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Aktienindex:Der Trump-Effekt ist versickert

Traders work on the floor of the New York Stock Exchange in New York

Das große Warten auf die wichtige Marke: Händler an der Wallstreet in New York.

(Foto: Lucas Jackson/Reuters)
  • Der wichtige Aktienindex Dow Jones kämpft seit Wochen damit, die historische Marke von 20 000 Punkten zu überschreiten.
  • Am 6. Januar fehlte dem Index zwischenzeitlich nur noch ein Punkt - und dann sackte er doch wieder ab.
  • Das Schauspiel zeigt: Psychologie ist an der Börse extrem wichtig - und der Trump-Effekt mittlerweile schon wieder abgeschwächt.

Schon vor vier Wochen kamen die Investoren in Sektlaune. Am 14. Dezember 2016 erreichte der amerikanische Aktienindex Dow Jones erstmals die Nähe der magischen Marke von 20 000 Punkten. Um das Ereignis zu würdigen, muss man wissen, dass der Dow Jones nicht irgendein Aktienindex ist, sondern schlichtweg der Aktienindex. Er wurde im Jahr 1884 gegründet und spiegelt heute die Kurse der 30 größten börsennotierten Unternehmen der USA wider. Seit 132 Jahren gilt er als Symbol und Gradmesser für Stärke oder Schwäche der USA, der größten Volkswirtschaft der Welt.

Wenn so ein Symbol eine runde Marke überwindet, ist das ein fast historisches Ereignis. Über die 10 000 Punkte kletterte der Index schließlich noch im alten Jahrhundert, anno 1999. Das sind die Ereignisse, bei denen es an der an Floskeln reichen Börse immer heißt, dass "die Sektkorken knallen".

Das Problem ist nur, dass die Sektkorken auch vier Wochen später noch nicht geknallt haben. Denn der Dow Jones kommt immer nur in die Nähe der 20 000 Punkte, er springt aber nicht darüber. Höhepunkt dieses fast schon skurrilen Schauspiels war der 6. Januar, als es bis auf 19 999,63 Punkte hochging. Gerade 0,37 Pünktchen fehlten noch - doch dann kratzte der Index wieder die Kurve.

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Auch die erste Rede des künftigen US-Präsidenten Donald Trump am Mittwoch konnte die Kurse nicht beflügeln. Und am Tag darauf kündigte Amazon-Chef Jeff Bezos an, 100 000 neue Jobs in den USA zu schaffen, so als wollte er Trump besänftigen, der zuvor gegen unpatriotische Unternehmen getwittert hatte. Doch alles half nichts: Der Dow Jones fiel sogar, er bleibt weiter unter 20 000 Punkten.

Es ist die Stunde der Charttechniker, jener Spezialisten, die auf den Kursverlauf einer Aktie oder eines Index blicken und daraus ihre Schlüsse für die Zukunft ziehen. Ein wichtiges Wort für Charttechniker ist das Wort "Widerstand". Es bedeutet, dass ein Kurs über eine bestimmte Marke nicht hinauskommt oder - in der bildreichen Sprache der Börsianer - "an ihr abprallt". Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Widerstände existieren, braucht man nur auf die Dow-Jones-Kurve der vergangenen Wochen zu blicken.

Sie ist auch ein Indiz dafür, dass an der umstrittenen Disziplin der Charttechnik eben doch etwas dran ist. Einige Börsenkenner halten sie zwar für Hokuspokus. Doch sobald es Anleger gibt, die an Charttechnik glauben, spielt sie auch eine Rolle für den Markt. Es ist wie bei einer Prophezeiung, die sich selbst erfüllt.