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Boeing vs. Airbus:Rechthaberei in den Lüften

Milliardenaufträge und jede Menge Arbeitsplätze: Amerika und Europa gefährden mit ihrem Streit um Subventionen die Flugzeugindustrie - sie sollten sich endlich aus ihren Gräben bewegen.

Alexander Hagelüken

Es geht um Hochtechnologie, Milliardenaufträge und hunderttausende von Arbeitsplätzen. Es geht auch um zwei Wirtschaftsmächte, die sich gegenseitig ausstechen wollen - und um einen Konflikt, der beiden Seiten schwer schaden kann. Der transatlantische Streit um Hilfen für die Luftfahrtindustrie erreicht mit dem vorläufigen Urteil der Welthandelsorganisation WTO seinen Gipfel.

Airbus, AP

Ein Model des Airbus A350 in Toulouse. Die ersten Auslieferungen sind für 2013 geplant.

(Foto: Foto: AP)

Die USA und Europa sollten sich miteinander verständigen, bevor es zu spät ist. Dafür steht zu viel auf dem Spiel - die gutbezahlten Jobs in einer Zukunftsbranche ebenso wie die Weltkonjunktur, die von Strafzöllen erheblich getroffen würde.

Der Kern des größten WTO-Falls aller Zeiten: Im Flugzeugbau gibt es eine schlechte Tradition staatlicher Alimentierung. Bei Boeing rätseln Fachleute seit Dekaden, wie viel Rüstungsgelder für zivile Flugzeuge zweckentfremdet wird. Und Airbus entstand vor vier Jahrzehnten aus rein politischen Gründen. Europa wollte unbedingt Flugzeuge bauen, um diese Spitzentechnologie nicht allein den USA zu überlassen.

Seitdem saugen sich die beiden Konkurrenten mit den Milliarden der Steuerzahler voll. Wie immer bei Subventionen wurde das zu einer Gewohnheit, von der keiner mehr lassen will, auch wenn beide Konzerne längst ohne teure Hilfe auskämen. Diese nahm Ausmaße an, dass sich schon vor dem endgültigen WTO-Urteil sagen lässt: Alle Regierungen verstoßen gegen das internationale Handelsrecht - in Europa wie Amerika.

Es war der frühere US-Präsident George W. Bush, der den Konflikt schließlich auf eine Ebene hob, auf der alles leicht außer Kontrolle gerät. Rechthaberisch verklagte Bush vor fünf Jahren Europa und Airbus bei der WTO.

Boeing wie Airbus leben seither in der Unsicherheit, ob sie künftig überhaupt noch mit Subventionen rechnen können - oder gar Milliardensummen zurückzahlen müssen. Eine solche Unsicherheit ist Gift für ein fragiles Geschäft wie den Bau von Flugzeugen, die erst nach Jahren der Entwicklung auf den Markt kommen.

Die Europäer kommen nur gemeinsam voran

In der Ära nach Bush sollten sich Europäer und Amerikaner darauf besinnen, dass sie nur gemeinsam vorankommen. Nötig ist ein Abkommen, das die Hilfen für die Branche auf nahe Null reduziert und klare Regeln vorgibt.

Das wäre für die Steuerzahler günstiger und würde es Boeing und Airbus erlauben, sich auf technische Innovationen zu konzentrieren, statt sich in juristischen Attacken zu verzetteln. Denn in diesem Subventionsstreit kann es keinen Sieger geben, der Kampf um die Marktführerschaft lässt sich so nicht entscheiden.

Ein solches Abkommen könnte Strafzölle verhindern, die nur zerstörerische Kraft entfalten würden. Wenn der Konflikt aber weiter eskaliert, wird die WTO sowohl den USA wie der EU gestatten, auch den Export von Autos, Stahl oder Roquefort-Käse zu behindern. Das könnte der Auslöser eines transatlantischen Handelskrieges werden, der die krisengeschüttelte Konjunktur weiter schwächt. Es wäre ein Rückfall in den Protektionismus, den die westlichen Regierungen seit Monaten zu verhindern suchen.

Es gibt einen weiteren Grund, warum sich Europäer und Amerikaner aus ihren Gräben bewegen sollten: Sie werden ihr Monopol beim Flugzeugbau verlieren. Mit der neuen Konkurrenz aus Asien aber wird es nur einen fairen Wettkampf geben, wenn EU und USA untereinander halbwegs einig sind.

In China entstehen nun ebenfalls Flugzeuge - von staatlichen Firmen mit staatlicher Förderung. Dieser doppelten Wettbewerbsverzerrung können die westlichen Staaten nur begegnen, wenn sie selber glaubwürdig ihre Hilfen beschneiden, statt sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen.

Die Zukunft von Boeing und Airbus ist eine politische Anstrengung wert: Zusammen beschäftigen die Konzerne achtmal so viele Menschen wie Opel, auf dessen Rettung die Bundesregierung seit Monaten so viel Kraft verwendet.

© SZ vom 05./06.09.2009/afi/mel

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