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Airbus und Boeing:Der dreißigjährige Handelskrieg

Airbus oder Boeing - wer bekommt mehr unfaire Hilfe vom Staat? Am Freitag entscheidet die WTO. Verlieren könnten beide Seiten.

J. Flottau u. A. Hagelüken

Die Schlacht zweier Flugzeugbauer beschäftigt die Weltwirtschaft seit drei Dekaden. Seit den siebziger Jahren, als der von EU-Staaten gegründete Airbus-Konzern begann, dem bereits im Ersten Weltkrieg gegründeten amerikanischen Marktführer Boeing das bis dahin lukrative Leben zu erschweren. Seither streiten sich die zwei Konzerne mit zusammen mehr als 200.000 Beschäftigten darüber, wer unfaire Hilfen vom Staat bekommt - und deshalb mehr Flugzeuge verkauft.

Airbus, Foto: AP

Seit drei Dekaden streitet Airbus mit Boeing. Die Frage: Wer bekommt unfaire Hilfe vom Staat - und verkauft daher mehr Flugzeuge?

(Foto: Foto: AP)

An diesem Freitag steuert der dreißigjährige Handelskrieg der Luftgiganten auf ein vorläufiges Ende zu, wenn die Welthandelsorganisation WTO entscheidet. Anders als beim historischen Vorbild, das 1648 mit dem Westfälischen Frieden endete, ist eine endgültige Lösung nicht in Sicht. Dabei steht viel auf dem Spiel: Unter anderem geht es dar- um, ob ein Konkurrent den anderen auf Dauer abhängen kann - oder beide so geschwächt werden, dass ein neuer Rivale etwa aus Asien die Führung übernimmt.

Schon 1979 sollte ein Abkommen klären, unter welchen Bedingungen Regierungen bei der teuren und langwierigen Entwicklung von Flugzeugen helfen dürfen, die das Geschäft von anderen Industriezweigen unterscheidet. Doch immer wieder flammte Streit auf. Platzhirsch Boeing registrierte mit Ingrimm, wie Nachzügler Airbus seinen Anteil bei zivilen Flugzeugen von 30 auf 50 Prozent ausbaute. "Ich will nicht nächsten Mittwoch aufwachen und erfahren, dass Airbus mit Staatshilfen ein neues Flugzeug baut", polterte im September 2004 der damalige Boeing-Chef Harry Stonecipher.

Lokale Steuervergünstigungen

Er schaffte es, die US-Regierung zu einer Klage gegen Airbus und die Europäische Union zu bewegen. Mindestens 15 Milliarden Euro hätten die EU-Staaten an Airbus gezahlt, so der Vorwurf. Europa konterte mit einer Gegenklage und der Beschwerde, die USA päppelten Boeing mit Subventionen von 24 Milliarden Dollar, die teils bis zum Jahr 2024 liefen.

Wenn die WTO am Freitag die erste Entscheidung im Subventionsstreit fällt, ist damit nicht alles klar. Es handelt sich zunächst nur um den Airbus-Fall, die Entscheidung über die Subventionen für Boeing folgt erst in etwa einem halben Jahr. Wahrscheinlich bestraft die WTO beide Seiten.

Airbus könnte Probleme mit dem Friedensabkommen von 1992 bekommen, wonach das Fördervolumen grundsätzlich im Laufe der Zeit sinken soll. Das ist nicht geschehen, denn auch für den neuen Airbus A 350XWB hat der Hersteller rückzahlbare staatliche Darlehen beantragt, wie er sie bei allen Flugzeugen seit 1992 erhalten hat. Boeing wiederum dürfte Schwierigkeiten bekommen, die Vielzahl von lokalen und regionalen Steuervergünstigungen und Forschungshilfen zu rechtfertigen. "Die Boeing 787 ist das am höchsten subventionierte Flugzeug in der Geschichte der Luftfahrt", behauptet EADS-Chef Louis Gallois.

Fachleute schätzen, dass eine Einigung für beide Seiten das Beste wäre, aus mehreren Gründen. Wenn die WTO-Entscheidungen gültig werden, könnten beide Flugzeugbauer viel Geld verlieren, die risikoreiche Planung neuer Flugzeuge wird unsicherer. Außerdem dürfte der Schiedsrichter WTO Europa wie Amerika das Recht zu Handelssanktionen gegen den jeweils anderen geben, etwa zu Strafzöllen auf Exportprodukte, das wäre eine Belastung für die wacklige Weltkonjunktur.

Ein Kompromiss würde auch helfen, weil Airbus und Boeing einen immer größeren Anteil der Entwicklung und der Produktion an Zulieferer weltweit vergeben, die von den derzeitigen Subventionsregeln nicht erfasst sind. Das Ganze ist so komplex, dass das dreißigste Jahr des Handelskriegs von Boeing und Airbus wohl nicht das letzte sein wird.

© SZ vom 03.09.2009/tob

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