrückte, so problemlos konnten Konzerne wie Alibaba, aber auch Didi, in den vergangenen Jahren wachsen und ihre Monopolstellung ausbauen. Sie diktieren die Regeln, wie in China heute Handel betrieben wird, wer auf welchen Plattformen anbieten darf und wer nicht. Damit ist es nun allmählich vorbei.

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