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Corona-Krise:Bahn braucht viele Milliarden vom Bund

Bund plant milliardenschwere Eigenkapitalerhöhung bei der Bahn

Die Bahn beziffert die Einbußen nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen bis 2024 auf elf bis 13,5 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

Die Corona-Krise wirft den geplanten Umbau des Verkehrssystems in Deutschland wohl um Jahre zurück.

Von Markus Balser, Berlin

Nach einem beispiellosen Einbruch bei den Passagierzahlen um bis zu 90 Prozent im Fernverkehr muss die Bundesregierung den größten deutschen Staatskonzern mit Milliardenhilfen stützen. Die Konzernspitze beziffert die Einbußen nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen in Papieren für die Regierung bis 2024 auf elf bis 13,5 Milliarden Euro. Allein in diesem Jahr droht ein Verlust von zwei Milliarden Euro. Bund und Bahn verhandeln deshalb intensiv über eine Finanzspritze. Zudem muss der Konzern einen harten Sparkurs einschlagen.

Große Pläne - aber jetzt fehlt das Geld

Die Vorgänge machen klar, welche tiefen Spuren die Corona-Krise auch langfristig hinterlassen wird. Sie wirft den eigentlich geplanten Umbau des Verkehrssystems in Deutschland wohl um Jahre zurück. Eigentlich hatten Bund und Bahn den massiven Ausbau des klimafreundlichen Bahnverkehrs, etwa den raschen Einsatz neuer Züge und einen dichteren Takt, geplant - mit Millionen mehr Passagieren.

Stattdessen steigen nun Millionen weniger Fahrgäste in die Züge ein. Damit fallen Einnahmen in großem Stil weg. Die Kosten bleiben zudem hoch. Denn die Bahn lässt wegen der Verpflichtung zur Grundversorgung weiter 75 Prozent ihrer Züge fahren. Auch im Güterverkehr bricht das Geschäft ein. Der Konzern verlor rund 40 Prozent seiner Aufträge. Die Corona-Krise treffe die Bahn viel stärker als die Finanzkrise 2008, heißt es aus der Konzernspitze.

Die Bahn-Zentrale rechnet sogar mit einer mehrjährigen Flaute auf den Schienen. Erst von 2022 an könnten wieder so viele Passagiere wie vor der Krise einsteigen, heißt es. Und auch das nur, wenn dann ein Medikament oder ein Impfstoff gegen das Virus existiere.

Harter Sparkurs

Wie dringend die Bahn nun Geld braucht, lässt sich am hohen Tempo der Verhandlungen ablesen. Sie sollen bereits in den kommenden Tagen abgeschlossen werden. Der Bund ist demnach bereit, einen Großteil des Defizits zu übernehmen.

Der Staat könnte der Bahn allein in diesem Jahr mit sieben Milliarden Euro unter die Arme greifen. Schon in der kommenden Woche soll eine erste Tranche von 4,5 Milliarden Euro fließen. Voraussetzung ist aber, dass die EU-Kommission im Rahmen einer Beihilfe-Prüfung zustimmt. Das gilt wegen möglichen Einflusses auf den Wettbewerb im Schienenverkehr nicht als sicher.

Auch die Bahn selbst soll laut Regierung aktiv werden und einen harten Sparkurs einschlagen, um die verbleibende Finanzlücke von rund fünf Milliarden Euro zu schließen. Dazu zählen Einsparungen etwa beim Personal und bei Investitionen. Vorstand und Führungskräfte sollen auf Boni verzichten. Der Schuldenberg könnte in den nächsten Jahren zudem von 25 auf bis zu 30 Milliarden Euro steigen.

Der Ausbau der Bahn soll nach Angaben aus Regierungskreisen aber nicht gestoppt, sondern zeitlich gestreckt werden, heißt es. Die Bahn spielt eine wesentliche Rolle im Klimaschutzprogramm der Regierung. Der Bund will zunehmend Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern.

Eine gute Nachricht gab es am Montag von der Bahn. Der Konzern nahm den grenzüberschreitenden Zugverkehr nach Frankreich wieder auf. Zwischen Frankfurt und Paris gibt es täglich wieder eine Verbindung in beide Richtungen.

© SZ vom 12.05.2020/hgn
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