Versicherung:Allianz verkauft Großteil des Russland-Geschäfts

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Versicherung: Auch wenn sich der Konzern doch nicht komplett aus Russland zurückzieht: Die Marke Allianz werde in dem neu zu schaffenden Unternehmen keine Rolle mehr spielen, beteuert eine Sprecherin.

Auch wenn sich der Konzern doch nicht komplett aus Russland zurückzieht: Die Marke Allianz werde in dem neu zu schaffenden Unternehmen keine Rolle mehr spielen, beteuert eine Sprecherin.

(Foto: Andreas Gebert/picture alliance/dpa)

Der Münchener Versicherer trennt sich von der Mehrheit an den Tochtergesellschaften in Russland, bleibt aber Minderheitsaktionär. Die Allianz begründet das mit der nötigen Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter.

Von Jonas Tauber, Berlin

Die Allianz trennt sich von einem Großteil ihres Geschäfts in Russland. Interholding, der Besitzer des Versicherers Zetta Insurance, übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung. An dem noch zu schaffenden kombinierten Unternehmen soll die Allianz dann aber noch 49,9 Prozent halten. Die russische Aufsicht muss noch zustimmen. Die mit Interholding getroffene Vereinbarung ziele darauf ab, die Kontinuität für Kunden und Mitarbeiter zu gewährleisten, teilt die Allianz mit.

Der Verkauf führt zu einer Belastung von 400 Millionen Euro für den Münchener Versicherer. Ein Grund dafür sind Verluste aus Währungseffekten, die mit der Umgliederung realisiert werden.

Damit ziehe sich die Allianz zwar nicht komplett vom russischen Markt zurück, allerdings werde die Marke in dem neu zu schaffenden Unternehmen keine Rolle mehr spielen, sagte eine Sprecherin. Bei der Vorstellung der Ergebnisse des ersten Quartals war noch von einem voraussichtlichen kompletten Rückzug die Rede gewesen.

Bei den russischen Töchtern der Allianz handelt es sich um mehrere Firmen in den Bereichen Schaden- und Unfallversicherung, Lebensversicherung und Vermögensverwaltung. Das Prämienaufkommen belief sich 2021 auf 258 Millionen Euro.

Die Allianz-Aktie legte am Freitag leicht auf zwischenzeitlich 196,24 Euro zu. In den vergangenen Wochen musste der Versicherer mit den Folgen eines schweren Betrugsskandals in den USA fertig werden, der rund sechs Milliarden Dollar an Schadenersatz und Geldstrafen kostete. Außerdem darf die Tochter Allianz Global Investors (AGI) zehn Jahre lang in den USA keine Investmentfonds anbieten.

Den Skandal hat der Aktienkurs des Unternehmens bemerkenswert gut weggesteckt: Seit Jahresanfang verlor der Dax 9,57 Prozent, die Allianz-Aktie aber nur 6,45 Prozent. Hauptgrund ist die Entschlossenheit von Vorstandschef Oliver Bäte, die Dividenden trotz Krisen stetig zu erhöhen und mit milliardenschweren Aktienrückkäufen den Kurs des Papiers zu stützen.

In den USA hat sich die AGI für schuldig erklärt, was die Betrugsvorwürfe des US-Justizministeriums und der Börsenaufsicht SEC angeht. Die Konzernführung würde den Skandal am liebsten schnell abhaken. Doch ganz so einfach wird das nicht: In dieser Woche begann in New York der Prozess gegen Gregoire Tournant, den Manager der kollabierten Fondsstruktur. Nach Ansicht der Allianz ist er der Hauptverantwortliche für den Betrug. Doch Tournant plädierte in allen Anklagepunkten auf unschuldig. Der Prozess könnte viele Einzelheiten darüber ans Licht bringen, wer im Konzern wie viel von den Praktiken wusste.

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