bedeckt München
vgwortpixel

Alice verschwindet:Verbannung aus dem Wunderland

Die Marke Alice verschwindet - es wird kein DSL mehr von dem hanseatischen Anbieter geben. Die bisherigen Kunden übernimmt O2.

Mit den blonden langen Haare und dem verführerisch Kleid ist bald Schluss. Die Marke Alice des DSL-Anbieters Hansenet wird vom Markt verschwinden. Das hat O2, seit November 2009 der Eigentümer von Hansenet, beschlossen.

Alice

Alice verschwindet bald vom Markt. Eigentümer O2 will lieber seinen eigenen DSL-Anschluss vermarkten.

(Foto: oH)

"Unsere DSL-Marke in Deutschland wird in Zukunft O2 sein", sagte O2-Deutschland-Chef Rene Schuster. Allerdings wolle man Alice nicht sofort aufgeben, da man die 2,1 Millionen DSL-Kunden binden möchte. "Unser Ziel ist es, die Marke Alice langsam über einen Zeitraum von zwei Jahren durch O2 zu ersetzen", erklärte Schuster. In Deutschland ist O2 der kleinste der vier Mobilfunk-Betreiber.

Hansenet, der bisherige Betreiber von Alice, wurde 1995 als DSL-Anbieter für Hamburg gegründet. Über die Jahre wurde Alice durch gezieltes Marketing zu einem Erfolg und Hansenet zum viertgrößten Breitbandanbieter in Deutschland. Zuletzt hatte das Unternehmen auf dem hart umkämpften DSL-Markt jedoch Boden verloren. Neukunden holen sich ihren schnellen Internetanschluss derzeit meist von der Deutschen Telekom oder den preisaggressiven Kabelnetzbetreibern.

Aufholjagd zum Konkurrenten

Schuster zufolge wird sich die Übernahme aber trotz der Wachstumsdelle auszahlen, da Hansenet für O2 strategisch wichtig sei. "Was uns immer gefehlt hat, war ein starkes Festnetzgeschäft", sagte Schuster. Das eigene DSL-Angebot von O2 sei mit gerade mal 300.000 Kunden vergleichsweise gering. Der große Kundenstamm von Hansenet eröffne daher neue Chancen. So sollten Alice-Abonnenten O2-Handyverträge angeboten werden. "Wir glauben, dass der Verkauf von mehreren Telekommunikationsprodukten an einen Kunden sich deutlich steigern lässt", sagte Schuster. Derzeit habe nur jeder sechste O2-Kunde zwei oder mehr Produkte abonniert.

"Deutschland ist besonders interessant, da das Land wirtschaftlich und politisch sehr stabil ist und zugleich der größte Telekom-Markt in Europa ist", sagte Schuster. Deshalb habe der spanische O2-Mutterkonzern Telefonica den Münchnern neben Hansenet auch den milliardenschweren Ausbau des Mobilfunknetzes bezahlt und mehr als eine Milliarde Euro für neue Lizenzen ausgegeben, um das mobile Internet schneller zu machen. Angesichts dieser Investitionen sei klar, das O2 nicht auf Dauer kleinster Anbieter in Deutschland bleiben wolle.

2009 hatte O2 dank neuer Tarife mehr Mobilfunkkunden gewonnen als die Konkurrenz. Mit einem Plus von neun Prozent oder 1,3 Millionen Kunden kam O2 zum Jahresende auf insgesamt 15,5 Millionen Handynutzer. Rivale E-Plus hatte für 2009 ein Plus von 1,2 Millionen auf 19 Millionen Nutzern ausgewiesen. Der Abstand zur Spitze ist aber groß: Die Telekom zählte 39 Millionen Kunden, Vodafone knapp 35 Millionen.

AOL Deutschland, Lycos und Co.

Friedhof der Internet-Dinos