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Jürgen Hambrecht:"Wir können nur über Innovation Punkte machen"

SZ: Ein schärferer Blick auf die Zahlen also. Ist das der Grund, warum der Finanzvorstand Kurt Bock im nächsten Jahr Ihr Nachfolger wird und nicht ein Chemiker?

Hambrecht: Für die BASF haben die Zahlen schon immer eine große Rolle gespielt. Wichtiger aber war, dass wir mehrere Kandidaten hatten, die meine Nachfolge hätten antreten können.

SZ: Was zeichnet Kurt Bock aus?

Hambrecht: Kurt Bock ist ein international erfahrener und besonnener Manager, der die BASF aus vielen Facetten kennt.

SZ: Wo soll Ihr Nachfolger das Unternehmen in zehn oder zwanzig Jahren hingeführt haben?

Hambrecht: Das wird mein Nachfolger entscheiden. Aber Sie können sicher sein: Die BASF wird noch besser werden.

SZ: Sie wachsen besonders in der Spezialchemie, haben zuletzt Ciba erworben und wollen Cognis übernehmen. Warum?

Hambrecht: Weil wir in Deutschland keine billigen Arbeitskräfte haben und auch keine billigen Rohstoffe. Wir können nur über Innovation Punkte machen und gewinnen. Innovation passiert aber dort, wo die Produkte nah am Kunden sind, weil er den unmittelbaren Nutzen sofort erkennt, in der Kosmetik beispielsweise, im Auto oder bei der Verpackung.

SZ: Ihre Wettbewerber machen das anders: Sie gliedern die Spezialchemie aus oder verkaufen sie.

Hambrecht: Wir sind breiter aufgestellt. Unser Geschäft mit Spezialchemie zeigt unterschiedliche Konjunkturverläufe. Das macht die BASF insgesamt stabiler und weniger zyklisch.

SZ: Und trotzdem hat die Krise Sie ganz schön gebeutelt.

Hambrecht: Wenn alle am Boden liegen und die gesamte produzierende Industrie einbricht, trifft das selbstverständlich auch uns.

SZ: Was werden Sie denn noch kaufen, um die Abhängigkeit von Konjunkturschwankungen zu verringern?

Hambrecht: Mit diesem Thema beschäftigt sich die BASF auch in Zukunft, wenn ich nicht mehr an der Spitze stehe.

SZ: Sie gehen bald in Rente. Können Sie überhaupt abschalten?

Hambrecht: Ja, ausgezeichnet. Ich habe noch viel zu tun und jede Menge eigene Projekte, die ich voranbringen will.

SZ: Behalten Sie ein Büro bei BASF?

Hambrecht: Ich werde der BASF verbunden bleiben, ohne mich ins Tagesgeschäft einzumischen.