Ski- und Modeunternehmen:Phillipp Lahm will bei Bogner einsteigen

Philipp Lahm

Philipp Lahm will zusammen mit einer Bietergruppe die Modefirma Bogner übernehmen.

(Foto: Andreas Gebert/dpa)
  • Der Fußballer Philipp Lahm ist Teil eines Investorenkonsortiums, das den Modekonzern Bogner übernehmen will.
  • Die Bietergruppe möchte für Bogner offenbar zwischen 250 und 300 Millionen Euro zahlen.
  • Für das Familienunternehmen gibt es keinen Nachfolger.

Von Caspar Busse

Philipp Lahm, 31, hat als Fußballer nahezu alles erreicht. Im vergangenen Jahr ist er als Kapitän mit der Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister geworden. Mit dem FC Bayern München feierte er vor zwei Jahren als Kapitän den Gewinn der Champions League, und er ist ziemlich oft Deutscher Meister und Pokalsieger geworden. Eine stolze Bilanz. Nicht ausgeschlossen ist, dass er nach dem Ende seiner aktiven Karriere einmal im Management vom FC Bayern München anfangen wird. Wirtschaft ist offenbar ein Thema für Lahm: Erst Anfang des Jahres ist er als Gesellschafter bei Sixtus eingestiegen, einem oberbayerischen Hersteller von Sportpflegeprodukten.

Nun interessiert sich der Fußballer Lahm auch für ein Engagement beim Münchner Modekonzern Bogner. Wie es aus Branchenkreisen heißt, ist der Weltmeister Teil des Investorenkonsortiums, das sich derzeit um die Übernahme der Traditionsfirma bemüht. Gelenkt wird die Bietergruppe den Informationen zufolge von Bernd Beetz, dem ehemaligen Chef des weltgrößten Parfümherstellers Coty, sowie der BHF-Bank. Mit dabei ist auch der chinesische Finanzinvestor Fosun, der wiederum bei der BHF-Bank engagiert ist. Es ist ein ziemlich illustrer Kreis für eine nicht weniger berühmte Marke: Neben Lahm sind offenbar mehrere vermögende Privatpersonen an Bord, dazu zählt dem Vernehmen nach auch der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche. Organisiert wird das ganze Geschäft von der Investmentbank Goldman Sachs, die bereits im vergangenen Sommer den Auftrag für eine Käufersuche für Bogner erhalten hat.

Verkauf statt Börsengang

Doch seitdem geht es nur schleppend voran. Der bisherige Eigentümer und Firmenchef Willy Bogner, 73, hatte zunächst ziemlich hohe Preisvorstellungen, doch die ließen sich nicht realisieren. Das Konsortium um Beetz, Lahm und Zetsche bietet angeblich derzeit einen Preis zwischen 250 und 300 Millionen Euro, mit ihm laufen offenbar die Gespräche. Früher war auch einmal der Finanzinvestor Permira interessiert, der sich gerade mit einem durchaus ansehnlichen Gewinn beim Modekonzern Hugo Boss zurückgezogen hatte. Wann und ob endlich ein Abschluss kommt, ist offen. Ursprünglich galt der Juni einmal als wahrscheinlicher Termin für die Unterzeichnung eines Vertrags.

Bogner ist eine der bekanntesten Sport- und Modemarken Deutschlands. Das Unternehmen stattet unter anderem seit den Spielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen die deutsche Winter-Olympiamannschaft aus. Gegründet wurde die Firma 1932 in einem Münchner Hinterhof, und sie gehört bis heute den Bogners. Willy Bogner war zunächst ein erfolgreicher Skifahrer und trat 1970 in das Unternehmen seines Vaters ein. Er baute es zu einem international tätigen Sport- und Modeanbieter aus. Gleichzeitig machte er als Regisseur und Produzent eine ganze Reihe von spektakulären Sportfilmen. Auch seine Frau Sonia ist als Designerin im Vorstand tätig. Doch in der Familie gibt es keinen Nachfolger für Willy Bogner. Dieser spielte deshalb zunächst mit dem Gedanken eines Börsengangs, dann entschloss er sich aber für die Einleitung eines Verkaufsprozesses.

Das Problem bisher: Die Firma ist stark auf Willy Bogner zugeschnitten. Zuletzt hatte Bogner einen Umsatz von 240 Millionen Euro gemeldet, ohne Lizenzerlöse waren es 188 Millionen Euro mit knapp 900 Mitarbeitern. Es gibt derzeit etwa 80 Bogner-Geschäfte weltweit, davon werden 18 selbst geführt. Sehr zu leiden haben die Münchner unter der Krise in Russland. Dort war die Marke Bogner traditionell beliebt, doch die Wirtschaftskrise wirkt sich negativ aus. Was Adidas für den Fußball ist, ist Bogner für den Skisport, hieß es einmal. Mit Fußball kennt Philipp Lahm sich ja aus, mit Bogner vielleicht bald auch.

© SZ vom 19.06.2015/kabr
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