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Center Parcs:Ferienparadies in Geldnot

Center Parc

Künstliche Ferienwelten versuchen Familien zu locken. Hier der Center Parcs-Ferienpark in Soltau.

(Foto: Manfred Vornholt/dpa)

Der französische Mutterkonzern von Center Parcs steckt finanziell in der Klemme. Was bedeutet das für die geplanten Parks in Bayern und an der Ostsee?

Von Leo Klimm, Paris, Clara Lipkowski und Uwe Ritzer, Nürnberg

Beide Flächen liegen brach. Beide wurden früher militärisch genutzt: Das Areal auf der Halbinsel Pütnitz an der Ostsee diente einst als Flughafen, jenes in Langlau im fränkischen Seenland als Munitionsdepot. An beiden Standorten plant das Unternehmen Center Parcs Freizeitanlagen, es will dafür mehr als eine halbe Milliarde Euro investieren. In Mecklenburg-Vorpommern hält sich der Protest gegen das Projekt in Grenzen, in Franken jedoch tobt seit Monaten ein erbitterter Streit. Der erhält nun neue Nahrung. Denn der französische Center-Parcs-Mutterkonzern Pierre et Vacances steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten.

Aus Geldnot infolge der Corona-Krise flüchtet das Unternehmen in ein Schutzschirmverfahren: Das Pariser Handelsgericht hat diese Woche Vergleichsverhandlungen mit den Gläubigern angeordnet. Ob Center Parcs unter diesen Umständen die geplanten Anlagen in Deutschland finanzieren kann, erscheint zumindest fraglich.

"Die Projekte werden geprüft"

"Unsere Projekte in Deutschland werden weiter geprüft", sagt eine Konzernsprecherin in Paris auf Anfrage. Sie will sich allerdings nicht festlegen, ob die Projekte am fränkischen Brombachsee und in Pütnitz tatsächlich noch umgesetzt werden. Bislang gibt es hierzulande sechs Center Parcs.

Der deutsche Markt zählt, ebenso wie Skandinavien, zu den strategischen Prioritäten von Pierre et Vacances. Schon lange vor der Corona-Krise lief es bei dem börsennotierten Pariser Konzern, der mit 12600 Mitarbeitern 282 Anlagen in Europa betreibt, nicht wirklich rund. Seit neun Jahren schreibt die Firma Verluste. Wegen der Pandemie hat sich die Lage dramatisch verschärft. Im vergangenen Jahr stand nach einem Umsatzeinbruch auf 1,3 Milliarden Euro ein Verlust von 336 Millionen Euro zu Buche. Und es besteht keine Aussicht auf schnelle Besserung: In den Kernmärkten Frankreich, Deutschland und Belgien sind die Parks derzeit geschlossen. Nur in den Niederlanden können Feriendörfer betrieben werden.

Mietrückstände

Die Not wird durch das besondere Geschäftsmodell von Pierre et Vacances noch verschlimmert. Die Firma verkauft ihre Ferienwohnungen erst an Anleger und mietet sie dann zurück. Während nun einerseits die Einnahmen ausbleiben, muss das Unternehmen auf der anderen Seite Mieten an etwa 20000 Eigentümer überweisen. Offenbar kann Pierre et Vacances diese Mieten nicht mehr vollständig zahlen; mehrere Sammelklagen und Einzelklagen wurden deshalb schon gegen das Unternehmen eingereicht.

Mitten in dieser Krise wechselte der 83-jährige Firmenpatriarch Gérard Brémont kürzlich auch noch den Vorstandschef aus. Bis spätestens Ende Juni muss der neue Mann, Franck Gervais, einen Weg aus der Finanzklemme gefunden haben - so lange läuft das Schutzschirmverfahren längstens. Die angestrebte Restrukturierung der Schulden allein wird aber nicht reichen, ebenso wenig wie eine vom französischen Staat gewährte Kreditbürgschaft in Höhe von 240 Millionen Euro. Um sich zu retten, verhandelt Pierre et Vacances daher mit Investoren über eine Kapitalspritze. Pariser Medien zufolge sind 250 Millionen Euro nötig. Brémond, der das Unternehmen 1967 gegründet hat, könnte dabei die Kontrolle über die Firma verlieren. Verkäufe, etwa von Center-Parcs in Deutschland, stünden "nicht auf der Tagesordnung", so die Sprecherin.

Demonstrative Zuversicht

Beim deutschen Konzernableger gibt man sich unterdessen betont zuversichtlich. Die Planungen für die Anlagen in Franken und in Mecklenburg-Vorpommern liefen weiter, sagt Jan Janssen, Entwicklungsleiter von Center Parcs Deutschland. Das Verfahren in Frankreich ändere nichts an den Expansionsplänen oder am Betrieb bestehender Freizeitanlagen. Jede Anlage habe eigene finanzielle Strukturen.

Janssen glaubt, dass die Geschäfte aufblühen, sobald die Pandemie kontrollierbar sei. Dann wollten die Kunden vor allem Nah-Urlaub in Deutschland machen. Das habe schon die Zeit zwischen den Lockdowns gezeigt, in denen die Parks ausgebucht gewesen seien.

Allerdings: Bleiben die Planungen für die neuen Anlagen bestehen, so bleibt auch der Protest gegen den Center Parc am Brombachsee. Bei Pierre et Vacances weiß man, dass solcher Protest sogar zur Aufgabe eines Projekts führen kann. In Roybon, am Fuß der französischen Alpen, verzichtete das Unternehmen im vergangenen Sommer auf den Neubau einer Freizeitanlage. Vorangegangen waren dreizehn Jahre Widerstand durch Umweltaktivisten.

© SZ
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