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Militärflugzeug A400M:Der Pannen-Airbus

Das Militärflugzeug Airbus A400M bekommt eine letzte Chance. Das erscheint bei all den Pannen erstaunlich, doch es bestand keine Alternative.

Jens Flottau

Es war nicht anders zu erwarten. Die sieben betroffenen europäischen Verteidigungsminister haben am Freitag beschlossen, dem Flugzeugbauer Airbus und dem um mindestens drei Jahre verzögerten Militärtransporter A400M eine letzte Chance einzuräumen.

In den nächsten sechs Monaten sollen die Kunden nun mit dem Hersteller einen Vertrag aushandeln, der einen neuen Zeitplan festlegt und die finanziellen Bedingungen neu regelt.

Sie haben in Wirklichkeit keine andere Wahl. Es ist unbestritten, dass die Luftwaffen Deutschlands, Frankreichs oder Großbritanniens gerade angesichts ihrer mehr und mehr zur Normalität werdenden internationalen Einsätze wie in Afghanistan ein neues Transportflugzeug brauchen.

Es gibt kein wirkliches Konkurrenzprodukt zur A400M; deswegen ist die Frage, warum die europäischen Verteidigungsminister denn nicht in den USA bei Boeing oder Lockheed Martin oder in der Ukraine bei Antonow eingekauft haben, rein akademischer Natur.

Und politisch durchsetzbar wäre ein solcher Plan wohl auch nicht, denn damit würde sich Europa dauerhaft aus diesem Geschäft verabschieden und die eigene Verteidigungsindustrie schwächen.

Dass der A400M zum Pannen-Airbus wurde, daran haben alle Beteiligten Schuld. Airbus hat sich mit dem Projekt technologisch übernommen und muss nun fürchten, damit niemals Geld zu verdienen.

Aber auch die beteiligten Länder haben zu dem Desaster beigetragen: Sie haben immer neue, schwer erfüllbare technische Forderungen gestellt und haben gleichzeitig die Produktionsaufträge nach politischem Proporz vergeben. Das konnte nicht gut gehen und sollte Lehre für die Zukunft sein.

© SZ vom 25.07.2009/pak

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