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Alte Atomkraftwerke:Die Aussicht auf Profit - manchmal eine Milchmädchenrechnung

Bleibt das Argument, Atomstrom sei billig. Wie viel die Kilowattstunde Atomstrom wirklich kostet, lässt sich Mez zufolge nicht konkret sagen. Die Stromkonzerne halten sich bedeckt, was Finanzierung, Tilgungsraten und tatsächliche Betriebskosten angeht.

Auch Vattenfall-Sprecherin Meyer-Bukow verweist auf die Strombörse. Dort wird der Preis für Atomstrom nach den Produktionskosten des teuersten Kraftwerks ermittelt, das am Netz ist. Der Preis für Strom aus Windenergie ist staatlich auf 9,2 Cent je Kilowattstunde festgelegt.

Dass der Strompreis dank neuer Reaktoren, von denen Strommanager und manche Politiker träumen, künftig sinken wird, scheint eher unwahrscheinlich: Bei den Neubauplänen für Atomkraftwerke (AKW) in Frankreich und Finnland liegen die Produktionskosten für die Kilowattstunde bei zehn Cent.

Die These, dass Atomstrom heute für die Verbraucher besonders günstig ist, hält Greenpeace-Mann Smital für eine Mär: Weitgehend alle Meiler seien direkt oder indirekt staatlich subventioniert.

Wissenschaftler Mez bestätigt dies und zitiert eine "sehr konservative Schätzung", wonach seit Beginn der staatlichen Förderung etwa 60 Milliarden Euro aus dem Steuersäckel geflossen seien.

Windstrom sei unter dem Strich günstiger, behauptet Mez - und verweist ausgerechnet auf eine Studie des Branchenprimus Eon.

Mez hat dennoch Verständnis für die Betreiber der Meiler: "Wenn ich so ein Kraftwerk hätte, ganz gleich, ob es sich um ein Atom-, Kohle- oder anderes Kraftwerk handelt, würde ich auch so etwas so lange offen halten."

Manchmal erweist sich die Aussicht auf den schönen Gewinn auch als "Milchmädchenrechnung" (Mez) - dann, wenn es ernsthafte Probleme wie in Biblis, Brunsbüttel oder Krümmel gibt.

Denn ein stillgelegter Meiler bedeutet nicht nur keinen Profit, sondern vor allem: Kosten. Wie hoch diese im Fall Krümmel ausfallen, will Vattenfall nicht sagen.

Eins stellt der Konzern jedoch klar: "Wenn wir nur Verluste damit machen würden, dann würden wir es nicht machen."

Deshalb, so heißt es, soll Krümmel wieder hochgefahren werden.