Chemieindustrie:BASF kommt bei Klimazielen voran

Chemieindustrie: Was passiert, wenn sich China Taiwan einverleibt? Der BASF-Chef Martin Brudermüller schließt das "Horrorszenario" nicht aus.

Was passiert, wenn sich China Taiwan einverleibt? Der BASF-Chef Martin Brudermüller schließt das "Horrorszenario" nicht aus.

(Foto: Uwe Anspach/AFP)

Die Treibhausgas-Emissionen beim weltgrößten Chemiekonzern sinken. Vorstandschef Martin Brudermüller plagen allerdings ganz andere Sorgen.

Von Elisabeth Dostert, Berlin

Er habe schon lange nicht mehr gehört, dass jemand im Konzern die Frage stellte: "Spinnt der?" So lautete der Titel eines Interviews, das BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller der Wochenzeitung Die Zeit im Herbst 2021 gegeben hatte. In dem Interview ging es um die Klimaziele des Konzerns, und wie er sie erreichen wolle. Als er die Transformation angestoßen habe, erzählte Brudermüller damals, habe es viele Skeptiker im Unternehmen gegeben: "Ingenieure, die mit den Augen gerollt haben: Spinnt der?" Der Titel habe ihm gefallen, erzählt Brudermüller in Berlin.

Er will, wenige Monate bevor seine Amtszeit als Vorstandschef der BASF im April endet, Bilanz ziehen über eines seiner wichtigsten Vorhaben. "Wir sind auf gutem Weg", sagt der Manager. Mittlerweile gebe es einen richtigen Wettbewerb zwischen den Standorten des Konzerns, wer den größten Beitrag zur Transformation liefere.

Seit Mai 2018 führt Brudermüller den Konzern. Sechs Monate ließ er sich damals Zeit, um dann im November 2018 zu erklären, was er vorhat. Als erster BASF-Vorstandschef verpasste er dem Konzern, der zu den größten Emittenten von Treibhausgasen in Deutschland zählte und immer noch zählt, ein Klimaziel. Vom Jahr 2018 an wolle BASF seine Treibhausgasemissionen auf dem Niveau von 2018 konstant halten, also die Emissionen, die in der eigenen Produktion und der Erzeugung von Dampf, Kälte oder Wärme entstehen (Scope 1 und 2). 1990 lagen die Emissionen bei 40,1 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten, das Gros davon ist Kohlendioxid (CO₂), 2018 bei knapp 22 Millionen Tonnen.

Im Frühjahr 2021 legte Brudermüller nach. Bis 2030 wolle BASF seine Emissionen um ein Viertel im Vergleich zu 2018 senken und vom Jahr 2050 an klimaneutral sein. Klimaneutral heißt für BASF: Netto-null-Emission. Es heißt nicht, dass BASF keine Treibhausgase mehr emittiert. Neutral heißt: Die Bilanz soll ausgeglichen sein. 2022 lagen die Emissionen bei 18,4 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. 2030 sollen es 16,6 Millionen Tonnen sein, ohne organisches Wachstum wäre man dann schon bei zehn Millionen Tonnen. Aber BASF will ja wachsen, auch wenn es gerade nicht so gut läuft. An der Börse kostet das Papier gut 43 Euro.

In der Transformation zu Netto-null werde BASF nicht nachlassen, sagt Brudermüller. Auch seine Nachfolger oder seine Nachfolgerin nicht. Ein Spaziergang werde es nicht.

An einer Frage kommt Brudermüller nicht vorbei, wenn es um Chancen und Risiken des Konzerns geht. Die Frage lautet: Was passiert, wenn sich China Taiwan einverleibt? "Taiwan ist immer das Killerargument", sagt Brudermüller. Im chinesischen Zhanjiang baut BASF gerade für zehn Milliarden Euro einen neuen Verbundstandort. Er könne das "Horrorszenario" nicht ausschließen, aber: "Wir schätzen das Risiko einer militärischen Konfrontation als extrem nieder ein."

Das "superprofitable" Geschäft und das Wachstum in China habe geholfen, eine BASF zu schaffen, die Transformation überhaupt schultern könne. Ohne die China-Ergebnisse lasse sich das, was BASF in Europa plane, gar nicht finanzieren. "Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wir verlieren das gesamte China-Geschäft, den neuen Standort plus das, was wir haben", sagt Brudermüller. Man habe sich das angeschaut, gerechnet. "Die BASF wird es überleben, aber das ist dann eine BASF, die kleiner ist und deutlich weniger profitabel."

Brudermüller stellt sich andere Fragen: "Was ist das Risiko, in China zu sein, und was ist das Risiko, nicht in China zu sein?" Er liefert die Antwort gleich mit. Der Umsatzanteil von China sei in etwa so hoch wie der von Deutschland. Im Vergleich zur Größe des Landes sei BASF in China unterrepräsentiert. Und der chinesische Markt wachse, während Europa schrumpfe und überreguliert sei. "Wir bewerten das Risiko der BASF, nicht in China zu sein, höher als das Risiko, dort zu sein und zu wachsen."

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa bereiten ihm Sorgen, Brudermüller äußert sie nicht zum ersten Mal. Er ist für einen Industriestrompreis, den es für energieintensive Unternehmen bald geben soll. Lieber wäre ihm allerdings eine Senkung der Netzentgelte und der Stromsteuer, von der dann alle profitierten, auch die Oma mit 480 Euro Rente. BASF wird vom subventionierten Strompreis vielleicht gar nicht so viel haben, denn das Gros seines Stroms stellt der Konzern in eigenen Kraftwerken her.

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