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Gesundheitspolitik:Grüne wollen Geld der Apotheker umverteilen

Apotheke

Das Apotheken-Logo an der Tür einer Apotheke in Baden-Württemberg.

(Foto: Uli Deck/dpa)
  • Einem Teil der Apotheken geht sehr es schlecht, einem anderen Teil besonders gut. Schon vor vier Jahren waren etwa 2600 Apotheken in ihrer Existenz bedroht.
  • Die Grünen fordern einen Preismechanismus, der reichen Apotheken Geld wegnimmt und es denen in strukturschwachen Regionen gibt.

Einem Teil der Apotheken in Deutschland geht es schlecht. Laut einem Gutachten im Auftrag des Wirtschaftsministeriums waren bereits vor vier Jahren rund 1900 Stadtapotheken und etwa 700 Landapotheken akut in ihrer Existenz bedroht. Knapp die Hälfte aller Apotheken hatten mit Umsatzschwierigkeiten zu kämpfen, vor allem waren diejenigen bedroht, die ihr Geschäft am Stadtrand betreiben. Doch gleichzeitig, das zeigt dieses Gutachten ebenfalls, geht es einem anderen Teil der Apotheken sehr gut. Er verdient an einem lukrativen Standort in einer Einkaufszone oder in einem Ärztehaus. Bei diesen Pharmazeuten, stellten die Forscher fest, könnten die Krankenkassen sogar noch erheblich Geld sparen.

Die Bundestagsfraktion der Grünen will nun dieser ungleichen Verteilung von Apothekereinkommen entgegenwirken. In einem Antrag, welcher der Süddeutschen Zeitung vorliegt, fordert sie einen neuen Preismechanismus, der reichen Apothekern Geld wegnimmt und dafür Pharmazeuten in strukturschwachen Regionen besser fördert. Der Packungspreis für verschreibungspflichtige Medikamente, den Kassen bezahlen, soll demnach künftig sinken, wenn eine Apotheke bereits einen besonders hohen Umsatz hat. Ziel sei, die "Konzentration auf wenige große (Versand-)Apotheken" zu stoppen. "Schon einer Reduzierung der packungsabhängigen Vergütung von einem Euro für die umsatzstärksten zehn Prozent der Apotheken", heißt es in dem Papier, "könnte ein Umverteilungspotenzial zugunsten kleinerer Apotheken im dreistelligen Millionenbereich bedeuten".

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Spahn will für rezeptpflichtige Medikamente feste Preise im Sozialgesetzbuch verankern

Das bei den reichen Pharmazeuten gesparte Geld wollen die Grünen in verschiedene neue Fördertöpfe stecken. So wollen sie etwa den heutigen Nacht- und Notdienstfonds zu einem Sicherstellungsfonds weiterentwickeln. Apotheker, die wegen ihres einsamen Standortes häufig Nachtdienste übernehmen, sollen damit "gezielt quersubventioniert" werden.

Auch Botendienste sollen dem Vorschlag zufolge ausgebaut und besser bezahlt werden, um immobilen Menschen eine Beratung an der Haustür zu gewährleisten. Apotheker, die ihren Kunden einen Medikamentenplan erstellen, sollen dafür zunächst einen "hohen zweistelligen Betrag" erhalten und dann in jedem Quartal für eine weitere Beratung noch etwas Geld kassieren können. Mit diesen Vorschlägen wolle man Versorgungsprobleme lösen, "ohne dabei die Versichertengemeinschaft zusätzlich zu belasten", sagt die grüne Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte in der vergangenen Woche einen Gesetzentwurf vorgelegt, der Apothekern zusätzlich 205 Millionen Euro aus Krankenversicherungsmitteln sowie aus Bund, Ländern und Gemeinden verspricht. Dieses Geld soll ebenfalls für Nacht- und Notdienste, die Abgabe von Betäubungsmitteln und für pharmazeutische Dienstleistungen ausgegeben werden - also etwa für die Erstellung von Medikamentenplänen. Um welche Dienstleistungen es sich konkret handelt, sollen Spahn zufolge die Spitzenorganisation der Apotheker und der Spitzenverband der Krankenkassen aushandeln. Außerdem will er Apothekern künftig in Modellprojekten erlauben, Kunden gegen Grippe zu impfen.

Anders als die Grünen will der Gesundheitsminister jedoch die festen Preise für rezeptpflichtige Medikamente im Sozialgesetzbuch verankern. Damit kommt er einem Wunsch der Apothekenverbände nach, die mit dieser Preisbindung in der Konkurrenz zu ausländischen Versandhändlern bestehen wollen - und zwar, obwohl die EU-Kommission bereits angemahnt hatte, die Preise zu lockern.

Spahns Vorgänger im Amt, Hermann Gröhe (CDU), hatte den Apothekern noch ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Aussicht gestellt und dieses auch im Koalitionsvertrag verankert. Dementsprechend kritisierte der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, dass nun Millionen "für sogenannte zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen" an die Apotheker fließen sollen. Es sei "klar, dass sich die Koalition mit diesem Klientelgeschenk vom Versprechen des Versandhandelsverbots freikauft", sagte Litsch.

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