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Altersvorsorge:Caritas-Kasse kürzt Bezüge drastisch

Caritas Einrichtung in Rosenheim neben der Gaborsporthalle Kunst Kugel Hände Kunstwerk Weltkugel

Der Caritasverband ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands.

(Foto: imago/M.Zettler)
  • Der Pensionskasse der Caritas fehlen 122,8 Millionen Euro. Nun sollen Versicherten die Bezüge gekürzt werden.
  • Ein Grund dafür sind die anhaltenden Niedrigzinsen. Doch auch teils haarsträubende eigene Fehler sollen zu der riesigen Deckungslücke beigetragen haben.
  • Betroffen sind insgesamt 55 000 Rentner und Anwärter.

Schick sieht es aus, das Haus an der Dürener Straße in Köln, wo die Pensionskasse der Caritas residiert. Es hat sanfte Rundungen, die Fassade ist gläsern, innen wie außen ist das Gebäude gediegen, aber nicht protzig, wie es sich gehört für ein Unternehmen, das Zusatzversicherungen für den katholischen Sozialträger anbietet, einen der größten Arbeitgeber Deutschlands: Es soll Vertrauen wecken und Solidität vermitteln, im Rahmen der christlichen Bescheidenheit natürlich. Olaf Keese, der Vorstandsvorsitzende, sagt jedoch trocken: "Das kostet." Die Glasfront frisst im Sommer teuren Klimaanlagenstrom, und jeder überflüssigerweise ausgegebene Euro ist einer zu viel.

Die Caritas-Pensionskasse ist nämlich in höchster Finanznot. Das Geschäftsjahr 2017, das jetzt erst abgeschlossen werden konnte, weist ein Minus von 142,5 Millionen Euro aus, davon sind 122,8 Millionen Euro nicht durch Eigenkapital gedeckt. Vor ziemlich genau einem Jahr, am 11. Mai 2018, verbot die Aufsichtsbehörde Bafin der Kasse die Aufnahme von Neukunden, weil sie der damals vorgelegte Sanierungsplan "unzureichend" fand. Am 8. August hat sie gar die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb widerrufen. Dagegen klagt die Pensionskasse vor dem Verwaltungsgericht Frankfurt. Seit dem 1. Januar ist Keese der neue Chef, als Aufräumer und Retter. Bei der mit der Caritas-Kasse eng verbundenen Kölner Pensionskasse mit 30 00 Mitgliedern sieht die Lage nicht besser aus.

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Am Mittwoch und Donnerstag haben nun die Mitglieder-Vertreterversammlungen der beiden Kassen einem Sanierungskonzept zugestimmt, das für die Versicherten deutliche Leistungskürzungen bedeutet. Bei der Caritas-Pensionskasse betragen sie insgesamt 122,8 Millionen Euro, bei den Kölnern 48,3 Millionen Euro. Im Durchschnitt ist das eine Kürzung von fast 20 beziehungsweise mehr als zwölf Prozent für die insgesamt 55 000 Rentner und Anwärter. Welche Kürzung dem Einzelnen ins Haus steht, muss noch individuell berechnet werden.

Fest steht, dass sie für die Rentner ab dem 1. Januar 2020 kommen; für die Anwärter wird die Rentenanwartschaft rückwirkend zum 1. Januar 2018 reduziert. "Für die meisten Zusatzversicherten wird der Dienstgeber einspringen", sagt Keese. Für manche aber, die als Selbständige eingezahlt haben oder deren Arbeitgeber nicht mehr existiert, bedeuten die Kürzungen tatsächlich Einschnitte in der Zusatzrente, in die sie im schlimmsten Fall viele Jahre eingezahlt haben. "Es gab keine andere Wahl", sagt Keese. So hätten das auch die Versicherten-Vertreter gesehen und dem Konzept einstimmig beziehungsweise bei der Kölner Pensionskasse bei einer Gegenstimme zugestimmt. Dies sei "entscheidend für die Sicherheit der Versicherungsleistungen".

Die traurige Geschichte der beiden Kassen, die in der Branche zu den kleineren Anbietern zählen, ist zum Einen die Geschichte aller Pensionskassen, denen es umso schlechter geht, je länger weltweit die Zinsen niedrig sind. 45 der 137 deutschen Pensionskassen stehen unter der erweiterten Aufsicht der Bafin, teilte das Bundesfinanzministerium im vergangenen Juli auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hin mit. Davon hätten 27 Kassen in den vergangenen zehn Jahren ihre Verrentungsfaktoren zulasten der Mitglieder verändert. Auch die große kirchliche Zusatzversorgungskasse KZVK mit 1,2 Millionen Verträgen hatte 2015 ein Loch von sieben Milliarden Euro, das aber durch eine grundlegende Reform und mit einer neuen Aufsichtsstruktur geschlossen werden konnte.

Ein Fehler sei sehr lange unentdeckt geblieben

Bei der Caritas-Pensionskasse haben jedoch, wie es in Caritas-Kreisen heißt, teils haarsträubende eigene Fehler zu der riesigen Deckungslücke beigetragen. Offenbar ging der alte Vorstand mit viel zu optimistischen Annahmen über die Zinsentwicklung und die künftige Altersstruktur der Versicherten durch die Jahre und hoffte, dass die Zeiten irgendwie besser würden. Schon 2006 habe es einen Fehler bei der Formel gegeben, mit der die Chancen und Risiken einer Versicherung hochgerechnet werden, aus der sich dann Beiträge, Rückstellungen und Auszahlungen ergeben. Dieser Fehler sei sehr lange unentdeckt geblieben. Und dann hätte es, durchaus nicht untypisch für kirchliche und kirchennahe Betriebe, ein zu großes Vertrauen zwischen Vorstand, Risikomanagement und Revision gegeben. Offenbar prüft die Caritas-Pensionskasse jetzt, ob und gegen wen sie Schadensersatzansprüche stellen könnte.

Keese möchte, angesprochen auf diese Informationen, nicht ins Detail gehen. Er dementiert aber auch nicht, dass schwere Fehler gemacht worden sind. Er schließt jedoch aus, dass es jetzt noch verborgene Risiken geben könnte: Das Sanierungskonzept, erarbeitet in enger Abstimmung mit der Bafin, beruhe auf "einer intensiven Analyse der wirtschaftlichen Situation und der Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre", heißt es in der Pressemitteilung der Pensionskasse zu dem Kürzungskonzept.

Die Zusatzrenten sind nun sicher, betont Keese. Nur die Kasse selber wird künftig kleiner und kleiner werden, bis der letzte Pensionsempfänger stirbt. Keine schöne Perspektive für die Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten hart gearbeitet haben. Vielleicht gibt es ja eine Marktlücke, heißt es in dem Unternehmen - mit der Restrukturierung einer Zusatzversorgungs-Kasse habe man jetzt Erfahrung. Die könnten bald auch andere Kassen benötigen.

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