Apple:Angeblich recht schnell

Apple: Schaut so ähnlich aus wie immer, aber hat mehr Steckplätze und einen frischen Zentralrechner: ein neues MacBook Pro neben Apple-Chef Tim Cook.

Schaut so ähnlich aus wie immer, aber hat mehr Steckplätze und einen frischen Zentralrechner: ein neues MacBook Pro neben Apple-Chef Tim Cook.

(Foto: AFP)

Bei der Präsentation neuer Chips für die leistungsstärkste MacBook-Generation schraubt Apple die Erwartungen enorm hoch. Ist das gerechtfertigt?

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Fünf Jahre sind ja schon in analoger Zeitrechnung eine unfassbar lange Spanne. Als Apple zuletzt eine neue MacBook-Pro-Generation vorstellte, im Jahr 2016 war das, da war Corona eine Biermarke, der Hamburger SV war ein Bundesligist und Donald Trump ein TV-Clown. In Silicon-Valley-Maßstäben liegen fünf Jahre in der Vergangenheit in etwa im Pleistozän, ewig her also. Die Vermarktung des Konzerns mit gezielter Streuung von Informationskrümeln an ausgewählte Experten funktioniert wie immer perfekt, also wussten alle, die sich für Apple interessieren, bereits vor der Präsentation am Montag: Da wird ein neuer Rechner kommen.

Tatsächlich gibt es eine neue MacBook-Pro-Generation, in den Formaten 14 Zoll und 16 Zoll. Der Konzern nennt die beiden Geräte "Biester", die er da von der Leine lassen wird, es sind ja auch die High-End-Notebooks der US-Firma. Doch es ging an diesem Montag nicht nur um die Chips, die diese Computer zum Leben erwecken. Apple will nun offenbar auch als Unternehmen wahrgenommen werden, das auf seine Kunden hört. Im Falle der MacBook-Pros bedeutet das: Weg mit dem ungeliebten berührungssensitiven Bedienelement namens Touchbar, stattdessen gibt es nun wieder herkömmliche Funktionstasten. Außerdem kehrt der Netzteilanschluss MagSafe zurück, eine schnell lösende, magnetische Steckverbindung. Weiterhin verfügten die beiden neuen Modelle nun wieder über zahlreiche Ports für den Anschluss von Peripheriegeräten und Speicherkarten.

Dazu eine verbesserte Kamera für die Video-Konferenz-Zeiten, in denen wir seit nunmehr eineinhalb Jahren leben, allerdings nicht in 4K-Auflösung, wie es in der PC-Welt mittlerweile üblich ist, sondern nur mit 1080 Pixel. Immerhin gibt es ein verbessertes Soundsystem mit sechs Lautsprechern. Die 14-Zoll-Version soll 2000 Dollar kosten, der große Bruder 2500 Dollar; beide sollen von kommender Woche an ausgeliefert werden.

Die wahren Stars der Show sollten die beiden Prozessoren sein, M1 Pro und M1 Max, wobei es mit Erwartungen freilich immer so eine Sache ist: Hält man sie zu niedrig, dürften sich am Ende nicht genügend Leute dafür interessieren. Skaliert man sie zu hoch, wie es Apple zum Beispiel bei der Vorstellung der neuen iPhone-Generation im September getan hat, zeigen sich die Beobachter enttäuscht - und das führt ja immer gleich zur Frage: Sind die Zeiten der wahnwitzigen Hypes um Apple-Produkte vorbei? Ist dieser Konzern noch innovativ genug? Wo ist das Produkt, das den Hype auch rechtfertigt?

Nun, am Montag schienen sich die Apple-Mitarbeiter während der Präsentation ziemlich sicher, dass sie da was ganz Großes vorstellen; die Beschreibungen reichten von "super, super, super, super schnell" bis hin zu "lebensverändernd", darunter gab es nichts. Nur: Die Leute vor den Kameras hetzten derart getrieben durch Zahlen und Grafiken, dass man meinen konnte, der eigene Arbeitgeber hätte ihnen solche Chips eingepflanzt.

Deshalb: durchatmen, Schritt zurück, langsam. Vor knapp einem Jahr hatte Apple den ersten eigenen Chip vorgestellt, den M1. Das Unternehmen will sich damit unabhängiger machen vom bisherigen Chip-Hersteller Intel, allerdings war der M1 nur in Modellen für Privatkunden zu finden. Die an diesem Montag vorgestellte Generation der von Apple selbst entworfenen Chips soll schneller sein und richtet sich damit vor allem an Grafikdesigner, Spieleentwickler, Programmierer. Apple verspricht, die CPU-Leistung des M1 Pro sei 70 Prozent kräftiger als die des M1, die des Grafikchips (GPU) gar doppelt so hoch. Die GPU-Leistung des M1 Max sei gar viermal so hoch wie die des M1 - was alle jene freuen dürfte, die mit 3D-Grafiken arbeiten: man kann bis zu vier externe Bildschirme an ein MacBook Pro anschließen.

Doch das Unternehmen lieferte nur diese internen Vergleiche, ansonsten gab es ein paar eher verwirrende Grafiken. Also: Die Leistung des M1 wurde als ziemlich steile Kurve und hoher Berg gezeichnet, die neue Chip-Generation als Mount Everest und die PC-Chips als flacher Hügel darunter. Das soll wohl andeuten: Der Apple-Chip leistet entweder sehr viel mehr, oder er verbraucht viel weniger Energie. Sieht toll aus. Allerdings: wie viel Leistung mehr oder wie viel weniger Energie denn genau? Das war nicht zu erkennen. Wie gefährlich diese Monster wirklich sind, die der Konzern von der Leine lassen wird, wird sich also erst nach der Auslieferung eindeutig sagen lassen.

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