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Mindestlohn:Jeder fünfte Minijobber bekommt weniger als 5,50 Euro brutto pro Stunde

Dies lasse vermuten, "dass ein erheblicher Teil der Arbeitgeber die Bezahlung nicht nur langsam, sondern gar nicht an den Mindestlohn angepasst hat", sagt WSI-Experte Pusch. Oft zeigen dies schon die Arbeitsverträge: Bei mehr als 23 Prozent der Verträge waren so lange Arbeitszeiten vereinbart, dass bei einem Verdienst von maximal 450 Euro im Monat der Lohn schon rechnerisch unter den 8,50 Euro liegen musste.

Teilweise werden sogar extrem niedrige Stundenlöhne bezahlt. So bekam etwa jeder fünfte Minijobber weniger als 5,50 Euro brutto pro Stunde. Für die Forscher ist deshalb klar: Es muss bessere Kontrollen geben.

Auch DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell verlangt mehr Kontrollen. Dies gelte gerade auch für kleine Betriebe in der Gastronomie und im Einzelhandel. Um engmaschige Kontrollen gewährleisten zu können, müsse das Personal der zuständigen Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) dringend auf 10.000 Stellen aufgestockt werden, sagt er. Derzeit gibt es allerdings nur um die 7000 Kontrolleure. Geplant sind bis 2022 etwa 1600 zusätzliche Stellen. An verstärkten Kontrollen "dürften auch die ehrlichen Arbeitgeber ein Interesse haben, denen tricksende Mitbewerber ebenfalls schaden", glaubt der Gewerkschafter.

Auch ehemalige Arbeitgeber können verklagt werden

Viele Minijobber haben laut Körzell dem DGB berichtet, dass die Papierlage meistens sauber sei, sprich Arbeitszeit und Lohn sich entsprechen, um die Grenze der geringfügigen Beschäftigung von 450 Euro monatlich einzuhalten. Aber in der Realität erledigten viele Beschäftigte die Arbeit im alten Umfang. Der DGB rät Minijobbern nun, keine neuen Arbeitsverträge zu unterschreiben, die die Arbeitszeit senken, den Arbeitsumfang aber unberührt lassen.

"Die tatsächlichen Arbeitszeiten sollten dokumentiert und möglichst von Kollegen bezeugt werden, um den Anspruch auf Mindestlohn notfalls gerichtlich durchsetzen zu können" empfahl das DGB-Vorstandsmitglied. Das Mindestlohngesetz räume dafür rückwirkend drei Jahre Zeit ein, es könnten also auch ehemalige Arbeitgeber verklagt werden. Gewerkschaftsmitglieder erhielten kostenlosen Rechtsschutz.

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