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Deutschland: Aufschwung:Mehr Geld - aber dalli!

Alle sollen vom Wachstum profitieren: DIW-Chef Zimmermann hat die Unternehmen ermahnt, ihre Arbeitnehmer zumindest zeitweise an hohen Gewinnen zu beteiligen.

Erneut hat sich ein angesehener Ökonom für Lohnzuwächse ausgesprochen. Nachdem der Wirtschaftsweise Peter Bofinger Anfang August Lohnerhöhungen von mindestens drei Prozent gefordert hatte, plädierte nun auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann, für höhere Löhne.

DIW-Chef fordert Mehrwertsteuererhoehung um sechs Prozentpunkte

DIW-Chef Klaus Zimmermann über die positive konjunkturelle Entwicklung in Deutschland: "Es ist ein Aufschwung auf breiter Front, der für dieses Jahr wohl unvermeidbar zu über drei Prozent Wirtschaftswachstum führen wird."

(Foto: ddp)

"Die Lohnzuwächse müssen sich an der Gewinnsituation der Unternehmen und der Branchen, zu denen sie gehören, orientieren und nicht an den guten Wachstumsraten", sagte Zimmermann der Online-Ausgabe des Handelsblattes.

Wo die Gewinne hoch seien, könnten auch die Löhne stärker steigen. "Allerdings sollte man angesichts der unsicheren konjunkturellen Lage im Ausland die Priorität bei temporären Lohnsteigerungen sehen", fügte der DIW-Chef hinzu. "Einmalzahlungen könnten dies für die Unternehmen erträglich machen."

Deutlich höhere Wachstumsprognose

Generell hält Zimmermann Forderungen nach Lohnsteigerungen erst bei einem Wachstum der Produktivität für berechtigt. "Bei einem Wachstum aus einer substanziellen Krise heraus, wie dies für viele exportorientierte Firmen typisch ist, muss zunächst einmal der Produktionsausfall nachgeholt und die Produktivitätsentwicklung normalisiert werden", sagte der DIW-Chef.

Zudem hob das DIW hat seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum 2010 deutlich auf über drei Prozent an. Bislang hatte das Institut den Angaben zufolge 1,9 Prozent vorhergesagt. Es sei ein typisch deutscher Aufschwung, der durch die internationalen Märkte - diesmal insbesondere aus China - initiiert worden sei, sagte Zimmermann.

Die Entwicklung habe aber auch deutlich die Investitionen und den Konsum sowie insbesondere die Dienstleistungsbranchen erreicht. Gestützt werde dies durch einen stabilen Arbeitsmarkt.

"Es ist also ein Aufschwung auf breiter Front, der für dieses Jahr wohl unvermeidbar zu über drei Prozent Wirtschaftswachstum führen wird", sagte Zimmermann zu Handelsblatt Online.