Buchmarkt:Die E-Book-Rabatte spielen eine entscheidende Rolle

In Wahrheit, daran zweifelt niemand, hat es Amazon auf mehr abgesehen als höhere Profite. Amazon will die Verlagslandschaft neu organisieren, will außer Händler auch Verleger sein und die Verlage überflüssig machen. Vor Jahren schwor Bezos seine Firma darauf ein, kleine Verlage "zu behandeln wie ein Gepard eine kränkliche Gazelle". Nun sind auch die großen dran.

So wenig plausibel es zunächst klingt: Die E-Book-Rabatte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Der Autorenanteil bemisst sich bei E-Books traditionell nicht am End-, sondern am Großhandelspreis. Je niedriger also der Einkaufspreis für Amazon ist, desto weniger verdient der Autor. Amazon, dessen eigener E-Book-Verlag nach völlig anderen Prinzipien funktioniert, beteiligt seine E-Book-Autoren hingegen mit bis zu 70 Prozent an den Umsätzen.

"Je schlechter also - dank Amazons Forderungen - die Konditionen für Autoren der Verlage werden, desto eher werden sie versucht sein, ihre Bücher bei Amazon zu veröffentlichen", so der Berliner Literaturagent Matthias Landwehr. Amazon wolle den alten Verlagen die Autoren abjagen. Die letzten Zweifel daran räumte Amazon kürzlich selbst aus, als es Hachette ein vergiftetes Angebot machte: Beide Seiten sollten 100 Prozent der E-Book-Einnahmen den Autoren überlassen. Das könnte sich Amazon leisten, Hachette nicht.

Mit dem Verlagseinstieg könnte sich der Buchmarkt verändern

Auf Amazons Ambitionen deuten auch die Forderungen an britische Verlage hin. Denen versucht Amazon, nicht nur immer mehr Gebühren abzupressen - etwa für gute Plätze in der Empfehlungsliste - , sondern auch das Recht, Bücher, die nicht sofort geliefert werden können, selbst zu drucken. Amazon-Chef Bezos will die ihm verhassten Mittelsmänner aus dem Weg räumen, weil er so alle Einnahmen behalten kann. Er will die Daten, die die Firma über jeden Kunden angehäuft hat, schon bei der Herstellung, nicht erst beim Verkauf von Produkten nützen. Und vielleicht glaubt er wirklich daran, dass vermeintlich elitäre Qualitätskontrolleure wie Verlage Kreativität behindern, wie er behauptet.

Im nun anhebenden Wehklagen der Buchbranche ist viel Heuchelei, auch in Deutschland: Jahrelang arbeiteten die Verlage gern mit Amazon zusammen, während sie noch gegen die Hugendubels und Thalias kämpften. Der Buchhandel wiederum brüstete sich mit seinem hervorragenden Bestellsystem.

Das Aberwitzige ist, dass Amazon sich beim Kampf mit den Verlagen auf Demokratie, Offenheit und Wettbewerb beruft, während es sich eine Marktstellung erkämpft, wie sie Staatsbetriebe im Sozialismus hatten. An den Auseinandersetzungen mit Hachette, Bonnier und - vielleicht - Simon & Schuster könnte sich die Zukunft des Buchs entscheiden. Wenn diese Verlage einknicken, werden die anderen kaum Widerstand leisten können.

© SZ vom 17.07.2014/fie
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