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Niedrigere Preise:Was die Bahn jetzt anders machen will

Bundesautobahn A3 neben der ICE Hochgeschwindigkeitstrasse Neustadt Wied 18 08 2019 *** Federal

Ein ICE neben der A3 bei Neustadt, Wied

(Foto: imago)
  • Die neuen Preise könnten ab Januar in Kraft treten.
  • Der Bahn-Chef sieht im Klimapaket das größte Bahn-Programm seit 180 Jahren.
  • Der Gewerkschaft gehen die Pläne der großen Koalition noch nicht weit genug.

Das Bahnfahren in Deutschland soll in Folge des Klimapakets der Bundesregierung bereits in den nächsten Monaten um zehn Prozent billiger werden. Das neue Preissystem werde frei geschaltet, sobald die geplante Mehrwertsteuersenkung für den Fernverkehr in Kraft trete, sagte Bahn-Chef Richard Lutz am Sonntag in Berlin. Laut Klimapaket der Bundesregierung soll eine entsprechende Gesetzesreform zum 1. Januar kommen.

Sicher ist dieser Starttermin allerdings nicht. Denn zuerst müssen noch Bundestag und Bundesrat zustimmen. Ob dies so schnell geht, ist offen. Die Bahn will die Steuersenkung jedenfalls in vollem Umfang an die Kunden weitergeben. Auf die zum Jahresende sonst übliche Preiserhöhung bei Fernverkehrstickets werde der Konzern verzichten, kündigte Lutz an.

Auch Spartickets für ICE-Fahrten werden günstiger

Die Bundesregierung hatte am Freitag beschlossen, die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent zu reduzieren. Für Taxifahrten oder Nahverkehrstickets gilt bereits dieser ermäßigte Satz. Der neue Einstiegspreis für ICE-Fahrten soll nach Angaben der Bahn künftig mit Bahncard-Rabatt bei 13,40 Euro liegen - dies sei "der niedrigste reguläre Einstiegspreis seit der Bahnreform 1994". Ohne Bahncard beträgt der Preis demnach für Spartickets 17,90 Euro statt bislang 19,90 Euro.

Der reduzierte Steuersatz von sieben Prozent gilt für Fahrkarten ab 50 Kilometer Entfernung, die ab Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung gebucht werden. Auch die Bahncard 100 würde billiger. Ob andere Bahncards günstiger werden, hängt von den genauen Gesetzesregelungen ab. Sie gelten nicht als Ticket und müssten extra erwähnt werden.

30 neue Hochgeschwindigkeitszüge sollen ab 2023 auf die Schiene

Der niedrigere Steuersatz soll dazu führen, dass mehr Fahrgäste vom Auto auf die klimafreundlichere Bahn umsteigen. Die Bahn rechnet durch den Steuereffekt pro Jahr mit fünf Millionen mehr Passagieren. Deshalb sollen kurzfristig Aufträge für 30 neue Hochgeschwindigkeitszüge ausgeschrieben werden. Laut Bahn soll der Auftrag rund eine Milliarde Euro kosten. Sie sollten ab 2023 auf die Schiene kommen.

Von allen Verkehrsarten profitiert die Bahn am meisten von den Beschlüssen des Klimakabinetts. Konzernchef Lutz sprach vom größten Wachstums- und Innovationsprogramm in der 180-jährigen deutschen Bahngeschichte. Die Bahn werde bis 2030 insgesamt 20 Milliarden Euro zusätzlich bekommen, sagte Lutz am Sonntag in einer telefonischen Pressekonferenz. "Wir spielen nun voll auf Angriff und Ausbau."

Gewerkschaften und Bahnexperten sehen größeren Investitionsbedarf

Mit Kritik an den Plänen der Bundesregierung hielt sich das Bahnmanagement zurück, der Konzern gehört zu 100 Prozent dem Bund. Die Kritik übernahmen am Sonntag die Gewerkschaften. "Das, was jetzt vorgelegt wurde, ist halbherzig und keinesfalls der große Wurf", warnte Alexander Kirchner, Chef der größten Bahngewerkschaft EVG. Die von der großen Koalition geplante Verdopplung des Personenverkehrs auf der Schiene auf 260 Millionen Passagiere pro Jahr sei so nicht realisierbar. Es gehe um viele Absichtserklärungen, die in der Finanzierung vage blieben.

Nach Einschätzung von Experten braucht die Bahn in den nächsten Jahren nicht nur 20 Milliarden Euro mehr, sondern mindestens 70 bis 80 Milliarden. Der Konzern muss sein gesamtes Netz ausbauen und erneuern, noch deutlich mehr Züge anschaffen und den eigenen Betrieb digitalisieren, um die massiven Probleme mit Qualität und Pünktlichkeit zu bekämpfen.

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