Chevrolet-Rückzug Opel ist wieder allein zu Hause

Bald nicht mehr in Deutschland erhältlich: der Chevrolet Captiva.

Gute Nachrichten für Opelaner: Konzernmutter General Motors zieht die Marke Chevrolet bis 2015 aus Europa zurück. Damit hat Opel einen Konkurrenten weniger. Für GM könnte das noch teuer werden.

Autokäufer haben es nicht leicht: Wer in ein Opel-Haus geht, steht oft vor der Wahl, ob er nun den etwas teureren Opel kaufen soll, oder den Chevrolet, der meist gleich daneben steht. Vergleichbare Technik, aber etwas günstiger. Nicht selten wird dann das günstigere Modell gekauft. Aus Sicht der Konzernmutter General Motors (GM) ist das egal - beide Marken gehören GM. Doch aus Sicht von Opel ist das verheerend. Wer mit einem Chevrolet davonfährt, hat keinen Opel gekauft.

Darum ist es nun ein großer Schritt, den GM auf Opel zugeht: Die Detroiter stellen die Marke Chevrolet in Europa weitgehend ein und stärken damit neben Opel auch die britische Schwestermarke Vauxhall.

GM gebe Chevrolet Ende 2015 in West- und Osteuropa auf, sagte Opel-Aufsichtsratschef Stephen Girsky in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz. "Unser Vertrauen in die Marken Opel und Vauxhall in Europa wächst", begründete er den Schritt.

Geringer Marktanteil

Chevrolet dagegen sei in Europa eine Marke mit einem einprozentigen Marktanteil. Deren Ergebnisse seien nicht zufriedenstellend und die Aussichten auf Besserung gering.

Die finanziellen Belastungen durch den Rückzug bezifferte der US-Konzern auf 700 Millionen bis eine Milliarde Dollar. Die Kosten, die vor allem für Wertberichtigungen, den Umbau des Händlernetzes und Preisabschläge anfallen, sollen im Schlussquartal 2013 und in den ersten drei Monaten 2014 verdaut werden.

Wie sich dies auf das Ziel von Opel auswirkt, bis 2016 die Gewinnzone zu erreichen, blieb zunächst offen. GM nimmt die Belastungen in Kauf, weil man sich angesichts der Dauerkrise in Europa den Aufwand für zwei Volumenmarken nicht mehr leisten will.

Chevrolet kam in den 28 EU-Staaten und den drei Efta-Staaten Schweiz, Island und Norwegen bis November auf einen Marktanteil von 1,2 Prozent. Opel und Vauxhall erreichten in den ersten elf Monaten zusammen 6,7 Prozent.

Für Opel bedeutet der Schritt, dass die Rüsselsheimer Traditionsmarke mit dem Blitz nicht mehr befürchten muss, Kunden an den billigeren internen Konkurrenten zu verlieren. Erst kürzlich hatte der amerikanische Mutterkonzern Opel-Strategiechef Thomas Sedran an die Spitze von Chevrolet gehievt, um Wachstumsmöglichkeiten für die Opel-Schwestermarke auszuloten.

Nun kam die GM-Führung zu dem Schluss, dass die amerikanische Traditionsmarke angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation in Europa keine Chance habe. Während sich Chevrolet aus West- und Osteuropa zurückziehen soll, soll die Marke Cadillac als Konkurrent gegen die Oberklasseautobauer BMW, Daimler und Audi aufgebaut werden.

In Russland und den GUS-Staaten soll Chevrolet weiter verkauft werden, da die Marke dort stärker gefragt ist als in Westeuropa. Girsky sagte, die Entscheidungen seien unabhängig von der Allianz mit Peugeot getroffen worden. GM arbeitet bei Einkauf, Logistik, Entwicklung und Produktion von Autos mit dem angeschlagenen französischen Autobauer zusammen, der einen Partner sucht. Nachdem der US-Konzern in den vergangenen Monaten mehrfach Spekulationen über einen engeren Zusammenschluss mit Peugeot zurückgewiesen hatte, bandeln die Franzosen nun mit dem chinesischen Autobauer Dongfeng an.